Ausbildung

Der Baustellentag wirbt um Nachwuchs für die Branche

Die Tiefbau-Firma Frisch & Faust will mit dem „Baustellentag“ junge Menschen für die Branche begeistern. Wer geeignet ist, der kann sogar eine Ausbildung ergattern - doch das will längst nicht jeder.

Foto: Krauthoefer

„Was glaubt ihr, wie tief geht dieser Schacht hinunter“, fragt Dominik Miekley die anwesenden Schüler der Philipp-Reis-Schule aus Hohenschönhausen. Trotz dieser nicht so schwierigen Frage ist auf den Gesichtern der 9. Klasse kollektive Ratlosigkeit zu erkennen. Sechs Meter gibt der 19-Jährige Miekley, der sich im zweiten Lehrjahr befindet, dann selbst die Antwort.

Anlass dieser Fragestunde ist der Baustellentag der Tiefbau-Firma Frisch & Faust, der eine seiner Spezialtiefbau- und Rohrleitungsbau-Baustellen für interessierte Schülerinnen und Schüler zugänglich macht, um für potenzielle Auszubildende zu werben. Auf der Baustelle in der Salzmannstraße, gelegen an der Grenze von Lichtenberg zu Friedrichsfelde, erklären neben Miekley weitere Auszubildende, Bauingenieurs-Studenten, Poliere und Bauleiter die Arbeitsschritte der Kanalsanierung und des Rohrleitungsbaus. „Wir wollen, dass die echten Baustellenarbeiter und vor allem unsere Azubis mit der Sprache der Jugend den Schülern den Tiefbau-Beruf näher bringen“, sagt Dieter Mießen, kaufmännischer Leiter der Firma Frisch & Faust.

Dominik Miekley gibt sich auch alle Mühe, geduldig erklärt er an verschiedenen Baustellen-Stationen den Vorgang der grabenlosen Kanalrohrverlegung, bei der nicht die ganze Straße aufgerissen werden muss. Doch das Interesse der Schüler verliert sich dann schnell zwischen dem Setzen eines Pressschachtes und dem Vorschieben der Pilotrohre. Auch wenn die Lehrerin sie ständig ermahnt, werden lieber Selfies gemacht und wild herumgealbert. Einzig die Kanalsanierer Matthias Scholz und Stefan Frömke bekommen die volle Aufmerksamkeit der Klasse. „Wir müssen kein Loch bohren, sondern schauen mit einer Mini-Kamera in das Rohr, um zu sehen, was repariert werden muss“, erklärt Frömke. Auch die Vorführung ihres Roboters, der mittels Bohrer die Rohrwände abschabt, kann begeistern.

„Es wäre mir zu viel Anstrengung“

Insgesamt hält sich der Enthusiasmus der Schüler für den Tiefbauberuf jedoch stark in Grenzen. „Es wäre mir zu viel Anstrengung, zu viel Dreck und Gestank“, sagt die 14-Jährige Eyleen Reisewitz. Sie habe gehört, dass man nach der Arbeit noch sehr lange stinken würde, wirft eine ihrer Mitschülerinnen ein. Die präferierten Berufe der Mädchen sind Kindergärtnerin, Grafikdesignerin, Kosmetikerin oder Ärztin. Auch die Jungs der Klasse sind nicht interessiert, Berufssoldat oder Koch sind hier zu hören als Zukunftswunsch. „Meine Eltern besitzen ein Restaurant und machen jetzt noch ein zweites auf, da ist schon klar, dass ich dort eine Ausbildung als Koch beginnen werde“, sagt der 15-Jährige Dieter Duck-Bremse.

Dabei sind die jährlich stattfindenden Orientierungstage eigentlich eine der Quellen, aus denen Frisch & Faust ihren Nachwuchs rekrutiert. „Viele fragen zunächst nach einem Praktikum, bei entsprechender Motivation und Eignung bieten wir danach einen Platz in unserer Stufenausbildung an“, sagt Dieter Mießen. In den ersten zwei Jahren wird man zum Tiefenbaufacharbeiter ausgebildet, um sich im dritten Lehrjahr entweder auf Kanalbauer, Rohrleitungsbauer oder Straßenbauer zu spezialisieren. Laut Mießen seien die Perspektiven glänzend, da Frisch & Faust stets für den eigenen Bedarf ausbilde und Infrastrukturmaßnahmen wie etwa der Berliner Wasserwerke immer gebraucht würden.