Gehälter

Das verdienen die Chefs der Berliner Landesunternehmen

BVG-Chefin Sigrid Nikutta kann ihr Gehalt um gut elf Prozent steigern. Berlins neuer Top-Verdiener ist BER-Chef Hartmut Mehdorn - auch wenn es für ihn vergleichsweise wenig Geld ist.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Sigrid Nikutta verkörpert Erfolg. Als erste Frau steht die 45-Jährige seit 2010 an der Spitze der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Deutschlands größtem Nahverkehrsunternehmen mit insgesamt 13.000 Mitarbeitern. Die promovierte Psychologin ist engagiert, sie bringt das Unternehmen nach vorn. Und das will entlohnt werden. Mit 434.000 Euro stieg Nikuttas Gehalt im vergangenen Jahr um gut elf Prozent – so stark wie bei fast keinem anderen Chef eines Berliner Landesunternehmens. Lediglich Roland Stauber von der Immobiliengesellschaft Berlinovo legte sogar um 20,5 Prozent zu und verdient jetzt 343.139 Euro.

Wie die Finanzverwaltung am Sonnabend mitteilte, sollen auch die Aufsichtsräte der Unternehmen in Zukunft mehr Geld bekommen. Auf Vorstandsebene ist der Fall Nikutta aber eine Ausnahme, die Zeit kräftiger Gehaltszuwächse in den Chefetagen der meisten Landesunternehmen scheint vorerst vorbei zu sein. Wie eine Auswertung der Nachrichtenagentur dpa unter den 42 wichtigsten Managern ergab, verdiente ein Vorstand oder Geschäftsführer 2013 mit durchschnittlich 319.379 Euro knapp 2,1 Prozent weniger als 2012. Auch wenn Sondereffekte herausgerechnet werden, beträgt das Plus allenfalls 2,2 Prozent.

Keine Begründung für Gehälter

In Einzelfällen gibt es aber kräftige Gehaltssprünge, siehe Nikutta. Mit ihrem Salär übertrifft sie die Vorstandskollegen Henrik Falk (Finanzen) und Lothar Zweiniger (Personal und Soziales) um jeweils rund 100.000 Euro. Beide konnten ihr Gehalt lediglich um 0,8 beziehungsweise 3,4 Prozent steigern. Weder die BVG noch die Senatsverwaltung für Finanzen, die den Aufsichtsrat führt, wollen für die Gehälter eine Begründung abgeben. Die BVG rühmt sich, mit dem laufenden Geschäft 2013 erstmals keinen Verlust eingefahren zu haben. Ein Verdienst von Nikutta einerseits, andererseits trugen auch erhöhte Fahrpreise dazu bei. Sie werden auch 2015 wieder steigen um durchschnittlich 2,3 Prozent.

Der Topverdiener in den Berliner Landesunternehmen findet sich seit dem vergangenen Jahr nicht mehr im Chefsessel der Investitions- und Landesbank (IBB), wo er vorher jahrelang anzutreffen war, sondern bei der Flughafengesellschaft. Ihr Geschäftsführer Hartmut Mehdorn ist seit März 2013 in Schönefeld im Einsatz und hat dafür 501.000 Euro erhalten, was in etwa einem Jahresgehalt von rund 630.000 Euro entspricht – ohne erfolgsabhängige Prämie, die frühestens in diesem Jahr anfällt. Für Mehdorn ist das vergleichsweise wenig Geld: Im letzten vollständigen Jahr als Chef der Deutschen Bahn 2008 bekam er knapp zwei Millionen Euro. Angesichts heftiger politischer Querelen hatten es die Flughafeneigentümer Berlin, das Land Brandenburg und der Bund schwer gehabt, einen Ersatz für den gefeuerten Geschäftsführer Rainer Schwarz zu finden, der zuletzt 569.000 Euro verdient hatte. Er kämpft vor Gericht noch um eine Abfindung von 1,6 Millionen Euro.

Um vier Prozent stieg unterdessen das Gehalt von Ulrich Kissing bei der landeseigenen Förderbank IBB – auf 546.800 Euro, der damit hinter Mehdorn den zweiten Platz belegt. Sein Co-Vorstand Frank Schneider steigerte seine Bezüge um 8,94 Prozent auf 419.000 Euro. Im April setzte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) Kissing vor die Tür, weil er keine Sozialbeiträge gezahlt haben soll. Er kündigte rechtliche Schritte an: Da sein Vertrag erst im Januar um vier weitere Jahre verlängert wurde, geht es um zwei Millionen Euro. Auch Schneider hat die Bank verlassen, als Ersatz für den Vorstand gibt es bisher nur eine Zwischenlösung.

Wowereit verdient 160.000 Euro

Geld gespart hat das Land unterdessen beim Klinikkonzern Vivantes, der in den vergangenen zwei Jahren komplett neu besetzt und verkleinert wurde. Statt 1,6 Millionen gab das Unternehmen 1,1 Millionen Euro für seinen Vorstand aus. Den mit 4,1 Prozent größten Gehaltsrückgang musste Hendrik Jellema beklagen. Der Vorstand der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag verdient jetzt 275.000 Euro.

Die Gehaltshöhe in den Landesunternehmen steht regelmäßig in der Kritik. Obwohl die Firmen von der Müllabfuhr bis zur Wasserversorgung Arbeiten erledigen, die als Teil der staatlichen Daseinsvorsorge gelten, verdienen ihre Chefs oft doppelt oder dreimal so viel wie die zuständigen Senatoren. Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) etwa bekommt jährlich rund 160.000 Euro. Vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer in der Hauptstadt konnten nach Zahlen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg ihr Bruttogehalt 2013 durchschnittlich um 0,4 Prozent auf 3609 Euro steigern.

Im April 2011 hatte das Abgeordnetenhaus einstimmig beschlossen, dass Landesunternehmen die Gehälter ihres Spitzenpersonals im Detail offen legen – etwa Zulagen und Altersvorsorgeaufwendungen. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) hatte das Gesetz begründet: „Es geht hier nicht um eine Neiddebatte, sondern darum, Transparenz herzustellen, damit die Bürger entscheiden können: Sind die Leute ihr Geld wert?“

Die Entscheidung darüber fallen aber die Aufsichtsräte – und die sind häufig mit Politikern besetzt.