Kreuzberg

Ausnahmezustand am Görlitzer Park - Polizisten angegriffen

Im Görlitzer Park vergeht keine Nacht ohne Gewalt: Kriminelle machen die große Grünanlage unsicher. Die Gewerkschaft der Polizei fordert mehr Schutz - wie Polizeifahrzeuge mit Splitterschutzfolie.

Foto: ABIX

Messerstechereien, Raubüberfälle, Drogenhandel und Angriffe auf Polizeibeamte. Der Görlitzer Park in Kreuzberg ist ein Kriminalitätsschwerpunkt. Die jüngsten Taten ereigneten sich in der Nacht zu Donnerstag. Unbekannte griffen zwei Polizisten mit Steinen an, ein Mann wurde bei einem Raubüberfall mit einem Messer schwer verletzt.

Kurz vor 21 Uhr: Fünf Männer haben gerade einen 28-Jährigen im Park überfallen. Sie versuchten, ihm die Geldbörse aus der Hosentasche zu reißen. Als er sich wehrte, schlugen die Männer auf ihn ein und traten ihn mit den Füßen. Eine Person aus der Gruppe stach ihm schließlich mit einem Messer in die Brust. Der Angestellte eines Imbisses an der Skalitzer Ecke Görlitzer Straße sah den schwer verletzten, stark blutenden Mann und alarmierte die Polizei und die Feuerwehr. Das Raubopfer kam auf die Intensivstation, die Täter konnten unerkannt entkommen.

Kurz nach Mitternacht ereignete sich der nächste Zwischenfall. Unbekannte Täter bewarfen ein Polizeifahrzeug mit Steinen. Zwei Polizeiangestellte standen mit ihrem Objektschutz-Fahrzeug an der Görlitzer Ecke Cuvrystraße, als plötzlich vier bis fünf Vermummte aus dem Görlitzer Park stürmten. Die völlig in Schwarz gekleideten Personen bewarfen das Auto aus unmittelbarer Nähe mit den Pflastersteinen. Dabei gingen Scheiben zu Bruch, es entstanden erhebliche Blechschäden. Die Polizeimitarbeiter wurden nicht verletzt, doch unter dem Eindruck der Ereignisse war es ihnen unmöglich, ihren Dienst fortzuführen.

Henkel verurteilt Tat

„Ich verurteile diese heimtückische Tat. Wenn in unserer Stadt Polizisten angegriffen werden, dann darf die Politik niemals schweigen“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Donnerstag. „Wer Menschen kaltblütig mit Pflastersteinen angreift, dem ist die Gesundheit seines Opfers völlig egal. Pflastersteine sind potenzielle Tötungswerkzeuge.“ Die Täter müssten „mit aller Härte“ verfolgt werden, fügte der Innensenator hinzu.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte erneut einen besseren Schutz der Polizeikräfte und verlangte, dass endlich alle Polizeifahrzeuge mit Splitterschutzfolie ausgerüstet werden.

„Die Polizei schützt Menschen, die Polizei schützt Gebäude, doch wer schützt die Polizei“, fragte GdP-Landesbezirksvorsitzender Matthias Weitemeier. „Immer wieder hat die GdP die Ausrüstung der Polizeiautos mit Schutzfolie gefordert, doch genauso oft wurde dieser Ruf ignoriert.“ Er forderte den Innensenator auf, seinen Beamten und Beamtinnen Schutz ohne Wenn und Aber zu bieten.

In der Grünanlage zwischen der Görlitzer Straße und dem gleichnamigen Ufer sowie der Wiener und der Skalitzer Straße häufen sich die Vorfälle. Der „Görli“, wie er genannt wird, kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Mitte August hatte die Polizei bei einer Razzia 56 Tütchen mit Drogen beschlagnahmt, eine Person festgenommen und 26 Strafverfahren eingeleitet. Zwei Polizisten wurden bei Auseinandersetzungen verletzt, als mehrere mutmaßliche Drogendealer massiven Widerstand leisteten. Im Zuge der Razzia wurden unter anderem Anzeigen wegen Widerstands, Beleidigung, Hehlerei, Diebstahl und diverser Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz geschrieben.

Am 7. August hatte ein 20-Jähriger am helllichten Tag einem Jugendlichen das Handy geraubt. Der Räuber bedrohte sein Opfer, rief die Mutter des Jugendlichen an und bot an, das geraubte Handy gegen die Zahlung einer Geldsumme herauszugeben. Am vereinbarten Treffpunkt wurde er festgenommen.

Anfang Juli wurden bei einem Einsatz im Görlitzer Park sechs Polizisten verletzt. Die Beamten wurden am Spätnachmittag in die Grünanlage gerufen, weil dort mehrere Schwarzafrikaner miteinander kämpften. Als die Beamten eintrafen, war die Zahl der Kontrahenten auf 60 Personen angewachsen. Vereint griffen sie die Ordnungshüter an. Zum Teil warfen sie mit Fahrrädern nach den Polizisten.