Testphase

Neue Berliner Doppeldecker haben sogar USB-Anschluss

Das Unternehmen Scania baut die Doppeldecker-Busse, ab Dezember wird im Berliner Verkehr getestet. Der Bus hat Platz für 89 Fahrgäste und soll dort unterwegs sein, wo große Busse bisher nicht fahren.

Foto: Scania

Die berühmten „Großen Gelben“ in Berlin sollen kleiner und wendiger werden. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen dazu ab Dezember einen Doppeldecker erproben, der fast drei Meter kürzer ist als der aktuell eingesetzte Modell.

Den Lieferauftrag für das elf Meter lange Testfahrzeug hat der schwedische Hersteller Scania nach einer europaweiten Ausschreibung erhalten, wie das landeseigene Verkehrsunternehmen am Montag mitteilte.

Der zweiachsige Scania Citywide DD wird allerdings nur Platz für bis zu 89 Fahrgäste bieten. Der dreiachsigen Doppeldecker Neoman A39 „Lion’s City“ vom deutschen Hersteller MAN, von dem derzeit 415 Fahrzeuge durch die Stadt rollen, kann dagegen mit 128 Steh- und Sitzplätzen rund 40 Prozent mehr Passagiere befördern.

Praktische Erwägungen

Die BVG begründet die Rückkehr zu dem vor 2005 üblichen Doppelstockbus-Design vor allem mit praktischen Erwägungen. Es gebe in Berlin mehrere Linien, auf denen aus Gründen der baulichen Infrastruktur weder große Doppeldecker noch Gelenkbusse fahren können. Allerdings hatte BVG-Chefin Sigrid Nikutta in der Vergangenheit bereits mehrfach die hohen Kosten und die häufigen Rangierschäden bei den aktuell eingesetzten Doppeldeckern beklagt.

Zudem ist der „Lion’s City DD“ von MAN eine vergleichsweise teure Sonderentwicklung, die in nennenswerter Stückzahl außer in Berlin nur noch in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) fährt. Um Kosten zu verringern, will die BVG künftig verstärkt Busse „von der Stange“ mit international üblichen Maßen kaufen.

Doppeldecker mit einer Länge von elf bis zwölf Metern werden bereits in großer Zahl von Nahverkehrsunternehmen in Großbritannien, Hongkong und Singapur eingesetzt.

Erprobung dauert ein Jahr

In einer auf zwölf Monate angesetzten Erprobungsphase will die BVG nun prüfen, ob der Scania-Doppeldecker sich „im anspruchsvollen Berliner Alltagseinsatz“ bewährt. Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz sollen auch noch andere Typen in den Test einbezogen werden.

„Entsprechende Ausschreibungen sind in Vorbereitung“, so Reetz. Danach soll entschieden werden, ob die kleinen Doppeldecker eine sinnvolle Ergänzung zur bestehenden BVG-Busflotte sind.

Aktuell setzen die landeseigenen Verkehrsbetriebe insgesamt 1301 Busse ein, davon 415 Doppeldecker, 466 Gelenk- und 15 Meter lange Busse sowie 420 kurze Eindecker und Sonderwagen. Sie fahren auf 149 Tages- und 62 Nacht-Linien mehr als 6400 Haltestellen in Berlin und im Umland an.

Nur eine Treppe zum Oberdeck

Unter Fahrgastvertretern ist die Kurz-Variante bei den Doppeldeckern durchaus umstritten. Auf Kritik stößt etwa, dass der Scania-Bus nur noch eine statt zwei Treppen zum Oberdeck hat.

Das könnte dazu führen, dass sich ein- und aussteigende Fahrgäste in die Quere kommen und die Busse noch länger an den Haltestellen stehen. Darunter könnte auch die ohnehin nicht gerade berühmte Pünktlichkeit der BVG-Busse leiden.

Eine weitere Kritik: Die Kapazitätssenkung passe nicht zu dem Trend, der auf zahlreichen Berliner Nahverkehrsstrecken zu verzeichnen ist: Vielerorts würden die Fahrgastzahlen zunehmen, immer mehr Menschen stünden an den Haltestellen.

Einsatz am Stadtrand

Die BVG kontert, dass die kleinen Busse die „Großen Gelben“ ja nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen sollen. Als Einsatzgebiet sind vor allem Strecken in den Berliner Randgebieten vorgesehen, wo das Fahrgastaufkommen geringer ist als in der Innenstadt, das aber von den noch kleineren Eindeckern nicht mehr bewältigt werden kann.

„Die Doppeldecker-Busse sind ein Markenzeichen für Berlin und die BVG“, sagt dazu Martin Koller, Bereichsleiter Omnibus bei der BVG. „Wir erproben nun bewusst verschiedene Modelle, um auch in Zukunft mit passgenauen Verkehrsangeboten den vielfältigen Anforderungen in der wachsenden Stadt gerecht zu werden.“

Anzeige informiert über freie Plätze auf dem Oberdeck

Auch wenn der Scania-Doppeldecker hinsichtlich seiner Größe an BVG-Modelle der 70er-Jahre erinnert, soll der Bus bei Technik und Fahrgastfreundlichkeit kein Rückschritt sein. So erfüllt der Dieselmotor die strengste EU-Abgasnorm Euro 6.

Das Modell verfügt laut BVG zudem über eine ganze Reihe von „Extras“, die im Berliner Stadtverkehr Premiere feiern werden. Dazu zählen unter anderem ein Glasdach im Frontbereich des Oberdecks, eine Treppe in Fahrtrichtung, die den Fahrgastfluss erleichtern soll, sowie LED Beleuchtung an den Stufen und an den Seitenwänden der Treppe.

Jede Sitzreihe im Oberdeck wird einen USB-Anschluss bekommen, zudem soll eine elektronische Anzeige die Fahrgäste über freie Sitzplätze im Oberdeck informieren.

Tradition aus Schweden

Die Scania AB ist ein schwedisches Traditionsunternehmen, das sich seit 2011 mehrheitlich im Besitz der deutschen Volkswagen AG befindet. Mit Bussen ist Scania vor allem in Skandinavien und in Südamerika gut vertreten, außerdem in Großbritannien und Spanien. Im Vorjahr erhielten sie jedoch einen ersten Großauftrag von der BVG über die Lieferung von 156 Gelenkbussen, die von 2014 bis 2017 ausgeliefert werden sollen.

Der erste neue Bus ist laut BVG-Sprecherin Reetz bereits in Berlin eingetroffen und wird zur Schulung der Fahrer eingesetzt. Ein zweiter Bus sei fertig montiert und stehe unmittelbar vor der Auslieferung. Auf einer Internet-Seite verbreitere Aussagen, dass die Montage im polnischen Scania-Werk in Słupsk (Stolp) wegen technischer Probleme und der Urlaubszeit ins Stocken geraten sei, dementierte die BVG. „Bisher hat Scania alle Zeitpläne eingehalten“, sagte sie.