Lokführerstreik

Berliner Bahnverkehr war auch nach Streik beeinträchtigt

Die Lokführer haben bundesweit bis Mittwochmorgen 6 Uhr gestreikt. In Berlin war auch die S-Bahn betroffen. Fahrgäste mussten auch nach Streikende mit Verspätungen und Zugausfällen zurechtkommen.

Foto: Raimon Klein

Rund dreieinhalb Stunden nach dem offiziellen Ende des Streiks sind die Auswirkungen langsam abgeklungen. Die Stadtbahn fährt wieder regelmäßig im 3-4 Minuten-Takt in beide Richtungen. Im Regionalverkehr belaufen sich die meisten Verzögerungen "nur" noch auf 10-20 Minuten. Allein Reisende Richtung Schönefeld Airport (RB 14) und Frankfurt Oder (RE 1) müssen sich noch auf ca. 40 Minuten Verspätung einstellen.

Fahrgäste mussten aber bei der Berliner S-Bahn und der Deutschen Bahn noch bis Mittwochvormittag mit zahlreichen Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Bundesweit hatten die Lokführer von Dienstagabend 21 Uhr bis 6 Uhr morgens am Mittwoch die Arbeit niedergelegt.

So war der S-Bahn-Verkehr in Berlin auch am Morgen noch erheblich beeinträchtigt gewesen. Gegen 8 Uhr hatte es einen weitgehend regelmäßigen Verkehr auf den Linien S1, S2, S3, S46, S5, S7, S8 und S9 gegeben, teilte die S-Bahn Berlin GmbH mit. Einzelne Züge seien auch auf den Linien S25, S41, S42, S47 und S75 unterwegs gewesen.

Allein auf den Linien S85und S45 waren auch gegen Mittag noch immer keine Züge unterwegs. Schienenersatzverkehr bestand weiterhin zwischen Hennigsdorf und dem S+U-Bahnhof Tegel sowie Südende und Teltow Stadt.

Die Berliner U-Bahnen, die von dem Ausstand nicht betroffen waren, waren jedoch nicht voller, als sonst im morgendlichen Verkehr.

Unregelmäßiger Verkehr am Bahnhof Friedrichstraße

Am Bahnhof Friedrichstraße waren die Auswirkungen des Streiks auch nach 6 Uhr noch deutlich zu spüren gewesen. Während die S-Bahnen Richtung Strausberg wieder im 20 Minuten-Takt fuhren, ging bei der Stadtbahn Richtung Westen erst einmal nichts. "Warum diese Züge nicht fahren, wissen wir auch nicht", sagte eine Bahnmitarbeiterin am Vormittag auf dem Bahnsteig. Die Durchsage am Gleis kündigte wenig später an, dass Fahrgäste Richtung Zoologischer Garten den Bus 200 ab Unter den Linden, und Reisende Richtung Hauptbahnhof den Bus 147 ab Friedrichstraße nehmen sollten.

Wer Richtung Potsdam wollte, konnte mit der S1 ab Friedrichstraße wieder fahren. Auch die Gegenrichtung war ab etwa 6.20 Uhr mit den Linien S1 und S2 wieder befahrbar. Der Regionalverkehr, als schnellste Möglichkeit etwa zum Hauptbahnhof, war aber noch sehr unbeständig. Reisende wurden per Durchsage zum Gleis 3 geschickt, die Anzeige dort teilte jedoch mit, dass dieser Zug heute ausfalle.

Auch die S5 nach Spandau fuhr gegen 7 Uhr wieder. Der Bahnsteig an der Friedrichstraße war überfüllt, die Bahn ebenfalls. Es gab viel Gedrängel, am Ende schafften es nicht alle Fahrgäste, in die Bahn einzusteigen.

Reisende müssen weiterhin Geduld beweisen

Auch um 8 Uhr war der Zugverkehr in Richtung Westen noch sehr eingeschränkt. Wann der nächste Zug nach Westkreuz oder Spandau fahren sollte, war am Hauptbahnhof ungewiss. Das regte viele Fahrgäste auf: "Ich finde es unglaublich und eine Frechheit, dass zwei Stunden nach Streikende immer noch nichts fährt", sagte Claudia P. aus Birkenwerder, die zum Savignyplatz musste.

