Plänterwald

Berlin will Spreepark nach Großbrand stärker bewachen

Die Berliner Polizei geht bei dem Großfeuer im Spreepark in Treptow von Brandstiftung aus. Eine Drohne machte Luftaufnahmen vom Brandort. Die ehemalige Betreiberin reagierte schockiert.

Eigentlich sollte der Spreepark nun endlich aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden. Doch jetzt sind von vielen Kulissen nur noch Trümmer übrig. In der Nacht zu Montag wütete ein Feuer in dem seit 13 Jahren geschlossenen Parkgelände. Bis in die Morgenstunden bekämpften 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr das Flammenmeer auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern. Das bekannte Riesenrad blieb zwar unbeschädigt – doch das so genannte englische Dorf „Alt-England“ und der Piccadilly Circus konnten nicht gerettet werden. Die Polizei ermittelt nun wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Für Luftaufnahmen vom Brandort ließen Ermittler eine Drohne aufsteigen. Die Aufnahmen sollen helfen, die Ursache des Feuers aufzuklären.

Schwierige Löscharbeiten

Um kurz nach Mitternacht erreichte die Feuerwehrleitstelle die Nachricht, dass es auf dem Gelände des ehemaligen Spreeparks in Treptow brennt. Sofort rückten etwa 40 Einsatzkräfte zu dem Gelände aus. Doch bereits aus der Ferne erkannten die Feuerwehrleute die Größe des Feuers. Die Flammen loderten meterhoch. Noch während der Anfahrt alarmierten sie deshalb weitere 60 Kollegen zur Verstärkung.

Auf dem Gelände angekommen, mussten die Einsatzkräfte feststellen, dass die Wasserversorgung nicht ausreichte. „Auf dem gesamten Parkgelände befindet sich kein einziger Hydrant“, sagte Feuerwehrsprecher Sven Gerling am Montag. Mehrere Schlauchleitungen mussten parallel über große Entfernungen gelegt werden. „Die nächsten Hydranten befanden sich mehr als 800 Meter entfernt in der Neuen Krugallee.“ Deswegen hätten mehrere Löschfahrzeuge in die Wasserversorgung eingebaut werden müssen, um mit deren Pumpen den notwendigen Druck herzustellen. Der Sprecher bedauerte, dass es nicht möglich war, Wasser aus der Spree zu entnehmen. Der gesamte Uferbereich im Parkgelände sei zugewachsen.

Zur Unterstützung wurden deshalb zwei Mehrzwecklöschboote – eines von der Polizei und eines von der Feuerwehr – zur Einsatzstelle beordert. Ein wesentlich leistungsstärkeres Feuerwehrlöschboot, das in Spandau stationiert ist, konnte nicht anrücken, weil eine Schleuse in Charlottenburg neuerdings nachts nicht mehr in Betrieb sei, so Gerling weiter. Gegen 6 Uhr war der Brand unter Kontrolle. Eine Stunde später wurden die Löschkräfte abgelöst. Die Glutnester wurden weiter in regelmäßigen Abständen kontrolliert, nach den Aufräumarbeiten war der Einsatz gegen 14.25 Uhr beendet. Verletzt wurde bei dem Feuer nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Was das Feuer auslöste, blieb am Montag noch unklar.

Wieder Führungen geplant

Die Polizei geht jedoch von Brandstiftung aus, weil das Feuer von zwei weit auseinanderliegenden Holzhütten ausging. Birgit Möhring, Chefin vom Liegenschaftsfonds Berlin, sagte, es seien Brandbeschleuniger gefunden worden. „Es ist notwendig, die Sicherheitsmaßnahmen hochzufahren um Unbefugte besser fernzuhalten. Auch wegen der bestehenden Gefahrenquellen auf dem Areal“, so Birgit Möhring. Zudem sollten künftig auch wieder Führungen über das Gelände angeboten werden.

Sabrina Witte äußerte sich schockiert über den Brand im Spreepark. Die Tochter des ehemaligen Betreibers, Norbert Witte, der pleitegegangen und auch durch Drogenschmuggel in großem Stil in die Schlagzeilen geraten ist, wuchs auf dem Gelände auf. In der Nacht zum Montag hatte sie im Radio gehört, dass das englische Dorf im Park abgebrannt ist. „Ich verstehe einfach nicht, wie das passieren konnte“, sagte sie am Montag. Sabrina Witte war in den vergangenen Jahren für die Zwischennutzung eines Teils des stillgelegten Vergnügungsparks verantwortlich.

Für die Bewachung des Geländes ist jetzt aber das Land Berlin zuständig. Seit März gehört der Spreepark wieder dem Berliner Liegenschaftsfonds. „Wir haben den von uns genutzten Bereich geräumt und am 27. April dem Land übergeben“, so Witte. Gern hätte sie das Projekt Zwischennutzung weiter verfolgt. Das Land habe das aber nicht gewollt. „Wir haben den Leuten die Möglichkeit eingeräumt, in den geschlossenen Park zu kommen und sich dort umzusehen.“ Nun sei das Gelände komplett geschlossen. Das verleite offenbar manche dazu, auf eigenen Faust dort reinzugehen, mit entsprechenden Folgen, sagte Witte.

Der Rummelplatz im Plänterwald war 1969 als „VEB Kulturpark Berlin“ eröffnet worden. Er galt als größter Freizeitpark der DDR. Die Schaustellerfamilie Witte aus Hamburg eröffnete 1992 den Freizeitpark nach Millioneninvestition erneut als Spreepark. Zehn Jahre später meldeten sie aber Insolvenz an und wanderten nach Peru aus, um dort den Luna-Park zu eröffnen. Doch 2003 wurden Norbert Witte und sein Sohn Marcel wegen des versuchten Schmuggels von rund 170 Kilogramm Kokain verurteilt. Norbert Witte wurde in Deutschland verhaftet und zu acht Jahren Haft verurteilt, kam aber schon nach vier Jahren frei. Marcel Witte verbüßt in Peru immer noch seine Strafe.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.