Urteil

Bewährungsstrafe für Ex-Chef der Berliner Treberhilfe

Harald Ehlert - auch bekannt als „Maserati-Harry“ - stand elf Monaten wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Nun wurde er zu einer Freiheitstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Foto: Amin Akhtar

Nach einem fast ein Jahr dauernden Prozess vor dem Landgericht Moabit ist der ehemalige Chef der Berliner Treberhilfe, Hans Harald Ehlert, am Mittwoch wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der als „Maserati-Harry“ bekannt gewordene Ehlert gegenüber dem Finanzamt unwahre Angaben gemacht hat. Dabei ging es vor allem um seine Dienstwagen, einen Maserati und einen BMW der oberen Preisklasse. Nach Auffassung des Gerichts nutzte Ehlert den Maserati vor allem für private Zwecke, den BMW habe er gänzlich verschwiegen und so unrechtmäßig Steuervergünstigungen, die der gemeinnützigen Treberhilfe gewährt wurden, für private Zwecke missbraucht, so die Richter.

Verteidiger forderte Freispruch

Vier Verhandlungstage hatte das Gericht im August vergangenen Jahres angesetzt. Daraus wurden schließlich fast 40. Am Ende hatten es offenbar auch die Richter eilig. Am Montag dieser Woche hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Schlussantrag ein Jahr und vier Monate gefordert, der Verteidiger dagegen hatte am Mittwochvormittag in seinem Plädoyer Freispruch beantragt. Ursprünglich war die Urteilsverkündung für den Donnerstag angesetzt, doch nach mehrstündiger Beratung verkündeten die Richter der 14. Großen Strafkammer ihr Urteil bereits am Mittwochabend.

Die Staatsanwaltschaft hatte Ehlert in ihrer Anklage ursprünglich vorgeworfen, mit falschen Angaben gegenüber dem Finanzamt zwecks Nutzung seines Dienst-Maseratis unberechtigte Steuervergünstigungen über 570.000 Euro in Anspruch genommen zu haben. Die Summe wurde allerdings im Laufe des Verfahrens nach unten korrigiert.

Ehlert kündigt Revision an

Seit 2010 war der damalige Chef der inzwischen insolventen Treberhilfe immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Ein italienisches Luxusgefährt als Dienstwagen für den Chef einer gemeinnützigen Hilfsorganisation sorgte ebenso für Kritik und öffentliche Debatten wie die Tatsache, dass die Geschäftsräume der Treberhilfe in einer mondänen Villa untergebracht waren und der Angeklagte sich selbst ein Jahresgehalt von 300.000 Euro bewilligt hatte.

Gegen Ehlert läuft derzeit noch ein zweites Verfahren wegen Insolvenzverschleppung und nicht abgeführten Sozialabgaben für Mitarbeiter der Treberhilfe. In dem jetzt zu Ende gegangenen Prozess hatte Ehlert alle Vorwürfe bestritten. Seine Darstellung, warum die angeblichen Privatfahrten auch und vor allem dienstlichen Zwecken gegolten hätten, bezeichnete der Vorsitzende allerdings wiederholt als lebensfremd. Ehlert sprach nach dem Urteil von „eklatanten Verfahrensfehlern“ und kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an.