Wowereit-Nachfolge

Dietmar Arnold – „Ich kandidiere nicht zum Spaß“

Mit dem Vorsitzenden des Vereins Berliner Unterwelten hatte bei der Wowereit-Nachfolge niemand gerechnet. Im Interview mit der Berliner Morgenpost spricht er über seine Pläne.

Foto: Krauthoefer

Er ist der vierte Mann, mit dem keiner gerechnet hat. Nach dem SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß, dem SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Stadtentwicklungssenator Michael Müller hat am Montag dieser Woche auch Dietmar Arnold, der Vorsitzende des Vereins „Berliner Unterwelten“, sein Interesse für die Nachfolge von Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister angemeldet. Er ist seit 25 SPD-Mitglied, hatte bisher aber keine herausgehobenen Funktionen in der Partei. Im Interview erklärt der 49-jährige gebürtige Berliner, warum er es mit seiner Kandidatur trotzdem ernst meint.

Berliner Morgenpost: Herr Arnold, warum wollen Sie Ihren Parteifreunden Stöß, Saleh und Müller Konkurrenz machen?

Dietmar Arnold: Ich habe lange mit mir gerungen. Aber die anderen Kandidaten sind sich doch alle sehr ähnlich und ich finde, die SPD hat Alternativen verdient. Ich bin ein anderer Typ, ich habe viel für die Stadt geleistet, und ich traue mir das Amt des Regierenden Bürgermeisters durchaus zu.

In der SPD sind Sie praktisch unbekannt. Sie haben keine Verwaltungserfahrung, und Sie haben auch nie in bedeutenden Funktionen politisch gearbeitet. Glauben Sie wirklich, dass Sie gegen die anderen Kandidaten gewinnen können?

Wenn nur die Funktionäre auf einem Parteitag entscheiden würden, hätte ich keine Chance. Aber es wird ja eine verbindliche Mitgliederbefragung geben, und ich denke, dass ich die Mitglieder auf den geplanten Foren überzeugen kann, dass ich der Richtige für das Amt bin. Ich kandidiere nicht zum Spaß, sondern will Regierender Bürgermeister werden.

Um mitmischen zu können, müssen Sie erst mal von der Partei als Kandidat nominiert werden. Dafür müssten sich entweder einer der zwölf Kreisverbände oder drei der rund 120 Abteilungen (Ortsvereine) der SPD für Sie aussprechen …

Einen Kreisverband zu überzeugen, wird mir wohl nicht gelingen. Aber ich hoffe, dass sich drei Abteilungen bereit erklären, mich zu unterstützen. Beim Mitgliederentscheid müssen sie mich ja unbedingt wählen. Aber ich hoffe, sie zu überzeugen, dass es gut für die demokratische Vielfalt der SPD ist, wenn ich als weiterer Kandidat ins Rennen gehe. Erst muss ich mir aber die E-Mail-Adressen der Ortsvereine organisieren. Ich werde jedoch aufgrund der knappen Frist bis zum 15. September kaum Möglichkeiten haben, mich bei mehreren Abteilungen persönlich vorzustellen.

Wenn Sie das schaffen – womit wollen Sie denn bei den Mitgliederforen punkten?

Ich arbeite gerade an meinen Plänen für Berlin, die noch detaillierter werden müssen. Im Detail muss ich mir das noch überlegen. Aber ich bin zum Beispiel gegen die Olympiabewerbung. Olympia ist zu teuer für Berlin und hat auch keine wirkliche Nachhaltigkeit für den Breitensport. Es werden nur wenige zentrale Großanlagen entstehen, aber an den Sportstätten in den Bezirken passiert nichts. Diesen Luxus können wir uns nicht leisten. Wir sollten lieber unsere Schulen und Straßen sanieren und die politischen Baustellen zum Abschluss bringen.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.