Auch Diana J. reagierte aufgebracht. "Die Bahn-App hat heute morgen keinerlei Verspätungen angezeigt, am Bahnhof in Fürstenwalde fuhr dann trotzdem erst einmal kein Zug", sagte sie. Eine Alternative zur Bahn habe sie nicht. "Ich kann es mir einfach nicht leisten, 70 Kilometer mit dem Auto zu fahren", so J.

Reisende, die Richtung Potsdam fahren wollten, mussten den Regionalzug nehmen, da die nächste S-Bahn in diese Richtung erst wieder in knapp 40 Minuten eintreffen sollte. Auch gegen 8.30 Uhr blieb es dabei: Richtung Osten fuhren die Züge der Stadtbahn im 20-Minuten-Takt, der S-Bahnverkehr Richtung Westen war weiter unregelmäßig.

Nach 45 Minuten, in denen vom Hauptbahnhof kein einziger Zug Richtung Westen ging, fuhr dann gegen 8.40 Uhr eine Bahn der S5 nach Spandau ein - der Zug war komplett überfüllt. danach sollte sich der Takt jedoch langsam normalisieren, hieß es. Fahrgästen mit Ziel Potsdam wurde empfohlen, bis Westkreuz zu fahren und dann die S7 zu nutzen.

Regional- und Fernverkehr läuft wieder

Vom Streik besonders betroffen war der Regionalbahnverkehr in Brandenburg, wo nach Einschätzung eines Sprechers der Deutschen Bahn 85 bis 90 Prozent der Züge ausfielen. Am Morgen gab es Verspätungen von bis zu zwei Stunden. Die Lage werde noch bis zum Nachmittag schwierig sein, sagte der Sprecher.

Einige Regionalzüge fuhren zwar am Bahnhof Friedrichstraße ein, viele fielen jedoch auch rund eine Stunde nach Streikende weiter aus, wie die Verbindungen nach Dessau oder Nauen.

Doch langsam kamen auch hier wieder die Züge in Bewegung. Der Regionalexpress um 6.22 Uhr ab Friedrichstraße nach Wittenberge über Hauptbahnhof, Zoo und Spandau war voll besetzt. Sehr viele Menschen stiegen ein und aus.

Im RE 2 von Cottbus nach Wismar war es gegen 7.20 Uhr so voll, dass die Menschen dicht gedrängt auf den Gängen stehen mussten. "Man ist zwar vorbereitet, es nervt aber trotzdem", sagte ein Fahrgast zu den Auswirkungen des Streiks.

Auch am Bahnhof Zoologischer Garten waren die Streik-Folgen noch spürbar, vor allem im Regionalverkehr. Gegen 8 Uhr mussten die wartenden Fahrgäste Verspätungen von rund einer Stunde und mehr in Kauf nehmen. In Potsdam fuhren die Regionalbahnen in Richtung Berlin ebenfalls etwa eine Stunde später ab.

Verspätungen und Ausfälle am Hauptbahnhof

Auch am Hauptbahnhof lief es am Morgen nach Streikende noch nicht rund. Der Blick auf die große Anzeigetafel verriet, dass es bei nahezu jedem Zug im Regional- und Fernverkehr zu Ausfällen und Verspätungen von bis zu zwei Stunden kam.

Im Fernverkehr fuhren die ICs und ICEs wieder, die Züge hatten jedoch fast immer Verspätung. So warteten Reisende nach Hamburg 40 Minuten, nach Stuttgart ging es hingegen fast pünktlich mit nur 5 Minuten Verzögerung los.

Einige Fernreisende traf der Streik besonders hart. Erich W. aus Stralsund wollte eigentlich nach Magdeburg fahren, wartete aber schon seit Dienstagabend um 19 Uhr auf seinen Anschluss. In Eberswalde sei sein Zug einfach stehen geblieben. Da auch keine S-Bahnen mehr fuhren, musste er mit dem Bus und der U-Bahn zum Berliner Hauptbahnhof fahren, wo er dann auch die Nacht verbrachte. Am Mittwochmorgen seien dann alle Züge nach Magdeburg ausgefallen. "Es reicht jetzt einfach", so Erich W.

Die Berliner S-Bahn informiert zu den Einschränkungen auf ihrer Internetseite oder über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Reisende der Deutschen Bahn können sich über die Lage im Fern- und Regionalverkehr auf der Internetseite des Unternehmens informieren.