Gartenausstellung

Probesitzen für Berlins erste Seilbahn seit 60 Jahren

Komfortable Kabinen, gläserner Boden, orangefarbene Ledersitze: Eine Seilbahn wird 2017 über das Gelände der Internationalen Gartenausstellung führen – und Luxus pur bieten. Eine Probesitzen.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Schicke Kabinen mit gläsernem Boden und orangefarbenen Ledersitzen, die Platz für zehn Personen bieten – Berlins neue Seilbahn soll im April 2017 mit 60 Gondeln ihren Betrieb aufnehmen. Wer dann mitfährt, wird in 25 Metern Höhe über das Gelände der Internationalen Gartenausstellung (IGA) schweben, die ebenfalls im April 2017 eröffnen soll.

Am Sonnabend hatten die Berliner schon einmal Gelegenheit, sich eine dieser Kabinen genauer anzuschauen. Das Gedränge in der alten Markthalle in Marzahn war groß, als das erste Musterstück der 1,5 Kilometer langen Seilbahn präsentiert wurde. Viele Berliner wollten einen Blick in die Gondel werfen oder sich schon einmal hineinsetzen.

Gondel mit Glasboden

Die neun Jahre alte Antonia aus Treptow war eine der Ersten, die die moderne Gondel inspiziert hat. Vorsichtig setzte sie sich hinein: „Ich habe ein bisschen Angst, dass der Glasboden kaputtgeht“, sagte sie. Trotzdem freue sie sich schon am meisten auf eine Fahrt mit der Seilbahn. „Die wird mir endlich den lästigen Fußmarsch auf den Kienberg ersparen“, sagte sie zu ihrer Großmutter, mit der sie öfter dort unterwegs ist.

Zu den Probesitzern gehörte am Sonnabend auch Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), einer der Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. „Das Ganze ist eine riesige Chance für die Stadt Berlin und vor allem für Marzahn-Hellersdorf“, sagte er. Bei vielen Touristen ist der Bezirk trotz seiner großen Grünflächen kaum bekannt. Das soll sich ändern.

Äpfel und Kirschen für die Anwohner

Christoph Schmidt, Geschäftsführer der IGA Berlin 2017 GmbH freute sich, dass „die Planungen für die IGA endlich fertig sind und nun mit dem Bauen begonnen werden kann.“ Er eröffnete damit die erste offizielle Veranstaltung zur Internationalen Gartenausstellung, die alle zehn Jahre stattfindet. Nach Hamburg wird nun im Jahr 2017 als nächstes Berlin der Austragungsort sein.

Das Areal der IGA in Berlin wird rund 100 Hektar umfassen. Es wird sich vom Wuhletal mit dem Kienberg bis zu den „Gärten der Welt“ erstrecken. Dort werden die Bauarbeiten dafür demnächst beginnen. Bis zum Herbst 2016 werden die Arbeiten unter laufendem Betrieb stattfinden, danach bleiben die Gärten bis zur Eröffnung der Gartenschau geschlossen. Die Kosten für die IGA werden auf rund 40 Millionen Euro geschätzt.

„Die Baupläne für das Gelände sind sehr nachhaltig ausgerichtet“, sagt Jeannine Koch von der Marketingabteilung der IGA Berlin 2017 GmbH. Die vorhandene Natur solle nur erweitert werden. Nach den rund 180 Tagen, die die Ausstellung dauern soll, würde man den Bürgern den größten Teil des Geländes verschönert wieder zurückgeben und frei zugänglich machen. So seien beispielsweise bereits Obstbäume mit klassischen deutschen Obstsorten an dem Weg neben der Kleingartenanlage im Wuhletal gepflanzt worden. Die Äpfel und Kirschen könnten die Anwohner auch nach der Ausstellung noch abernten.

Von der Stadt zur Natur

„Der Fokus der Internationalen Gartenausstellung 2017 liegt auf der Verbindung von städtischem Gebiet und Natur“, so Jeannine Koch. Deshalb eigne sich der Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit seinen Hochhaussiedlungen und den vielen Grünflächen besonders gut als Austragungsort. Das Herzstück der Schau sollen die „Gärten der Welt“ bilden. Dort sind Ausstellungen von mehr als 200 Floristen und Landschaftsgärtnern aus Deutschland geplant.

Erneuerbare Energien bilden einen weiteren Schwerpunkt der Gartenausstellung 2017. Dieses Thema will man vor allem jungen Besuchern auf einem Campus am Kienberg und in einer Umweltbildungsstation näher bringen. Für ein kulturelles Angebot soll überdies eine Freilichtbühne sorgen. Rund 5000 Menschen sollen dort Platz finden. Neu angelegte Wiesenflächen und Generationsspielplätze sollen Jung und Alt zu Bewegung motivieren.

Der Zugang zu den neuen Einrichtungen und die Wege auf dem gesamten Gelände sollen komplett barrierefrei werden. Damit will der Veranstalter auch für Senioren und Behinderte einen Besuch der Gartenschau einfach gestalten. Künftig wird nicht nur die Seilbahn, die mindestens bis 2020 fahren soll, einen weitläufigen Blick über das Areal der Ausstellung bieten.