Tarifstreit

Lokführer-Streik hat Auswirkungen auf Berufsverkehr

Die Gewerkschaft GDL hat alle Lokführer und andere Bahnbedienstete zu einem flächendeckenden Streik aufgerufen - von Dienstag, 21 Uhr, bis Mittwoch, 6 Uhr. Auch die Berliner S-Bahn steht dann still.

Bahnreisende müssen sich ab Dienstagabend auf gravierende Einschränkungen im Bahnverkehr einstellen. Die Eisenbahnergewerkschaft GDL rief die Lokführer und andere Bahnbedienstete am frühen Dienstagmorgen zu einem bundesweiten Streik in der Zeit von 21 Uhr bis Mittwochmorgen um 6 Uhr auf - auch bei der Berliner S-Bahn. In den Ausstand treten sollen auch Zugbegleiter und Disponenten.

Die S-Bahn Berlin empfahl ihren Kunden auf ihrer Internetseite, sich vorsorglich U-Bahn-, Tram- und Busverbindungen zu suchen, auf die sie im Streikfall ausweichen könnten.

Die Gewerkschaft der Lokführer will mit dem flächendeckenden Streik ihrer Forderung nach fünf Prozent mehr Geld und weiteren Verbesserungen wie einer zweistündigen Arbeitszeitverkürzung auf 37 Stunden pro Woche durchsetzen.

Bereits am Dienstagmorgen kam es bei der Berliner S-Bahn zu Störungen im Betriebsablauf - allerdings durch technische Probleme: Eine Stellwerksstörung in Waidmannslust unterbrach den S-Bahnverkehr auf der S-Bahnlinie S1 zwischen den Bahnhöfen Schönholz und Hohen Neuendorf (Oberhavel). Im morgendlichen Berufsverkehr fahren Busse statt Bahnen, wie die S-Bahn Berlin mitteilte.

Auswirkungen auch auf den Berufsverkehr am Morgen

Bei den beiden vorangegangenem Streiks hatten sich mehr als 90 Prozent der S-Bahn-Lokführer in Berlin beteiligt. Nicht genau abzuschätzen ist, wie viele Fahrgäste betroffen sein werden – rund 1,4 Millionen Menschen nutzen die S-Bahn täglich. Von "Kaffeesatzleserei" spricht ein Sprecher. Fest steht: Sobald ein Lokführer seinen Zug stehen lässt, wirkt sich das auf die nachfolgenden aus – schnell geht dann nichts mehr.

Wahrscheinlich ist, dass der S-Bahn-Verkehr nach Streikende auch dieses Mal erst nach ein paar Stunden wieder normal fließt. "Und viele Fahrgäste sind schon vor 6 Uhr auf die S-Bahn angewiesen, um zur Arbeit zu kommen", so der Sprecher.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb kritisiert den Streik. "Wie immer trifft es zuerst die Fahrgäste", sagt Sprecher Jens Wieseke. Vor allem Bewohner in den Randbezirken, die nicht auf Bus oder U-Bahn ausweichen könnten, seien betroffen. Die Igeb fordert von der Bahn, mit der GDL zumindest eine Notlösung für die Außenäste zu finden. Und, dass einige Züge nicht wie bei den letzten Streiks schon vor Streikbeginn abgezogen werden, um noch rechtzeitig in die Wartungshallen zu kommen. "Das verschlimmert die Situation nur", so Wieseke.

Hier gibt es Informationen für Fahrgäste

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kündigten an, ihr "Möglichstes" zu tun, um die Auswirkungen des Streiks auf die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten. Allerdings könne man massive Ausfälle bei der S-Bahn nicht eins zu eins ausgleichen. Ein Ersatzverkehr mit Bussen sei logistisch nicht möglich, da nicht vorhersehbar sei, wann und wo Züge stehenbleiben. Fahrgäste sollten sich daher rechtzeitig vor Fahrtbeginn informieren und vorsorglich mehr Zeit einplanen.

Ein Ersatzverkehr mit Bussen sei logistisch nicht möglich, da nicht klar ist, wann und wo Züge stehen bleiben, weil der Lokführer die Arbeit niederlegt. Abgesehen davon befördere ein S-Bahn-Zug bis zu 1000 Fahräste. Es wären zehn Doppeldecker oder Gelenkbusse nötig, um das auszugleichen.

Die Bahn informiert Fahrgäste über den Kurznachrichtendienst Twitter unter @DB_Info und @DB_Bahn. Zusätzlich zur allgemeinen Servicenummer unter 0180 6 99 66 33 (20ct/Anruf aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk max. 60ct/Anruf) schaltet die DB ab heute 18 Uhr eine kostenlose Servicenummer unter 08000 99 66 33. Die BVG informiert im Internet unter http://fahrinfo.bvg.de. Die S-Bahn gibt Informationen unter www.s-bahn-berlin.de

Die Bahn hatte zuletzt gefordert, den Tarifkonflikt solange auszusetzen, bis das von der Regierung angekündigte Gesetz zur Regelung der Kompetenzen von Sparten- und Großgewerkschaften vorliege. In der Zwischenzeit sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Lohn erhalten.

Kern des Tarif-Konflikts ist es, dass die GDL neben den Lokführern nun auch für Rangierführer und Zugbegleiter verhandeln will, für die bislang die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelt hatte.

Die Bahn lehnt aber konkurrierende Verhandlungen über dieselbe Beschäftigtengruppe ab. Am Donnerstag war nach den bisherigen Warnstreiks eine Urabstimmung über reguläre Streiks zu Ende gegangen. 91 Prozent stimmten für den Arbeitskampf.

„Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen“

Die Bahn nannte den angekündigten Streik bereits am Montag völlig überflüssig. Personalvorstand Ulrich Weber wies den Vorwurf zurück, die Bahn verweigere Verhandlungen und treibe die Gewerkschaft in den Konflikt. „Der GDL-Führung geht es aber darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf.“

Die Bahn hatte in der vergangenen Woche ein neues Angebot gemacht, um Streiks noch abzuwenden. Demnach sollten die Verhandlungen ruhen, bis die Bundesregierung das geplante Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg gebracht hat. Bis dahin sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Geld erhalten.

In einem Brief des GDL-Chefs Claus Weselsky an die Arbeitgeber vom Montag heiß es dazu: „Übersetzt heißt das: „Nehmt die Brosamen des Arbeitgebers, bevor euch die Regierung mit einem Gesetz zur Tarifeinheit endgültig den Garaus macht!““