Sanierungsmaßnahmen

Bauarbeiten am Bahnhof Friedrichstraße enden erst 2015

210.000 Reisende nutzen täglich den Bahnhof Friedrichstraße. Die Sanierungsmaßnahmen dort werden wohl noch das gesamte nächste Jahr andauern. Betroffen davon sind vor allem die Regionalbahngleise.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Wer am Bahnhof Friedrichstraße in diesen Tagen eine Karte für die nächste Vorstellung von „Starlight Express“ kaufen möchte, wird enttäuscht. Der Ticketshop ist geschlossen. Auch in der Eisdiele und in der Bäckerei brennt kein Licht. Der Grund ist derselbe: Bauarbeiten der Deutschen Bahn.

Die Sanierungsmaßnahmen an dem Bahnhof, den täglich 210.000 Reisende nutzen, sind vielfältig, und sie werden wohl noch das gesamte nächste Jahr andauern. Eventuell auch darüber hinaus, sagt Friedemann Keßler von der Bahntochter DB Station&Service am Donnerstag.

Da wäre zum einen der Austausch der Lager, die die Stahlkonstruktion für die Bahnsteigplatten tragen. Im Dezember 2012 hatte sich ein 25 Kilogramm schwerer Betonbrocken gelöst, durchschlug die dünne Rigipsdecke und stürzte in die Passage. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Falscher Beton verbaut

An den Lagern war in den 90er-Jahren fälschlicherweise Beton verbaut worden, der keine Schwingungen ausgleichen konnte, wodurch es zu Spannungen kam. Nachdem die Stellen zunächst provisorisch gesichert wurden, hat die Bahn nun offenbar die Lösung gefunden. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden bereits vier Lager ausgetauscht, jetzt folgen die restlichen 240.

Die Auflagekonstruktion wird angehoben und das neue Lager aufgesetzt. Sisyphusarbeit, von der immerhin die S-Bahngleise 5 und 6 nicht betroffen sind. Bei den Regionalbahngleisen 1 bis 4 kann es aber 2015 immer wieder zu Sperrungen kommen, so Keßler.

Technik des Bahnhofs wird erneuert

Ebenfalls erneuert wird die Technik des Bahnhofs, mit Sprach- und Sprinkleranlagen sowie Akustikdecken. Das sei inzwischen einfach Standard, „und deswegen müssen wir jetzt an die Mieter ran“, so Keßler. Betroffen sind die 49 Läden in der Passage des Bahnhofs.

Rund ein Fünftel haben die Arbeiten bereits hinter sich, die anderen folgen schrittweise. Die Schließung dauert je nach Aufwand zwischen fünf Tagen und drei Monaten. Die Bahn bezeichnet die Arbeiten als „charmante Lösung“. Viele Geschäfte würden die Zeit nutzen, um ihre Einrichtung zu modernisieren.

Gewerbetreiebende klagen - Bahn beschwichtigt

Doch ganz so glücklich sind nicht alle damit. Ein Mitarbeiter einer Schneiderei klagt, dass womöglich die Kunden davonlaufen, wenn auf einmal geschlossen sei. Und: „Wir werden unseren Assistenten nicht bezahlen können. Das ist Stress pur.“

Eine Mitarbeiterin eines anderen Geschäfts berichtet, dass viele Angestellte in der Passage schon den Gang zum Arbeitsamt geplant haben. Die Bahn beschwichtigt. Für die Dauer der Arbeiten müssten die Ladenbesitzer keine Miete zahlen. Auch seien individuelle Pakete geschnürt worden, die für die Zeit des Ausfalls entschädigen sollen.

Rund fünf Millionen Euro kostet die neue Anlagentechnik und Friedemann Keßler ist fast ein bisschen enttäuscht: „Wenn die Deckenplatten wieder drauf sind, kann man nicht mehr sehen, wohin das Geld geflossen ist.“