Nach Rückzug

Viele Wowereit-Vertraute könnten an Einfluss verlieren

Klaus Wowereit geht. Und wer 13 Jahre lang Regierender Bürgermeister einer Stadt ist, der hinterlässt Menschen, die ihre Position zu einem gewissen Grad dem Wohlwollen des Regierungschefs verdanken.

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Klaus Wowereit hat sein Herz ein wenig geöffnet. Im Gespräch mit Arno vom Radiosender 104.6 RTL verriet der Noch-Regierende Bürgermeister am Tag nach dem Rücktritt, dass er sich erst am Montag endgültig dafür entschieden habe. Geredet darüber habe er nur mit seinem Lebensgefährten Jörn Kubicki, denn aus dem politischen Raum wäre alles sofort nach außen gedrungen. Wowereit räumte auch ein, dass „Häme und Gülle schwer zu ertragen“ gewesen seien, die wegen des Flughafendebakels über ihm ausgeschüttet worden seien.

Nun geht Wowereit. Und wer 13 Jahre lang Regierender Bürgermeister einer Stadt ist, der hinterlässt Menschen, die ihre Position zu einem gewissen Grad dem Wohlwollen des Regierungschefs verdanken. Wowereits Netzwerk ist in Medienpolitik, Kultur und Tourismus besonders eng geknüpft. Für diese Sektoren brannte er wirklich, und sicherte er sich den Einfluss darauf. Wenig Zukunft dürfte Wowereits Senatssprecher Richard Meng haben. Keiner der möglichen Nachfolger wird den früheren „Frankfurter Rundschau“-Journalisten im Amt behalten.

Auch Senatskanzleichef Björn Böhning werden schlechte Chancen eingeräumt, schon allein deshalb, weil der Job des Koordinators der gesamten Verwaltung eine besondere Vertrauensbasis zum Regierenden Bürgermeister erfordert. Sollte Böhning ausscheiden, wären auch die Sonderaufgaben vakant, mit denen Wowereit seinen Chef der Senatskanzlei betraut hat. Er ist Aufsichtsratschef des Medienboards, war am Aufbau des Musicboards beteiligt und hält für Wowereit die Kontakte in die digitale Szene der Kreativen.

Wowereits Köpfe in der Berliner Wirtschaft

In diesen Zirkeln sind auch viele andere Wowereit-Fans unterwegs. Kulturstaatssekretär Tim Renner verdankt seinen Job in der Politik der unorthodoxen Personalauswahl Wowereits, der einen Nachfolger für seinen nach Steuervergehen zurückgetretenen Vertrauten André Schmitz suchte. Auch Moritz van Dülmen stand als Chef der landeseigenen Veranstaltungsgesellschaft Kultur Projekte stets bereit, um für die von Wowereit angetriebene Inszenierung der Stadt den jeweils passenden Rahmen zu schaffen. Dafür bedachte Wowereit die Kulturprojekte gerne großzügig aus Lotto-Mitteln, über die ein Regierender Bürgermeister als Chef des Stiftungsrates der Lotto-Stiftung mit verfügen kann.

Eng mit Wowereit zusammen arbeiten seit vielen Jahren auch die Vertreter des Tourismus. So war es wohl kein Zufall, dass Wowereit das letzte Fest vor seinem Rücktritt ausgerechnet beim Branchenverband Dehoga und den Tourismuswerbern von VisitBerlin feierte. Mit Dehoga-Landeschef Willy Weiland und VisitBerlin-Chef Burkhard Kieker ist Wowereit sehr eng vertraut. Die touristische Entwicklung der Stadt dient ihm als Beleg für den Erfolg seiner Politik, die Stadt als kreativ, tolerant und weltoffen zu positionieren.

Wowereits Köpfe in der Berliner Wirtschaft sind der Hotelier Michael Zehden und der Immobilienunternehmer Wolf-Dieter Wolf. Zehden sitzt seit Jahren als Vertreter des Landes im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Sein Mandat wurde auch dann nicht infrage gestellt, als die Forderung nach mehr Bausachverstand im Kontrollgremium erhoben wurde.

Wolf ist als Verwaltungsratsvorsitzender des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) ein wichtiger Akteur in der Medienpolitik, als Vizepräsident Wirtschaft und Marketing des Landessportbundes kommt ihm bei der von Wowereit vorangetriebenen Olympia-Bewerbung eine besondere Rolle zu. Außerdem sitzt Wolf für Berlin im Aufsichtsrat der Messe Berlin GmbH.

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