Feinstaub in Berlin

Aktivisten fordern Umweltzonen für Berliner Ausflugsdampfer

Wenn Autos in die Innenstadt wollen, benötigen sie eine Umweltplakette. Dagegen dürfen Ausflugsdampfer und Güterschiffe dicke Feinstaub-Wolken hinterlassen. Umweltschützer fordern nun Rußfilter.

Foto: Helga Labenski

Der Schiffsführer des Ausflugsdampfers auf der Spree guckt starr geradeaus. Auch die Passagiere auf dem Oberdeck werfen nur einen kurzen Blick auf die Demonstranten auf der Brücke über ihren Köpfen. „Volle Fahrt voraus? Aber nur mit Rußfilter“ haben Aktivisten von vier Umweltverbänden auf das Transparent geschrieben, mit dem sie auf die Feinstaubbelastung durch Binnenschiffe aufmerksam machen wollen. Mit ihrer Aktion auf der Friedrichsbrücke an der Museumsinsel in Mitte will die Kampagne „Rußfrei fürs Klima“ beim Bund eine Filterpflicht für Binnenschiffe erreichen.

In Berlin seien es vor allem die Fahrgastschiffe, die entlang von Spree, Havel oder Landwehrkanal für dicke Luft sorgen, sagen die Verbandsvertreter. Bis zu 214.0000 Feinstaubpartikel pro Kubikmeter Luft haben die Umweltschützer auf der Museumsinsel gemessen. 3.500 bis 16.000 Partikel sind laut Leibniz-Institut für Troposphärenforschung an städtischen Standorten normal.

„Wir befinden uns hier in der Umweltzone“, so Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. „Jeder Diesel-Pkw und fast jeder Laster muss hier einen Rußfilter haben. Es ist nicht nachvollziehbar, dass das für Schiffe nicht gilt.“

Erst vier der 100 Berliner Fahrgastschiffe haben Rußfilter

Damit Berlins Ausflugsschiffe sauberer werden, hat der Senat 2012 ein Programm aufgelegt. 50 Prozent der Kosten für Rußfilter werden bezuschusst. 30 Schiffe, so hoffte der Senat, hätten so bis 2014 mit Filtern ausgerüstet werden sollen. Doch bisher haben erst vier der rund 100 Berliner Fahrgastschiffe die Technik erhalten.

Der Grund seien die hohen Kosten, weiß Lutz Freise, Geschäftsführer der Reederei Riedel. 90.000 Euro hat die Reederei in die „Spree Diamant“ investiert, um sowohl den Antriebsmotor als auch das Stromaggregat mit Filtern zu versehen. Im Winter soll die „Kreuzberg“ folgen. Noch im August will Riedel das erste solargetriebene Fahrgastschiff Berlins vorstellen. Die Kosten, um alle 15 Schiffe seiner Flotte mit Filtern nachzurüsten, seien aber selbst bei öffentlicher Förderung „gewaltig“, sagt Freise.

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Anwohner verlieren jedoch die Geduld. Anrainer des Schlosses Charlottenburg stört seit Jahren, dass im Sommer bei geöffneten Fenstern die Abgase der Ausflugsschiffe bis in die Zimmer ziehen. Auch Passanten sind genervt. „Wenn ich morgens an der Spree in den Schlosspark jogge, versuche ich, unter der Schlossbrücke die Luft anzuhalten, um nicht die Abgaswolke einzuatmen“, sagt Max Stinz. Bei den Dampfern würden dann immer die Motoren laufen.

Die Reeder kennen solche Beschwerden. Alle Schiffsführer seien angewiesen, sofort nach dem Anlegen die Motoren abzustellen, betont Lutz Freise. Die Reederei habe die meisten ihrer 20 innerstädtischen Anleger mit Stromanschlüssen versehen. Um die Berliner Ausflugsschifffahrt zukunftsfähig zu machen, müsse sie „sauber unterwegs sein“, betont Freise. Manch ein Kollege müsse das vielleicht noch lernen.