Feuerwerk

Berlins Pyronale bietet Funkelndes aus allen Rohren

Auf dem Maifeld am Olympiastadion wird die neunte Pyronale vorbereitet. Teams aus sechs Ländern bauen ihre Anlagen auf, um den Zuschauern ein Feuerwerk der Superlative zu bieten.

Foto: Soeren Stache / dpa

Das Maifeld am Olympiastadion hat sich in eine riesige Abschussrampe verwandelt. Batterien von orangefarbenen kurzen Rohren stehen auf der großen Rasenfläche. Kabel werden verlegt. Techniker beladen die Kunststoffrohre mit Kugeln.

„Wir schießen bei der Pyronale nicht eine einzige Rakete“, sagt Markus Katterle, als er eine Gruppe von Journalisten über das Feld führt. „Denn die Stäbe, an denen die Raketen befestigt sind, würden herunterfallen. Wenn der Wind dann ungünstig weht, fällt ein Hagel von Stäben auf die Zuschauer.“

Katterle ist Pyrotechniker und betreut den Wettkampf in Berlin, der zum neunten Mal stattfindet. „Die Feuerwerkskörper, die bei der Pyronale verwendet werden, heißen ‚Bomben‘“, sagt er. „Es gibt sie in zylindrischer Form und als Kugel. Die größten Kaliber, die wir verwenden, sind 150 Millimeter.“

Freitag und Sonnabend steigt das große Spektakel. Wenn sich im Rhythmus der Musik Farbenspiele und Figuren wie Kunstwerke am Berliner Himmel entfalten. Dahinter steckt monatelange Vorbereitung. Die Teams aus Frankreich, den Niederlanden, Russland, Italien, Norwegen und China haben die Effekte detailliert geplant. Präzise muss auch die technische Ausführung sein, von der Herstellung der Feuerwerkskörper über den Transport, die Lagerung bis zur elektronischen Zündung.

Einzigartiger Wettbewerb

Der Berliner Wettkampf sei einzigartig, sagt ein Feuerwerksexperte. Zum einen wegen der Breite des Maifelds, zum anderen wegen der Vielfalt des Wettbewerbs. Denn an jedem der beiden Tage zeigen drei Teams ihre Vorführung. Im Anschluss gibt es jeweils eine weitere große Show, außerhalb des Wettbewerbs. Pyrotechniker aus aller Welt schätzen diese Meisterschaft, weil sie nach strengen Regeln ausgetragen wird. Das Budget und die Farben sind vorgegeben, ebenso die Musik im Pflichtteil.

Dass sich die Wettkampfmannschaften an die Vorgaben halten, dafür sorgt auch Markus Katterle. Er ist mit allen Details vertraut. Maximal 1200 Feuerwerkskörper dürfe ein Team schießen, sagt der Experte. 9000 bis 10.000 Effekte werden von jeder Gruppe erzeugt. „Das zum Beispiel“, sagt Katterle, und nimmt eine papierumhüllte Kugel auf dem Maifeld in die Hand, „ist ein Horsetail Gold bright“. Sie erzeuge das Bild eines Goldregens, der ganz langsam von oben herunterfalle. „

Der Bürzel unter der Kugel besteht aus Schwarzpulver“, erklärt er. „Was Sie oben sehen, ist eine Schwarzpulverzündschnur. Sie verläuft in der Papierhülle. Wenn sie angezündet ist, setzt sich das Feuer mit 33 Metern pro Sekunde fort. Also nahezu ohne Verzögerung.“ Die Ausstoßladung explodiert und jagt das Projektil an den Himmel. Im Projektil wird ein Verzögerer aktiv, der brennt, solange die Bombe steigt.

Sterne, Kreise und Figuren

Wenn sie ihren höchsten Punkt erreicht hat, explodiert der Verzögerer. Dann entfalten sich die Sterne, Kreise und Figuren am Himmel. Für die Farbenpracht am Firmament sorgen chemische Zusätze wie Barium-, Natrium- oder Strontiumnitrat. Die Feuerwerkskörper der Pyronale genügten einer europäischen Norm, „weil wir wollen, dass sie sicher sind“, so Katterle. Sie seien aus Pappe und Papier gefertigt. Die verkohlten Reste könnten leicht entsorgt werden oder verrotten.

Katterle ist seit Jahren der Fachmann, der die Pyronale betreut und die Anträge bei den Behörden stellt. Er ist außerdem Geschäftsführer der Flash Art Special Effects & Show Design GmbH in Bielefeld. Von den Farbspielen sollen übrigens nicht nur die Zuschauer etwas haben. Denn alle Wettkampfteilnehmer können durch die Pyronale an Ansehen gewinnen.

„Wer in Berlin siegt, der bekommt Aufträge von überall“, sagt der Feuerwerksexperte. Einen Gewinn hat auch das Land Berlin, denn die Pyronale-Organisatoren zahlen eine Miete für die Nutzung des Maifelds. Einzelheiten will Gerhard Kämpfe nicht nennen. Aber er sagt: „Ich glaube, dass es in jedem Jahr eine wichtige Einnahme für die Stadt ist. “

Karten gibt es an den Vorverkaufsstellen und unter 01806 999 000 909. Stehplätze kosten 23 Euro, Tribünenplätze 43 Euro, Vip-Tickets 155 Euro.