Flohmärkte

Wie Berliner Omas Porzellan im Hinterhof verkaufen

Am Wochenende findet der „Sonntag der Berliner Hinterhofflohmärkte“ statt. Bereits 20 Hausgemeinschaften in Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln haben eigene Flohmärkte angekündigt.

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Auf einem von Berlins zahlreichen Flohmärkten sonntags einen Stand zu ergattern, ist gar nicht so einfach. Jedenfalls nicht so einfach, wie es für die Besucher beim entspannten Schlendern über den Trödelmarkt aussieht.

Was läge da näher, als sich dem ganzen institutionalisierten Flohmarktzirkus zu verwehren und einfach selbst einen kleinen Trödelstand zu organisieren? Genau zu diesem Schluss ist Volker Siems, Geschäftsführer des im August vergangenen Jahres gegründeten Non-Profit-Sozialunternehmens Polly&Bob, gekommen und hat den „Sonntag der Berliner Hinterhofflohmärkte“ ins Leben gerufen.

An diesem Wochenende ist es nun soweit, erstmals sind alle Berliner aufgerufen, sich mit ihren Nachbarn zusammen zu tun, Tische zu organisieren und alles, was sie nicht mehr benötigen, zum Verkauf anzubieten. Bereits über 20 Hausgemeinschaften haben eigene Flohmärkte angekündigt, wie der Internetseite von Polly&Bob unter blog.pollyandbob.com zu entnehmen ist. Vor allem in Friedrichshain lohnt sich ein Spaziergang, aber auch in Kreuzberg und Neukölln gibt es bereits Anmeldungen. Dort also, wo sich Schnäppchenjäger sonntags sowieso aufhalten.

Eine neue Form der Nachbarschaft

„Das ist ein schöner Anlass, zu dem Leute aus dem Haus einander kennenlernen und mal was zusammen machen können“, findet Siems. „Und wenn an einem Tag in mehreren Hinterhöfen Trödelmärkte stattfinden, dann lockt das ja auch mehr Leute an.“ Die Idee hinter dem Nachbarschaftsprojekt ist dieselbe, die auch hinter Siems’ ganzem Unternehmen steht. Wie wollen wir leben, in einer Welt, in der jeder für sich alleine lebt? „Wir sind auf andere Menschen angewiesen“, sagt Siems. „Und zwar offline, nicht online.“ Polly&Bob propagiert eine neue Form der Nachbarschaft, weniger anonymisiert, mehr gemeinschaftlich. Da ist ein Flohmarkt die ideale Plattform, sein Haus besser kennenzulernen.

Ein weiterer Vorteil der Hinterhofaktion: Die Stände sind ganz umsonst. Denn wem auf den heißbegehrten Märkten an Maybachufer, Mauerpark und Boxhagener Platz mit relativ gesichertem Umsatz ein überdachter Marktstand vorschwebt, der sollte das nötige Kleingeld parat haben. Und gute Nerven. Denn am Sonntag selbst braucht man gar nicht mehr zu kommen.

Auf dem Nowkoelln Flowmarkt am Maybachufer etwa hat sich der Hobbyverkäufer bereits zwei Wochen zuvor um 7.30 Uhr vor Ort einzufinden, um noch eine Standmarke in die Hand gedrückt zu bekommen. Da macht die ganze Trödelmarktaktion dann schon gar keinen Spaß mehr. Schon gar nicht den hippen Jungberlinern, die ihr Leben ungern zwei Wochen im Voraus planen. Wer also Lust hat, am Sonntag von 12 bis 17 Uhr mit seinen Nachbarn zu trödeln, der sollte sein Haus unter blog.pollyandbob.com im Internet anmelden. Dann verspricht Polly&Bob, auch für die nötige Kundschaft zu sorgen.