Extremismus

Polizei fürchtet weitere Attacken auf Kopten in Lichtenberg

Noch sind die Spuren des Brandanschlags vom Wochenende nicht vollständig beseitigt, da ist die koptische Kirche in Lichtenberg erneut attackiert worden. Es werden weitere Angriffe befürchtet.

Foto: Steffen Pletl

Eine Ermittlungsgruppe des Polizeilichen Staatsschutzes untersucht derzeit einen neuerlichen Zwischenfall an der Berliner Koptischen Gemeinde in Lichtenberg. Nachdem dort am Wochenende bereits von Unbekannten ein Brandanschlag verübt worden war, entdeckte ein Geistlicher am Mittwochabend zwei beschädigte Fensterscheiben. Laut Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich werde in alle Richtungen ermittelt, ein Ergebnis stehe noch aus.

Die Gemeinde zählt derzeit etwa 200 Familien, in der Kirche befinden sich drei Schlafplätze für Mitglieder der Gemeinde.

Am Mittwoch gegen 19 Uhr hatte Erzpriester Girgis El Moharaky in dem Gotteshaus am Roedeliusplatz Schäden an zwei Scheiben in gerade den Räumen festgestellt, in denen sich die Schlafplätze befinden. Daraufhin – und wegen der Erfahrung vom Wochenende – alarmierte er die Polizei. „Binnen weniger Tage wurde hier eingebrochen, eine Tür in Brand gesetzt, und nun sind auch noch Scheiben beschädigt worden“, sagt der Geistliche. Laut Stefan Redlich wies zumindest eine Scheibe von innen Risse auf, was den Schluss zuließe, dass sich jemand Zugang zu den Räumlichkeiten verschafft habe.

Jetzt untersuchen Kriminaltechniker die Gläser. Der Fall wurde der Staatsschutzermittlungsgruppe übergeben, die sich auch mit dem Brandanschlag vom Wochenende beschäftigt. Wie berichtet, hatten Unbekannte einen sogenannten Molotow-Cocktail in den Eingangsbereich des Gebäudes geschleudert. Die danach entstandenen Flammen hatten das massive Tor aus Holz stark beschädigt. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Sakrale Gegenstände und Regenwasserrinnen gestohlen

„Wir leben hier friedlich und wollen unsere Kirche zu einem ökumenischen Zentrum ausbauen“, sagt der Priester der Koptischen Gemeinde. Viele Besucher interessierten sich für das unter Denkmalschutz stehende Haus und das, was darin geschehe, so Moharaky. Daher könne er nicht verstehen, dass es Menschen gebe, die versuchten, das friedliche Miteinander zu stören. Bevor am Sonnabend der Brandsatz geschleudert worden war, gab es bereits mehrere Einbrüche in die koptische Kirche St. Athanasius und St. Schenouda. Dabei wurden unter anderem sakrale Gegenstände sowie Regenwasserrinnen aus Kupfer gestohlen. Bei einem Einbruch vor wenigen Wochen wurde auch ein Tresor aufgebrochen und ausgeraubt. Auch in diesem Fall fehlt jede Spur von den Tätern.

Gerüchte, wonach viele Angehörige der Gemeinde in der Vergangenheit Ziel von verbalen und körperlichen Attacken von Muslimen geworden seien, bestätigten sich nicht. Laut einem Ermittler müsse alles dafür getan werden, dass sich alle Glaubensgruppen in Berlin sicher fühlten. Hinweise zu den Taten nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.