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Berliner U-Bahn bekommt bis Jahresende schnelles Internet

In der Berliner U-Bahn soll das Surfen im Internet einfacher werden. Der Anbieter E-Plus hat angekündigt, bis zum Jahresende alle Linien und fast alle Bahnhöfe an das schnelle Datennetz anzuschließen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Der Moment der Wahrheit kommt für Jörg Borm im Neuköllner U-Bahnhof Boddinstraße. Die aktuelle südliche Endstation für die Linie U8 ist eine von inzwischen rund 30 Berliner U-Bahnhöfen, die der Mobilfunkanbieter E-Plus bereits an das schnelle Datennetz angeschlossen hat. Auf seinem Handy hat der Sprecher des Düsseldorfer Unternehmens eine sogenannte Speedtest-App installiert. Wie ein Tacho zeigt diese die Geschwindigkeit an, mit der Daten gesendet oder abgerufen werden können. Das Gerät in seiner Hand zeigt für Downloads, also das Herunterladen von Daten, eine Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde an, das Versenden von Informationen kann mit bis zu 25 MBit/s erfolgen.

Jörg Borm ist zufrieden: „Beide Werte sind mehr als ausreichend, um sich etwa die Tagesschau-Nachrichten ohne Ruckeln auf dem Handy anzusehen“, sagt er. Bis zum Jahresende, so kündigt er an, soll das gesamte Berliner U-Bahn-Netz „nahezu komplett“ an das schnelle Datennetz angeschlossen werden. „Ein in diesem Umfang in Deutschland bislang einmaliges Vorhaben“, sagt Borm. Ähnliche Aktivitäten verschiedener Mobilfunkanbieter gebe es zwar auch in München, Hamburg, Nürnberg oder Düsseldorf, aber sie seien in Aufwand und Tempo nicht mit dem Projekt in der Bundeshauptstadt vergleichbar.

Allein 800 Kilometer Glasfaserkabel müssten dafür im Berliner Untergrund verlegt sowie 630 Antennen und 560 sogenannte Repeater montiert werden. Über die Gesamtkosten schweigt sich E-Plus aus, es soll sich aber um eine Investitionssumme in zweistelliger Millionenhöhe handeln. Aus Sicht des Unternehmens, das bundesweit nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 23 Prozent hat, offenbar gut angelegtes Geld. „Wir haben damit in Berlin ein Alleinstellungsmerkmal“, so Borm.

U7 und U8 sind schon umgerüstet

Ende 2013 haben die Arbeiten begonnen. Inzwischen sind die ersten Abschnitte etwa auf den Linien U7 (Spandau–Rudow) sowie U8 (Wittenau–Hermannstraße) bereits umgerüstet. Auf der Linie U1 (Warschauer Straße–Uhlandstraße) können E-Plus-Kunden beispielsweise zwischen Uhlandstraße und Wittenbergplatz das schnelle Internet nutzen, auf der Linie U9 (Osloer Straße–Rathaus Steglitz) soll dies zwischen Rathaus Steglitz und Turmstraße möglich sein. Profitieren können davon jedoch vorerst nur die Kunden von E-Plus und der verschiedenen Tochter-Marken wie etwa Base oder Simyo, aber auch ausländische Berlin-Besucher, die das E-Plus-Netz im sogenannten Roaming nutzen.

Laut Sprecherin Petra Reetz verhandelt die BVG auch mit anderen großen Mobilfunkbetreibern über einen Ausbau ihrer Netze im Berliner Untergrund. Bis jedoch T-Mobile- oder Vodafone-Kunden über schnelle Internetverbindungen verfügen, könnte noch einige Zeit vergehen. Die D-Netz-Betreiber müssten nach Ansicht der BVG-Fachleute erheblich in ihre Technik investieren. Eine eigene Initiative zum Netz-Ausbau schließt die BVG angesichts der damit verbundenen Investitionssummen aus. „Das ist nicht unser Kerngeschäft“, so BVG-Sprecherin Reetz.

Die Verkehrsbetriebe unterstützen jedoch die Mobilfunkanbieter bei ihren Bemühungen. „Wir stellen Platz für die benötigten Anlagen zur Verfügung und ermöglichen die Installation der Technik bei laufendem Betrieb“, so Reetz. Eine Möglichkeit, dass Kunden anderer Mobilfunk-Anbieter schneller Zugang zum Highspeed-Internet bekommen, wäre das sogenannte „National Roaming“.

Wie etwa beim Auslandsaufenthalt wird dabei gegen Entgelt das Netz eines anderen genutzt, in Fall der Berliner U-Bahn das von E-Plus. Mit seinem Vorhaben stößt der Mobilfunkanbieter in ein bislang schlecht bestelltes Feld. Während das Telefonieren in der U-Bahn mehr recht als schlecht möglich ist, ist das Abrufen von Internetdiensten in den meist unterirdischen Anlagen ein Glücksspiel. „Das Datenübertragungstempo ist hier einfach zu langsam“, sagt Kathrin Ankert von der NCQA GmbH.

Handyempfang im Untergrund besonders schlecht

Das Unternehmen am Tempelhofer Weg bietet unter dem Namen Floq eine App an, mit der die Netzqualität geprüft werden kann. Im Untergrund ist der Handyempfang aus physikalischen Gründen besonders schlecht. Die Decken aus Eisenbeton schirmen die Tunnel und Bahnhöfe gegen die von oberirdischen Antennen ausgestrahlten Signale ab. Bereits für einfache Telefonate in dem dafür üblichen GSM-Standard mussten die Mobilfunkanbieter spezielle Übertragungstechnik im Untergrund einbauen.

Für das Herunterladen weitaus größerer Datenmengen reicht die alte Technik jedoch nicht mehr aus. Die neuen Standards lauten HSPA+ und LTE, sie ermöglichen den sekundenschnellen Zugriff auf die sozialen Netzwerke oder das störungsfreie Herunterladen von Filmen oder von Musik (dem sogenannten Streaming). Auch wichtige Alltagsdienste wie etwa die Fahrinfo-App des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, die ein Abfragen von Fahrplan- und Verbindungsdaten in sogenannter Echtzeit beinhaltet, ist ohne schnelles Internet faktisch nicht möglich. Doch was nützt die beste App für die öffentliche Verkehrsmittel, wenn sie in einem wichtigen Teil des Nahverkehrssystems nicht funktioniert?

Technisch muss E-Plus einen erheblichen Aufwand betreiben, um den versprochenen schnellen Zugriff auf das Internet im U-Bahn-Netz zu ermöglichen. So werden an elf Standorten sogenannte Kopfstationen eingerichtet, die zunächst eine Verbindung zur Außenwelt herstellen. Dort werden die Daten, die von großen überirdischen Mobilfunkanlagen ausgestrahlt werden empfangen und in Lichtsignale verwandelt. Die werden dann über kilometerlange Glasfaserkabel an „Remote-Units“ übertragen, die sie wieder in Hochfrequenz-Funksignale umwandeln, die von den Handys und Smartphones empfangen werden können.