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Ab 2015 im Einsatz - So sehen Berlins neue U-Bahn-Züge aus

Innen größer, außen leiser: Die ersten Züge von Berlins neuer U-Bahn stehen kurz vor der Fertigstellung. Ab Januar 2015 sollen sie durch die Stadt rollen und müssen sich bewähren.

Foto: BVG

In einer Computer-Simulation fährt Berlins neue U-Bahn bereits über die Oberbaumbrücke. Die Berliner werden aber noch vier Monate warten müssen, bis sie den ersten Zug tatsächlich zu sehen bekommen. Ende Januar 2015, so bestätigten jetzt die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), will die Stadler GmbH Pankow die zwei bestellten Prototypen der neuen Fahrzeuggeneration ausliefern.

BVG-Sprecherin Petra Reetz ist zuversichtlich, dass der Termin auch gehalten wird. Die Fertigung laufe nach Plan, sagte sie der Berliner Morgenpost. Erst am Sonnabend seien im Stadler-Werk in Hohenschönhausen die ersten beiden von insgesamt acht Wagen auf die Drehgestelle aufgesetzt worden.

Die neuen Züge werden bei der Berliner U-Bahn sehnsüchtig erwartet. Vor allem auf den Linien U1 und U4 – wegen ihrer schmalen Tunnel auch als Kleinprofil-Linien bezeichnet – liegt das Durchschnittsalter der Fahrzeugflotte bei mehr als 25 Jahren. Die ältesten Züge der Baureihe A3L sind sogar schon seit 1966 im Einsatz, üblich ist bei Schienenfahrzeugen eine Nutzungsdauer von höchstens 40 Jahren. Wegen des schlechten Zustands hält die BVG – anders als bei den fast gleichaltrigen Wagen für die Großprofillinien U5 bis U9 – eine Modernisierung der Züge wirtschaftlich für nicht vertretbar.

Stadler muss sich bewähren

Bereits im Juli 2012 haben die landeseigenen Verkehrsbetriebe daher den Bau einer neuen, modernen U-Bahn in Auftrag gegeben. Den Zuschlag erhielt nach einer europaweiten Ausschreibung die deutsche Tochter der Schweizer Stadler Rail Group. Eine prestigeträchtige Premiere für die Eidgenossen, hatte doch zuletzt der kanadische Bombardier-Konzern alle großen Schienenfahrzeugaufträge von der BVG erhalten. Stadler wird zunächst nur zwei vierteilige Vorserien-Züge bauen, die die BVG rund ein Jahr lang auf Herz und Nieren testen will.

Bewähren sie sich im Alltagsbetrieb, kann Stadler mit einem Lieferauftrag für bis zu 34 weiteren, ebenfalls aus je vier Wagen bestehenden Serien-Zügen rechnen, die ab 2017 ausgeliefert werden sollen. Auftragsvolumen: rund 158 Millionen Euro. Das Geld will das Land Berlin als Eigentümer der BVG bereitstellen.

Äußerlich wird sich die neue U-Bahn (Baureihe IK) nur wenig von ihren Vorgängern unterscheiden. Sie fährt weiter im typischen Sonnengelb durch die Stadt, Überlegungen, ihr nach New Yorker Vorbild einen Metallic-Look zu verpassen, wurden von der BVG schnell verworfen. Die Berliner sind traditionsbewusst und mögen weder bei ihrer S- noch bei der U-Bahn große Farbexperimente. Auffällig ist jedoch die leichte Wölbung der Außenwand.

Diese wird konstruktiv als Bombierung bezeichnet, sie sorgt dafür, dass der Wagenkasten der IK-Bahn mit 2,40 Metern um 10 Zentimeter breiter ausfällt als der ihrer Vorgänger. Das soll den Fahrgästen mehr Platz und Komfort verschaffen, vor allem einen größeren Mehrzweckbereich für Fahrräder, Kinderwagen und sperriges Gepäck. Jeder Zug wird laut BVG Platz für bis zu 330 Fahrgäste bieten, maximal 80 können sich über einen Sitzplatz in den längsbestuhlten Wagen freuen – das entspricht in etwa dem Angebot in den ab 2001 gebauten HK-Zügen mit 76 Sitzplätzen.

Videoüberwachung in allen Wagen

Zur Sicherheit der Fahrgäste werden alle Wagen videoüberwacht, zudem soll laut BVG-Chefin Sigrid Nikutta „ein helles, freundliches Design dafür sorgen, dass auch der Wohlfühlfaktor in den Zügen stimmt“. Ob auch die Sitze dazu beitragen, ist unter Fahrgastvertretern umstritten: Sie werden nicht nur bei den IK-Zügen künftig generell als Hartschale mit Stoffauflage statt als weicher Polstersitz gefertigt. Die BVG will damit vor allem Kosten bei der Beseitigung von Vandalismusschäden senken.

Die IK-Züge werden laut Stadler auch komfortabler und hörbar leiser als ihre Vorgänger über die Gleise rollen. Neben einer Luftfederung soll dafür auch ein Getriebe sorgen, das die in Kassel ansässige Henschel GmbH auf der Fachmesse Innotrans kürzlich erstmals vorstellte. Durch seine kompakte Bauweise sei der Antrieb sehr leise und effizient, sagte dort Henschel-Chef Matthias Henke. 24 Getriebe habe das 160 Jahre alte Traditionsunternehmen für die beiden Prototypen bereits gebaut, weitere 340 sollen folgen. „Das ist unser erster Auftrag für die BVG, für uns ein Leuchtturmprojekt“, betonte Henke. Wichtig ist ihm, dass dieser auch qualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland sichere. „Wir bauen unsere Getriebe noch komplett selbst“, so Henke.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb begrüßt die anstehende Inbetriebnahme neuer Züge. Deren Zahl entspreche aber weder dem aktuellen noch dem künftigen Bedarf. „Die 144 neuen Wagen ersetzen lediglich 132 Altbauwagen“, kritisierte ein Sprecher. Weil zudem immer vier Wagen eine Einheit bilden, könnten mit den neuen Fahrzeugen keine Sechs-Wagen-Züge gebildet werden, wie sie auf den Linien U1 bis U3 tagsüber üblich sind.

Neue Züge fordert der Verband auch für die Großprofillinien. Laut Igeb ist die Zahl der U-Bahn-Wagen in den letzten zehn Jahren um 161 auf 1242 gesunken, gleichzeitig seien aber die Zahl der Fahrgäste und damit der Platzbedarf erheblich gestiegen. Die BVG hatte im Vorjahr mehr als 947 Millionen Fahrgäste befördert, knapp 493 Millionen davon mit der U-Bahn. Insgesamt stieg die jährliche Zahl der Fahrgäste seit 2003 um fast 50 Millionen.

Foto: büro+staubach