Tarifkonflikt

Lokführerstreik - Berliner S-Bahn und Züge fahren wieder

Am Morgen sind die Lokführer bundesweit erneut in einen Ausstand getreten. Auch die S-Bahn und der Regionalverkehr in Berlin waren betroffen. Seit 9 Uhr rollt der Verkehr wieder, Verspätungen bleiben.

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Drei Stunden lang mussten Berliner S-Bahn-Fahrgäste auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Auf den meisten Linien fuhren nur einzelne Züge. Auch nach Ende des Streiks kam es noch zu Verspätungen.

Die Lokführer waren am Samstagmorgen in einen Warnstreik getreten. Viele Berliner, die auf die S-Bahn angewiesen waren, mussten anders ans Ziel kommen. Der bundesweite Warnstreik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zwischen 6 und 9 Uhr führte zu vielen Ausfällen im Schnellbahnnetz der Hauptstadt, wie die S-Bahn Berlin GmbH mitteilte.

Die Ringbahnlinien S41 und S42 fielen komplett aus. Auf acht weiteren Linien fuhren nur einzelne Züge auf Teilabschnitten, darunter die Ost-West Achsen S5, S7 und S75. Auf der S2 waren nur wenige Ausfälle zu beklagen.

Um 9 Uhr sei der S-Bahn-Betrieb auf allen Strecken wieder aufgenommen werde, teilte das Unternehmen mit, das zur Deutschen Bahn gehört. Zunächst sei jedoch noch mit Verspätungen und einzelnen Ausfällen zu rechnen.

Wie die Bahn mitteilte, lagen die Schwerpunkte des Streiks im Norden Deutschlands, in Berlin, in der Region Leipzig sowie punktuell in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Betroffen waren Regional- und Fernzüge, die S-Bahnen in Berlin und Hamburg sowie der Güterverkehr. Nach Angaben eines GDL-Sprechers waren von dem Streik 90 bis 95 Prozent aller Züge betroffen.

Ab 9 Uhr rollte der Verkehr auch dort langsam wieder an. Am Berliner Hauptbahnhof fuhren die ersten Regionalbahnen und Fernzüge aus der Halle. Am Sonnabend seien zwar nicht viele Berufspendler unterwegs, es sei aber eine „reisestarke Zeit im Fernverkehr“, sagte ein Bahn-Sprecher. Ein Bahnsprecher sagte, dass es noch bis zum späten Nachmittag zu Verzögerungen und Ausfällen im Zugverkehr kommen könne.

Infos der Berliner S-Bahn zum Zugverkehr:

Stundenlange Verspätungen

Am Bahnhof Spandau war am frühen Morgen die Lage ruhig, die Bahnsteige leer. Die meisten Fahrgäste schienen schon vor Streikbeginn über den Ausstand informiert gewesen zu sein und waren erst gar nicht zum Bahnhof gefahren. In der Halle standen die S-Bahnzüge still, nichts fuhr. An den Anzeigetafeln waren Verspätungen von 180, 240 Minuten zu lesen. Überraschenderweise fuhr jedoch gegen 8 Uhr pünktlich ein ICE Richtung Hamburg ein. Von sich drängenden Reisenden und überfüllten Waggons jedoch keine Spur.

Anders sah es am Berliner Hauptbahnhof aus. Dort bildeten sich Menschentrauben in der Halle und auf den Bahnsteigen. Sämtliche Zugverbindungen auf der elektronischen Anzeigentafel waren mit meist mehrstündiger Verspätung angezeigt. Betroffen waren beispielsweise Reisende, die um 6.46 Uhr einen Zug nach Budapest nehmen wollten, der jedoch erst drei Stunden später einfuhr. Der Zug war am Ende überfüllt, da er auch von weiteren Reisenden etwa in Richtung Dresden genutzt wurde.

Die Bahn setzte in den Zügen und auf Bahnhöfen mehrere Hundert Mitarbeiter zur Verstärkung ein, vor allem beim Service-Personal, den Betriebszentralen und Transportleitungen und bei der Reise-Information.

Bahnreisende können alle Züge benutzen

Fahrgästen, die wegen des Streiks ihre Reise nicht wie geplant antreten konnten, bietet die Bahn an, ihre Fahrkarte und Reservierung im DB Reisezentrum oder in den DB Agenturen gebührenfrei zu erstatten. Alternativ durften Reisende auch den nächsten fahrenden – auch höherwertigen – Zug benutzen. In diesem Fall sei bei zuggebundenen Angeboten, wie beispielsweise Sparpreis-Tickets, auch die Zugbindung aufgehoben, teilte die Bahn mit.

Eine kostenlose Servicenummer unter 08000-996633 sei am Sonnabend von 5 Uhr bis 12 Uhr geschaltet. Zusätzlich gebe es Auskünfte auch unter www.bahn.de/aktuell oder für Handynutzer unter m.bahn.de.

Bereits am Montag hatte ein Warnstreik die Fahrpläne durcheinandergewirbelt. Die GDL will ein besseres Tarifangebot von der Bahn erzwingen. Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Sie erhebt ihre Forderungen auch für Zugbegleiter und andere Beschäftigte in den Zügen.

Die Bahn kritisierte, die GDL habe wie schon bei ihrem Streik am Montag keine Informationen über die bestreikten Züge zur Verfügung gestellt. Die Fahrgäste der Bahn könnten daher erst nach Streikbeginn über Ausfälle und mögliche Ersatz- oder Alternativverkehre informiert werden.

Weitere Streiks drohen

Bahnkunden müssen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ in den nächsten Wochen mit unbefristeten Streiks rechnen. Die GDL werde voraussichtlich diese Woche entscheiden, eine Urabstimmung über reguläre Streiks abzuhalten. GDL-Sprecher Stefan Mousiol sagte demnach: „Eine Urabstimmung wird zeitnah durchgeführt.“

Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn geht es nicht nur um höhere Löhne, sondern vor allem um einen Machtkampf zwischen GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf.

Bahn verurteilt Streik als „irrational“

Die GDL erklärte, die Bahn weigere sich „beharrlich, über ihre Forderungen zu verhandeln“. Statt dessen versuche sie, die GDL über eine Kooperationsvereinbarung „zugunsten ihrer Hausgewerkschaft EVG“ zu entmachten. Damit lasse sie der GDL „keine andere Wahl, als den Druck mit einem weiteren Arbeitskampf zu erhöhen“, erklärte Gewerkschaftschef Claus Weselsky.

Die Bahn verurteilte den Streikaufruf als „völlig irrational“. Niemand verstehe den Sinn dieser Streiks, „abgesehen von der Tatsache, dass eine Gewerkschaft das Spielfeld der anderen erobern will“, erklärte Personalvorstand Ulrich Weber am Freitag in Berlin. In der Sache bringe der Streik die Tarifparteien „kein Stück weiter“.

Die DB erklärte sich erneut bereit, „über alles für unsere Lokführer zu verhandeln – über Löhne, über Arbeitsbedingungen und über neue Spielregeln für Tarifverhandlungen“. Ziel des Unternehmens ist es dabei, eine Kooperationsabrede mit beiden Gewerkschaften zu vereinbaren, um konkurrierende Tarifverträge zu vermeiden. Für die GDL dagegen wäre eine Unterschrift unter eine Kooperationsvereinbarung „die Selbstaufgabe aller bisher mühsam erreichten Rechte“, wie Weselsky jüngst betont hatte.