Mord-Prozess

Moabit-Ausbrecher Metin M. ist zurück im Gerichtssaal

73 Tage lang war Metin M. auf der Flucht. Dadurch fehlte er fünf Verhandlungstage im Mordprozess gegen ihn. Der JVA-Ausbrecher soll den Inhaber des „First Club“ in dessen Wohnung getötet haben.

Er trägt jetzt einen Dreitagebart. Und wirkt genauso gelassen, wie am letzten Prozesstag im März: Metin M., angeklagt wegen Mordes, ist seit Dienstag nun auch in den Gerichtssaal zurückgekehrt. Bewacht von acht Beamten.

Dem 34-Jährigen gelang am 19. Mai gemeinsam mit einem Zellengenossen eine spektakuläre Flucht aus der Justizvollzugsanstalt Moabit. Sie sägten die Gitter ihres Zellenfensters durch und seilten sich mit behelfsmäßig zusammengeknoteten Seilen aus Bettlaken und Handtüchern ab. Der Komplize wurde Anfang Juni in einem Hotel in Charlottenburg verhaftet. Metin M., den viele im Ausland wähnten, konnte am 31. Juli in einer Wohnung an der Straße Alt-Reinickendorf festgenommen werden.

Es geht um viel für den kräftigen, groß gewachsenen Mann in diesem Prozess vor einem Moabiter Schwurgericht. Daher sicher auch die Flucht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 3. März dieses Jahres den 68-jährigen Jochen Strecker in dessen Wohnung in Wilmersdorf aus Habgier getötet zu haben. Das Opfer war Inhaber des „First Club“ an der Lietzenburger Straße. Angeklagt ist auch ein mutmaßlicher Mittäter, den Metin M. zuvor im Gefängnis Tegel kennenlernte und der Metin M. zu Beginn des Prozesses massiv belastete.

Durch die Flucht hat Metin M. fünf Verhandlungstage versäumt. Der Vorsitzende Richter Thomas Groß spricht von „eigenmächtiger Abwesenheit“. Eine Art Flucht-Justiz-Opfer wurde dadurch auch eine Zeugin, die am Dienstag zum fünften Mal vor dem Saal 700 erscheint – und nun endlich vernommen wird. Doch Wesentliches kann die 48-Jährige nicht beitragen. Sie war Stammgast im „First Club“, kannte Strecker persönlich: „Er war lebenslustig, meist gut drauf und charmant zu seinen Gästen.“ Der Klubchef sei es auch gewesen, der sie 2012 mit Metin M. bekannt gemacht habe: „Darf ich dir mal einen netten jungen Mann vorstellen.“ Strecker nannte ihn Juliano. Die Zeugin weiß nicht, ob die beiden irgendwie liiert waren. Sie weiß auch nicht, ob Metin M. Drogen nahm.

Und Metin M. hört mürrisch zu. Der Alltag hat ihn wieder. Der Prozess ist noch bis November terminiert.