Plänterwald

Betrunkene Spreepark-Brandstifter feierten vor Haftantritt

Noch in der Brandnacht wurden vier Verdächtige gefasst - zunächst wegen einer Autobrandstiftung. Drei von ihnen gestanden die Tat im Spreepark, alle vier wurden einem Haftrichter vorgeführt.

Gegen die vier mutmaßlichen Spreepark-Brandstifter sind Haftbefehle erlassen worden. Dies sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Sie waren bereits überführt, während auf dem Spreeparkgelände in Plänterwald nach dem verheerenden Großbrand noch die letzten Feuerwehrleute mit Räumungsarbeiten beschäftigt waren.

Die intensiven Ermittlungen des zuständigen Brandkommissariats ergaben, dass das Feuer offenbar von vier Männern gelegt wurde, die bereits wegen einer Autobrandstiftung in derselben Nacht festgenommen worden waren. Nachdem einer der vier mutmaßlichen Täter ein Geständnis abgelegt hatte, räumten auch zwei seiner Komplizen die Tat ein. Der vierte Festgenommene schwieg zunächst.

Das Motiv, das die geständigen Täter für ihre Brandstiftungen nannten, überraschte selbst die erfahrenen Ermittler des Landeskriminalamtes. Der Älteste des Quartetts hätte in den nächsten Tagen eine Haftstrafe antreten müssen, als Ersatz für eine Geldstrafe, die er nicht bezahlen konnte.

Bevor der 29-Jährige nun für 35 Tage hinter Gitter wanderte, wollten er und seine drei 19, 20 und 21 Jahre alten Freunde zünftig Abschied von der Freiheit feiern und es noch einmal „ordentlich krachen lassen“, gaben die Festgenommenen an. Dazu hatten sie sich am Sonntagabend in der Wohnung des 29-Jährigen in Pankow getroffen.

Betrunken Feuer gelegt

Dort sollen sie mit steigendem Alkoholpegel auch den folgenschweren Entschluss gefasst haben, die Feier durch Brandstiftungen etwas interessanter zu gestalten. Nachdem sie zunächst wahllos durch die Stadt gezogen waren, setzten sie ihre Absichten das erste Mal um kurz nach Mitternacht im Spreepark in die Tat um.

Das dort entstandene Großfeuer, bei dem mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz waren, reichte ihnen aber offenbar noch nicht. Gegen 3.30 Uhr setzten sie deshalb an der Robert-Lück-Straße in Steglitz auch noch einen „Audi Cabrio“ in Brand. Kurz darauf wurden sie von Zivilfahndern festgenommen.

Im Verlauf der Vernehmungen verdichteten sich die Hinweise darauf, dass die vier Männer bereits zuvor gemeinsam am Spreepark unterwegs waren. Schließlich gestand der erste Beschuldigte, mit den anderen Männern den Brand im Spreepark gelegt zu haben. Zwei weitere Verdächtige bestätigten dies, der vierte Mann verweigerte die Aussage.

Der 29-Jährige muss jetzt vorzeitig hinter Gitter, und seine drei Freunde im Alter von 19, 20 und 21 Jahren dürften ihm direkt folgen.

Flammenmeer auf 5000 Quadratmetern

In der Nacht zu Montag hatte ein riesiges Feuer in dem seit 13 Jahren geschlossenen Parkgelände gewütet. Bis in die Morgenstunden bekämpften 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr das Flammenmeer auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern. Das bekannte Riesenrad blieb zwar unbeschädigt – doch das so genannte englische Dorf „Alt-England“ und der Piccadilly Circus konnten nicht gerettet werden.

Etwa 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Zur Unterstützung wurden zwei Mehrzwecklöschboote von Polizei und Feuerwehr zur Einsatzstelle beordert. Gegen 6 Uhr war der Brand unter Kontrolle. Bis zum Nachmittag wurden Glutnester in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand.

Die Höhe des Sachschadens durch das Feuer war auch am Dienstag noch nicht bezifferbar, wie eine Sprecherin des Liegenschaftsfonds Berlin sagte. Es solle nun so schnell wie möglich mit den Aufräumarbeiten begonnen werden, da die abgebrannten Kulissen nicht mehr standfest seien und immer wieder Menschen über den Zaun auf das verlassene Gelände kletterten.