Oldtimer-Festival

Lieb und teuer – und etwas älter unter der Motorenhaube

Zum Sportwagenfestival „24 Tours Du Pont“ kamen zahlreiche Zuschauer – und das teuerste Auto der Welt. Wenn der Motor der fahrenden Legende aufheult, verstummen die Gespräche unter den Auto-Kennern.

„50 Millionen!“ sagen die einen, „100 Millionen!“ behaupten andere gar. Fest steht: Der bordeauxfarbene Oldtimer, Typ Alfa Romeo 8C 2900 Le Mans, Baujahr 1938, der da gerade in der Garage von Kai Desinger steht, ist eines der teuersten Autos der Welt. Nur der Fahrzeugmechaniker, der mit dem Museumswagen aus Turin nach Potsdam gekommen ist, darf das Auto bewegen. Wenn der Motor der fahrenden Legende aufheult, verstummen die Gespräche, Kai Desinger läuft jedes Mal ein Schauer über den Rücken. Dass ein Wagen wie dieser in seiner „Garage Du Pont“, einer zum Restaurant umgebauten historischen Tankstelle parkt, hätte sich der Unternehmer vor einem Jahr nicht träumen lassen.

Damals wuchs in dem Oldtimerliebhaber der Wunsch nach einer Veranstaltung „wo die Fahrzeuge nicht nur statisch herumstehen, sondern die Zuschauer sie riechen, sehen und hören können“. Mit den „24 Tours Du Pont“, einer Hommage an die 24-Stunden-Rennen von Le Mans, wurde der Traum Desingers an diesem Wochenende Wirklichkeit. Rund um seine „Garage du Pont“, führt der Kurs in 24 Runden, vorbei an der Villa Schöningen, deren Inhaber, Springer-Vorstand Mathias Döpfner, seinen Garten zur Verfügung stellte. Dort stehen nun, unter mächtigen alten Eichen, Meilensteine der Sportwagengeschichte, von der Vorkriegszeit bis zum Jahr 1974 – bereit zum Start auf dem historischen Rundkurs.

Dank der Unterstützung zahlreicher Sponsoren und der lokalen Politik, konnte Desinger seinen Traum vom „Festival der Sportwagengeschichte“ realisieren. „Das passt hier einfach nach Potsdam“, sagt Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck, der gerade auf dem Beifahrersitz eines knallroten Sportwagens Platz genommen hat. Die „Garage Du Pont“ kennt er noch aus Jugendzeiten.

„Das sollte hier ein Zentrum für Automobilisten werden,“ erzählt Platzeck. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jacobs ist ebenso begeistert. „Wunderschöne Autos“ seien das, sagt er, „die haben noch Charakter. Das kann man von den heutigen ja nicht so sagen.“ In der Jury, die am Ende die eindrucksvollsten Wagen küren soll, sitzt Franz Friedrich Prinz von Preußen, und der ist bereits nach kurzer Zeit schwer verliebt: Das 507er-BMW-Cabrio sei „ein Traum“. Eigentlich bevorzuge er englische Fahrzeuge, aber der 1956 gebaute Wagen, „der hat’s einfach“.

Ein Alfa-Romeo, der in Erinnerung bleiben wird

Während auf den Havelwiesen an der Glienicker Brücke die Schaulustigen durch historische Fuhrparks wandeln und ein knallblauer Bugatti Veyron mit 1200 PS die Aufmerksamkeit so manches Autofans auf sich zieht, schwingt sich Rennsportlegende Walter Röhrl in seinen Porsche 356 Pré A GT. Dass er den berühmten Rallyefahrer für die „24 Tours Du Pont“ gewinnen konnte, freut Kai Desinger besonders. Dem Profi gefällt die Strecke. Wobei es sich für den Experten heute eher um eine Spazierfahrt handelt – die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 60 Kilometern pro Stunde.

Unter den Besuchern, die Röhrl während seiner Fahrt zujubeln und die kostenlos beim PS-Spektakel dabei sein dürfen, sind auch Schauspielerin Catherine H. Flemming, Radio-Moderatorin Gerlinde Jänicke und Russlands Ex-Botschafter Vladimir Kotenev mit Frau Maria. Der „sauerkirschfarbene“ Alfa Romeo gefällt Frau Kotenev besonders. Eigentlich müssen Kotenevs jetzt dringend zu einem Termin, das Gelände, „Preußens Arkadien“, ist aber abgesperrt, erst nach der Runde ist das Überqueren der Strecke gestattet.

Auf hohen Schuhen joggt Frau Kotenev neben ihrem Mann über das Kopfsteinpflaster und sieht, trotz Eile elegant dabei aus. Mit den Frauen, sagt der Prinz von Preussen dazu, sei das eben ganz ähnlich wie mit den Autos, die seien halt „einfach toll“. Ein Fazit, das auf den ganzen Tag zutrifft. „Ein Strahlen“, habe er auf den Gesichtern der Anwesenden gesehen, freut sich Kai Desinger, dessen Veranstaltung in Berlin-Brandenburg bisher so einzigartig ist wie der millionenschwere Alfa-Romeo. Die Stahlschönheit wird den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben.