Onlinespiel

„Zerstört Zerstört“ - Spielerisch Berlins Bauten platt machen

Ob Supermarkt oder East-Side-Gallery - Beim Onlinespiel „Zerstört Zerstört“ bleibt in Berlin kein Stein auf dem anderen. Die Macher verspotten gigantische Bauprojekte und den Regierenden Bürgermeister.

Foto: Amin Akhtar

Munter hüpft die kleine Figur im Anzug über die Dächer der Stadt. Hinauf auf das Rote Rathaus. Dort wartet schon eine weitere Figur mit Bauhelm. „Um ein individuelles Bauprojekt mit höchsten Standards zu planen, drücke (x).“ Eine ironische Aufforderung. Denn bei dem Onlinespiel „Zerstört Zerstört“ (zu finden unter www.kongregate.com) bedeutet Bauprojekte planen vor allem eines: bereits bestehende Gebäude abzureißen. Zu leichtfertig sei die Berliner Bau- und Mietpolitik, sagen die Macher. Das wollen sie mit ihrem Spiel zum Ausdruck bringen.

Der kleine Avatar, dem durch die Pfeiltasten Leben eingehaucht wird, hat beabsichtigte Ähnlichkeit mit dem Berliner Regierungschef. „Es geht uns nicht darum, Politiker zu denunzieren“, sagt Mitentwickler Patrick A. Objektiv gesehen könne ein Gesicht aus 15 Pixeln niemandem ähnlich sehen. Laut Spielbeschreibung handelt es sich lediglich um einen „einflussreichen Politiker“, der seinen Energiebalken lädt, indem er einen Strohhalm in weißes Pulver auf dem Rathausdach steckt.

Die Erfinder wollen ihre Nachnamen lieber nicht nennen. Als Freiberufler aus allen möglichen Fachgebieten wollen sie potenzielle Kunden nicht verärgern. Kritik gefällt nicht allen Auftraggebern. Den Spielern jedoch schon: Seit dem Start des Spiels im Mai wurde bereits rund 4200-mal Berlin zerstört.

Nach zehn Zerstörungen hat man gewonnen

Elf Berliner Gebäude müssen in diesem Spiel dem Erdboden gleichgemacht und durch neue Bauten ersetzt werden, darunter der „Kaiser’s“-Supermarkt am Kottbusser Tor, das Veranstaltungshaus „Supamolly“ in Friedrichshain und das Stück East-Side-Gallery mit den knutschenden Herren Breschnew und Honecker. Hat man mit der Taste x die Bauplanung also ins Rollen gebracht, geht alles fast wie von selbst. Zuerst tauchen die Demonstranten vor dem abzureißenden Objekt auf. Durch erneutes Betätigen der x-Taste würgt der kleine Politiker Polizisten hervor, schickt sie zur Demonstration und lässt die Demonstranten buchstäblich dem Erdboden gleichmachen. Dann kommt der Bagger, das Gebäude wird abgerissen - und eine luxuriöse Wohnanlage entsteht.

Nach zehn Zerstörungen hat man gewonnen. Was ist die Idee hinter dem Spiel? „Das lag irgendwie nahe“, sagt Patrick. „Es gibt viele, die gern Computerspiele spielen, und die wollten wir für das Thema Bauvorhaben sensibilisieren“, so der Berliner. Eine eingängige 2-D-Optik haben die Entwickler gewählt, kombiniert mit dem Super-Mario-Verhalten, das jeder kennt. Vor allem über das Feedback in Spielforen freut er sich. „Leute schreiben, in ihrer Stadt sei das genauso, da werde die Vielfalt Stück für Stück zerstört. Und dass sie die Idee, das in Spielform zu kritisieren, total gut finden.“

Allzu bunt sollte man es allerdings nicht treiben. „Anders als in der Offline-Welt schwindet in der Realität bei allzu hartem Durchgreifen die Gunst der Wähler“, warnt die Spielbeschreibung. Rechtzeitig sollten also gute Pressebilder her. „18 Sekunden bis zur nächsten Wahl. Erzähle den Journalisten, wie gut Du es mit dieser Stadt meinst“, wird der Spieler aufgefordert. Sofort kommen Reporter angehüpft und schießen Fotos. Darauf verlängert sich der Popularitätsbalken, es kommt die Nachricht: „Gratuliere! Du bist wiedergewählt worden und kannst weiter gegen die Vielfalt dieser Stadt vorgehen.“

Mehr als ein packendes Spiel ist „Zerstört Zerstört“ eine Satire. „Die einzige Möglichkeit zu verlieren ist, nicht wiedergewählt zu werden“, erklärt Patrick. „Aber das ist kaum möglich.“