Ex-Flughafen

Wirtschaftssenatorin will Tempelhof der Messe Berlin übertragen

Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer will das ehemalige Flughafen-Gebäude in Tempelhof sanieren. Vorstellbar ist, dass dann die Messe Berlin dort einzieht. Die bekundet bereits Interesse.

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Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) will die bisher für die Freifläche des Tempelhofer Feldes vorgesehenen Millionen Euro nutzen, um das Terminalgebäude zu sanieren und mit moderner Infrastruktur auszustatten. Zudem regte die Senatorin an, das Veranstaltungsgeschäft in Tempelhof der Messe Berlin GmbH zu übertragen. Damit greift die CDU-Politikerin gleich zwei Mal in das Ressort von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) ein.

„Tempelhof ist ein attraktiver und einmaliger Standort für nationale und internationale Events, gleichzeitig möchten sich insbesondere IT-Start-ups seit geraumer Zeit dort ansiedeln“, sagte Yzer. Dafür müsse das Gebäude fit gemacht werden. „Die Mittel für die Freifläche sind im Haushalt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eingestellt“, so die Politikerin. Gemeinsam mit dem Parlament müssten diese Mittel jetzt umgeschichtet werden. In den nächsten Monaten würde entschieden, ob eine eigene Tempelhof Projekt GmbH noch gebraucht werde.

CDU-Fraktionschef Florian Graf gab seiner Senatorin Rückendeckung. Er warb dafür, „etwa 40 Millionen Euro in die Hand zu nehmen, um dieses einzigartige Gebäude fit zu machen“. Auch Yzers Plan, die Messegesellschaft zu einer Art Event-Agentur für die ganze Stadt auszubauen, findet Grafs Zustimmung. Er halte diese Idee für „überaus spannend“, sagte er. Im Gebäude stecke jede Menge nicht ausgeschöpftes Potential. Es müssten dort noch viel mehr attraktive Ereignisse organisiert werden. „Die Messe Berlin hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie solche Events mit Strahlkraft über die Stadtgrenze hinaus, entwickeln und in Berlin halten kann“, sagte der CDU-Fraktionschef.

Messegelände am Funkturm ist „ausgeknautscht“

Auch die Messe selbst bekundete Interesse. Wenn es genau definierte Flächen gebe und klar sei, wie viel eine Ertüchtigung zum Event-Gelände und wie viel die Instandhaltung koste, sei man sehr interessiert, sagte Messesprecher Michael T. Hofer. Das Messegelände am Funkturm sei „ziemlich ausgeknautscht“.

Die Tempelhof Projekt GmbH reagierte überrascht auf den Vorstoß der Union, zumal die Messe in der Vergangenheit ein Engagement in Tempelhof abgelehnt hatte. Man spreche seit längerem mit der Messe Berlin, um mögliche Kooperationen bei bestimmten Veranstaltungsformaten zu prüfen, sagte Tempelhof-Chef Gerhard Steindorf. Eine Übernahme des Event-Geschäftes habe in diesen Gesprächen nicht zur Debatte gestanden. Der Bau sei kein gewöhnlicher Veranstaltungsort, der einen Full-Service für Veranstalter biete, so wie es im Messe- und Kongressgeschäft üblich sei: „Wir sanieren den ehemaligen Flughafen im laufenden Betrieb.“

SPD-Wirtschaftsexperte Jörg Stroedter ist skeptisch, den Einfluss der Messe auszuweiten. Wie schon im Falle des Internationalen Congress Centrums (ICC) werde das Management dem Land die Rechnung präsentieren, sagte der SPD-Abgeordnete. Mehr Flächen in Tempelhof könnten dazu führen, das ICC als Kongressstandort „endgültig ins Aus zu bugsieren“.

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