Zwischenbilanz

Blitzermarathon – Mit Tempo 66 durch die 30er-Zone

Die Polizei hat in Berlin und Brandenburg Hunderte zu schnelle Autofahrer ertappt. Einige hatten es besonders eilig. Doch die echten Raser blieben bislang die Ausnahme.

Foto: Steffen Pletl

Für zahlreiche Schulkinder der Grundschule Am Birkenanger in Spandau entpuppte sich der Blitzermarathon als spannende Abwechslung vom Schulalltag. Die Polizei hatte am Donnerstagmorgen vor der Schule an der Seeburger Allee eine Kontrollstelle eingerichtet. Die Schüler einer sechsten Klasse durften die Beamten bei der Überwachung begleiten und die Messgeräte unter Anleitung selbst ausprobieren. Sie hatten sich zudem etwas Besonderes ausgedacht. Sie schenkten Autofahrern, die sich an die Geschwindigkeitsregelung gehalten hatten, zum Dank eine Karte, die mit einem Bonbon verziert war.

„Die Aktion kam bei den kontrollierten Kraftfahrern gut an. Sie mussten für das Dankeschön der Kinder ja erst angehalten werden, einige waren entsprechend irritiert“, sagte Polizeisprecherin Heidi Vogt. Das von den Kindern ausgesprochene Lob habe den Autofahrern gefallen. Viele hielten sich an die Vorschriften: In mehr als einer Stunde war nur ein einziges Auto zu schnell.

Deutlich ernster ging es an einigen der 289 anderen Kontrollstellen zu. Schon am frühen Morgen war ein Autofahrer in Schöneberg auf der Autobahnabfahrt Sachsendamm der A103 mit 99 Stundenkilometern erwischt worden. Am nördlichen Ende der Westtangente sinkt das erlaubte Tempo schrittweise von 80 über 60 auf schließlich 40 Stundenkilometer. Erlaubt waren an der Messstelle 60 km/h. Für den ertappten Raser bedeutete dies ein Bußgeld in Höhe von 160 Euro, zwei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei sowie einen Monat Fahrverbot.

Erst gebummelt, dann zu schnell gefahren

Ein Motorradfahrer, der dort kurz darauf mit Tempo 80 gemessen wurde, kam mit einer Strafe von 35 Euro davon. Er habe morgens zu Hause ein wenig gebummelt, war dann auf dem Weg zur Arbeit zu schnell und zeigte sich, auf sein Fehlverhalten angesprochen, einsichtig. Nur ein Hauch schneller, mit 81 km/h, wären bereits 80 Euro und ein Punkt fällig gewesen.

Insgesamt hatten die für den Blitzermarathon eingesetzten Polizisten den Eindruck, dass die Kraftfahrer sich überdurchschnittlich diszipliniert verhielten. „Das war auch unser Ziel, möglichst wenige oder am besten keinen zu erwischen. Deswegen haben wir die Kontrollaktion auch so transparent gemacht“, sagte Polizeioberrat Andreas Tschisch, Leiter der Sachbereichsgruppe Verkehrssicherheit. Vielmehr sollte über die Gefahren zu schnellen Fahrens aufgeklärt und diese ins Bewusstsein der Autofahrer gebracht werden.

Dass dieses Ziel noch nicht erreicht wurde, zeigte sich am Vormittag in Moabit. Nur wenige Minuten nach der Installation eines Tempo-Lasergeräts wurden in der Beusselstraße zehn Kraftfahrer von Polizisten gestoppt, die schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs waren.

957 Tempoverstöße bis 12 Uhr

Dennoch zog Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt nach den ersten sechs Stunden eine positive Zwischenbilanz. „Schon jetzt hat der angekündigte Blitzermarathon der Polizei Berlin die Erwartungen erfüllt. Die Zahl der bis in die Mittagszeit festgestellten Geschwindigkeitsverstöße ist im Vergleich zu anderen Tagen deutlich geringer“, sagte Kandt. Die meisten Kraftfahrer hätten das jeweils vorgeschriebene Tempo eingehalten und damit gezeigt, dass es richtig und wichtig sei, das Thema Geschwindigkeitsüberschreitungen immer wieder in die Öffentlichkeit zu tragen.

Bis 12 Uhr waren berlinweit 957 Kraftfahrer ermittelt worden, die zu schnell unterwegs waren. Neben dem erwähnten Spitzenreiter vom Sachsendamm war in Mitte ein Autofahrer in einer Tempo-30-Zone mit 66 km/h gemessen worden. In Charlottenburg war ein Kraftfahrer anstatt der erlaubten 50 km/h mit Tempo 81 erfasst worden. Beide Temposünder erwartet ein einmonatiges Fahrverbot.

Absoluter Spitzenreiter auf der A2

In Brandenburg meldete das Polizeipräsidium in Potsdam ebenfalls eine „erste positive Zwischenbilanz“ der Blitzeraktion. In den ersten sechs Stunden der umfangreichen Maßnahmen gegen Raserei am Steuer mit 500 Beamten seien 37.599 Kraftfahrer gemessen worden. 886 waren zu schnell unterwegs. In fünf Fällen wurden Fahrverbote von einem Monat fällig. „Dies sind deutlich weniger Verkehrsteilnehmer als an Tagen, an denen wir die Kontrollen nicht ankündigen. Es sieht bisher so aus, als hätten die Polizeipräsenz sowie die medialen Ankündigungen ihre erhoffte Wirkung gezeigt“, so Ingolf Niesler, Leiter der Verkehrspolizei in Potsdam.

Den absoluten „Spitzenreiter“ hatten die Beamten der Verkehrspolizei der Direktion West auf der Autobahn A2 zwischen den Anschlussstellen Netzen und Lehnin festgestellt. Bei erlaubten 120 Kilometern pro Stunde war der Fahrer eines Mercedes aus Bayern am Vormittag mit Tempo 219 gemessen worden. Er musste daraufhin den Führerschein bei der Polizei abgeben.