Prozess

Bewährung nach betrügerischer Sammlung für Behinderte

Es gibt Betrügereien, die besonders perfide sind. Dazu gehört auch das, was drei Männer taten, die nach Geständnissen von einem Moabiter Jugendschöffengericht zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden.

Die drei jungen Männer waren mit gefälschten Spendengenehmigungen und Spendenlisten eines nicht existierenden „Landesverbandes für behinderte und taubstumme Kinder“ losgezogen und hatten dann auch mitleidige, spendenbereite Opfer gefunden.

Alle drei kommen aus Rumänien und leben erst seit kurzer Zeit in Berlin. Zwei von ihnen vor ihrer Verhaftung sogar erst wenige Wochen. Es ist also davon auszugehen, dass sie Hintermänner hatten, die für die Fälschungen sorgten.

Die vorgetäuschte Spendenaktion wurden auch für Diebstähle und Räubereien genutzt. So wurden Touristen mit den vorgehaltenen Spendenlisten abgelenkt und bestohlen: mal war es ein Handy, mal ein Tablet. In zwei Fällen, die nachgewiesen werden konnten, erbeuteten sie Brieftaschen.

Abzocke am Geldautomaten

Am 24. Juni 2014 bedrängten zwei der Angeklagten und einige gesondert verfolgte Mittäter in einer Bankfiliale an der Friedrichstraße einen Kunden. Einer der Angeklagten hielt die Spendensammellisten vor das Display des Geldautomaten, brüllte auf den Kunden ein und veränderte den eingetippten Auszahlungsbetrag von 50 auf 500 Euro. Das Geld nahmen sie an sich. Der verängstigte Kunde wehrte sich nicht. Ihm war es jedoch offenbar gelungen, sehr schnell die Polizei zu informieren. Die Angeklagten wurden jedenfalls noch am selben Tag festgenommen.

Am Dienstag wurden die Männer nach Geständnissen von einem Moabiter Jugendschöffengericht zu Bewährungsstrafen verurteilt. Alle drei Angeklagten versprachen vor Gericht, künftig straffrei zu leben. Sie haben keine Ausbildung und besuchten auch nur wenige Jahre die Schule. Zwei von ihnen haben schon mit 16 Jahren nach Roma-Sitte geheiratet. Alle drei haben kleine Kinder.

Warum er nach Berlin gekommen sei, wurde einer der Angeklagten von der Richterin gefragt. Weil er hier bleiben wolle, antwortete der 24-Jährige. Er habe sich und seine drei Kinder auch schon im Jobcenter angemeldet.