Fernbusmarkt

Der Zentrale Omnibusbahnhof bleibt bis 2020 in Berliner Hand

Der Betreiber BVG zieht seine Vertragsoption, den ZOB am Funkturm fünf weitere Jahre zu betreiben. Zum Nachteil der Deutschen Bahn: Die hätte den Busbahnhof gerne übernommen.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Der alte Betreiber des Zentralen Omnibusbahnhofs Berlin (ZOB) wird auch der neue sein. Nach Morgenpost-Informationen ziehen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre Option um fünf weitere Jahre bis 2020. Das landeseigene Unternehmen betreibt den ZOB seit 2001 über ein Tochterunternehmen, der aktuelle Vertrag läuft bis Ende 2015.

Die Verlängerung mit dem Land Berlin soll in zwei Wochen unterzeichnet werden. Darin ist auch geregelt, dass die BVG federführend beim anstehenden Umbau des Busbahnhofs ist.

Die BVG hat aus ihren Absichten an einen Weiterbetrieb nie einen Hehl gemacht. „Schließlich haben wir ihn aus den roten Zahlen gebracht“, sagt eine Sprecherin. Doch offenbar war das einem anderen Interessenten nicht bewusst. So hatte sich auch die Deutsche Bahn um die Betreiberrechte bemüht, hat nun aber das Nachsehen.

„Natürlich ist der ZOB für uns als Infrastrukturbetreiber interessant“, sagt ein Sprecher. „Es hätte ja sein können, dass die BVG die Option doch nicht zieht.“ Für die Bahn ist es ein kleiner Rückschlag auf dem umkämpften Fernbusmarkt. Seit der Liberalisierung Anfang 2013 buhlen viele Billiganbieter um Kunden.

Die Bahn schaut sich anderweitig um

Die Bahn, die mit zwei Unternehmen auf der Straße vertreten ist, hadert mit dem Preiskampf und will sich über den Betrieb von Haltestellen ein zweites Standbein aufbauen. Kritiker hatten befürchtet, dass sie sich mit der ZOB-Übernahme über Staatsgeld ein Monopol aufbauen könnte.

Stattdessen sucht die Bahn nach anderen Optionen. Geplant ist eine Ausweitung des Fernbusverkehrs am Ostbahnhof. Dieser wird bislang nur von der Bahn-Tochter Berlin Linien Bus angefahren. Ab Ende des Jahres sollen dort auch andere Unternehmen Halt machen können – gegen Gebühr, versteht sich.

Möglich ist laut Bahn ein Modell wie am Südkreuz, wo sie ebenfalls eine Haltestelle betreibt. Dort werden pro Halt acht Euro fällig, mittlerweile nutzen vier verschiedene Unternehmen das Angebot. Auch ein Fernbushalt am Hauptbahnhof sei hochinteressant, bislang würden aber positive Signale aus der Senatsverwaltung fehlen, heißt es bei der Bahn.

Schon länger sind die Fernbusanbieter auf der Suche nach neuen Haltestellen in Berlin – und haben sich dabei breit positioniert: am Ostbahnhof, am Alexanderplatz oder an den Flughäfen. Das Münchner Unternehmen FlixBus kündigte jüngst die Eröffnung von Haltemöglichkeiten in Charlottenburg und Mitte an.

Fernbus-Boom ist ungebrochen

Denn der ZOB ist überlastet. Bis Ende des Jahres wird sich die Zahl der Halte seit der Marktöffnung mit 150.000 fast verdreifacht haben. Also wird die Anlage neben dem Messegelände am Funkturm „schrittweise ertüchtigt“. Für rund drei Millionen Euro soll es statt 35 zukünftig 49 Haltestellen geben. Derzeit ist ein Baubeginn im nächsten Jahr „möglich und angestrebt“, allein die erste Bauphase dauert zehn Monate.

Eine Erweiterung des fast 50 Jahre alten ZOB scheint nötiger denn je. Denn die Fernbusse sind weiter auf dem Vormarsch. Laut aktuellen Daten des Berliner Forschungsinstitut Iges hat sich die Zahl der Linien seit der Liberalisierung vervierfacht. Und decken das internationale Netz der Deutschen Bahn fast vollständig ab.

Dabei profitieren sie offenbar davon, dass der Staatskonzern wegen hohen Verlusten einige Nachtzugverbindungen streicht. Ab Mitte Dezember etwa die von Berlin nach Amsterdam. Bei den Topanbietern der Fernbusse machen Nachtfahrten laut Iges dagegen schon zehn Prozent der Linien aus. „Das ist ein kluger Schachzug in Zeiten, in denen die Deutsche Bahn ihre Nachtzüge auf den Prüfstand stellt“, sagt Iges-Experte Christoph Gipp.

Fernbus teilweise schon schneller als Bahn

Die Nachtfernbusse würden oftmals ähnliche Leistungen zu günstigeren Konditionen mit mehr Stopps zum Aussteigen anbieten. Und sie seien bei Fahrten ins europäische Ausland um bis zu 60 Prozent günstiger als die Züge der Bahn. Zudem gehe der Geschwindigkeitsvorteil zurück: Der Fernbus München-Zürich sei inzwischen fast eine halbe Stunde schneller als die Schienenverbindung.

Der Bahn bleiben auf dem Fernbusmarkt nach wie vor nur zwei Möglichkeiten: Sie orientiert sich an der Spitze und greift an – laut Iges ist sie mit IC Bus und Berlin Linien Bus bei einem Marktanteil von zwölf Prozent nur die Nummer drei. Oder sie baut ihr Geschäft mit den Haltestellen weiter aus.