Berliner Prozess

36-Jährige attackierte schlafenden Freund mit Messer

Ein 58-Jähriger wurde im Februar in seiner Wohnung durch Stiche in Kopf und Nacken schwer verletzt - im Schlaf. Nun steht seine damalige Freundin vor Gericht und begründet die Attacke mit „Todesangst“.

Es war eine Beziehung mit grundverschiedenen Vorstellungen zwischen den Partnern. Am 2. Februar dieses Jahres wurde sie jäh beendet: In den frühen Morgenstunden attackierte die 36-jährige Christine J. ihren schlafenden Lebensgefährten mit einem Messer. Seit Dienstag steht sie wegen versuchten Mordes vor einem Moabiter Schwurgericht.

Drei Jahre zuvor waren sie sich an der Kurfürstenstraße zum ersten Mal begegnet. Christine J. prostituierte sich auf dem Straßenstrich. Im Leben der gelernten Justizangestellten gab es vorher schon eine stetige Abwärtskurve. Sie nahm Drogen, trank Unmengen von Alkohol, ihre Tochter wurde ihr weggenommen. Später lebte sie auf der Straße oder im Obdachlosenheim.

Auch Jürgen T. ist alles andere als ein Gewinner. Der 58-Jährige ist arbeitslos und wirkt bei seinem Zeugenauftritt unendlich müde. Er sagt, er habe sich damals sofort in Christine J. verliebt. „Zwei Tage später wohnte sie bei mir.“ Bei Christine J. indes war es keine Liebe. Sie war froh, einen Unterschlupf gefunden zu haben. Es habe eine Abmachung gegeben, sagt sie, Sex gegen Kost und Logis.

Flucht in Handschellen

Zwischendurch hatte sie auch einmal einen anderen Freund. Aber sie war dann doch wieder zu Jürgen T. zurückgekehrt. „Am 9.11.2013 um 21 Uhr“, sagt er vor Gericht mit bewegter Stimme, „nach zwei Jahren, einem Monat und sechs Tagen“.

Aber es funktionierte nicht. Er habe von Heirat gesprochen und einem gemeinsamen Kind, erinnert sich Christine J. Und sie wirkt noch immer sehr gequält, als sie das erzählt. Sie habe sich von ihm eingeengt gefühlt, als ob sie ersticken müsse. Manchmal, wenn sie viel getrunken hatte, brach es aus ihr heraus. Sie versuchte, ihm die Augen auszukratzen, brach ihm mit einem Schlag die Nase.

Aber sie ließ sich auch helfen. Im Dezember sollen sie sich darauf geeinigt haben, dass sie weg von den Drogen komme. Sie ließ sich tagsüber sogar Handschellen anlegen, um nicht ausbrechen zu können.

Am 1. Februar, er war nur kurz einkaufen, floh sie dann aber doch aus der Wohnung, trotz angelegter Handschellen. Sie stahl Weinflaschen in einem Supermarkt, wurde erwischt und ins Krankenhaus zur Ausnüchterung gebracht.

Angeklagte spricht von „Todesangst“

Am Vormittag des 2. Februar stand sie wieder in Mariendorf vor Jürgen T.s Wohnungstür. Sie war total erschöpft, habe sich sofort ins Bett gelegt, sagt er. Und er habe sich dazu gelegt, sei irgendwann eingeschlafen – und aufgewacht, weil er starke Schmerzen verspürte. Da sah er sie mit dem Messer. „Ich musste die Feuerwehr rufen“, sagt er. „Ich war zu schwer verletzt, ich konnte es nicht vertuschen.“

Christine J. behauptet, sie habe zugestochen, weil sie „Todesangst hatte“. Zweifel sind angebracht. Im Gerichtssaal sitzt eine psychiatrische Gutachterin. Und Christine J. ist auch jetzt schon im Maßregelvollzug untergebracht.

Der Prozess wird fortgesetzt.