Berliner Polizei

Fahrradstaffel im Einsatz gegen Rad-Rowdys

Die neue Berliner Fahrradstaffel der Polizei nimmt im Regierungsviertel ihre Arbeit auf. Ziel des wissenschaftlich begleiteten Projektes ist, die Zahl der Unfälle mit Radfahrern zu senken.

Foto: Paul Zinken / dpa

Sie sind nicht zu übersehen. Auf dem Helm steht Polizei. Auf dem Fahrrad ist ebenfalls der Schriftzug zu sehen. Und ihre Kleidung ist dem sportlichen Einsatz angepasst. Künftig werden Polizisten den Radlern „auf Augenhöhe“ begegnen, wie es Polizeipräsident Klaus Kandt ausdrückte. Mit einer Fahrradstaffel, zu der 20 Beamte gehören, startet die Hauptstadtpolizei ein Pilotprojekt in Berlins Mitte. Dort werden künftig die mit modernen Trekkingrädern ausgestatteten Polizisten „sowohl Radfahrer als auch Autofahrer zum rücksichtsvollerem Verhalten anhalten“, sagte Kandt am Mittwoch anlässlich des Einsatzstarts der Fahrradstaffel.

Die Polizeistreifen auf Rädern sind ab sofort im Bereich der Direktion 3 zwischen dem Alexanderplatz und dem Regierungsviertel im Einsatz – ein Gebiet, in dem der Anteil der Radfahrer in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat. Sie tragen bei der Arbeit einen Fahrradhelm, Funktionskleidung mit der Aufschrift „Polizei“ und haben ihre Ausrüstung wie Funkgerät, Pistole und Handfesseln dabei.

Ohne Martinshorn unterwegs

Die fünf Frauen und 15 Männer sind auf ihr neues Einsatzgerät intensiv vorbereitet worden. So mussten sie in den vergangenen Wochen unter anderem ein spezielles Sicherheitstraining absolvieren. Die Rad-Streifen sollen in verschiedenen Schichten das ganze Jahr von morgens bis abends sieben Tage in der Woche unterwegs sein. Sie sollen sich als Schwerpunkt mit Fahrradfahrern beschäftigen.

Damit stehen nicht in Konkurrenz zu den bisherigen Fahrradstreifen der örtlichen Polizeiabschnitte, die umfassende Aufgaben übernehmen. Bei Temperaturen unter minus fünf Grad im Winter gibt es allerdings keine Einsätze. Spezielle Signale haben die Polizisten auf den Rädern nicht. „Ein Blaulicht auf dem Helm zu montieren, darauf haben wir verzichtet“, sagte Kandt. Der übliche Ruf „Halt, Polizei“ soll ausreichen. Der Fuhrpark der Fahrradstaffel (offizielle Abkürzung FaSta) besteht zum einen aus zwei Pedelecs.

Mit Mittelmotor

Das sind E-Fahrräder. Sie haben einen Bosch-Antrieb als Mittelmotor. Zudem verfügen sie über eine XT Schaltung mit zehn Gängen und hydraulischen Scheibenbremsen. Ihr Gewicht liegt bei 22 Kilogramm. Etwas leichter sind die 20 traditionellen Trekkingräder, die mit einer Elf-Gänge-Schaltung und ebenfalls hydraulischen Bremsen ausgestattet sind. Sie sind mehr als fünf Kilogramm leichter und wiegen jeweils 17,6 Kilogramm. Die Kosten für die Beschaffung der Fahrräder beziffert die Behörde auf 33.000 Euro. Weitere 39.000 Euro mussten für die Bekleidung der 20 Kollegen der Fahrradstaffel ausgegeben werden.

Mit dieser Maßnahme geht Berlin einen Schritt weiter als beispielsweise Hamburg, Köln oder Münster, wo bereits Fahrradstreifen erfolgreich agieren. Denn das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Auf drei Jahre ist es bislang befristet. „Dann wird Bilanz gezogen und entschieden, ob die Fahrradstaffel weiter agiert oder eingestellt wird“, sagt Kandt. Doch in den drei Jahren des „Versuchslaufs“ soll ein Vergleich gezogen werden zwischen dem Bezirk Mitte, wo die Staffel im Einsatz ist, und dem Bezirk Neukölln ohne radfahrende Beamte.

Im Mittelpunkt stehen hierbei die Entwicklung der Unfallzahlen, das Verhalten der Radfahrer, aber auch das der Autofahrer und der Fußgänger und deren Selbsteinschätzung. Die meisten Unfälle mit Radfahrern geschehen beim Rechtsabbiegen der Autos, wenn Radfahrer gegen die Fahrtrichtung fahren oder auch wenn die Vorfahrt nicht beachtet wird.

In Berlin ereigneten sich im vergangenen Jahr 6952 Unfälle mit Radfahrern. Dabei wurden 4307 Radfahrer leicht verletzt. 580 Radfahrer erlitten schwere Verletzungen, neun wurden getötet. Die Polizei müsse auch auf die Verdoppelung des Radfahrverkehrs in den letzten zehn Jahren reagieren, sagte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD). Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) sprach von „Prävention und Repression“ angesichts von 3,9 Millionen Ordnungswidrigkeiten, die jährlich in Berlin geahndet werden.

„Wir wollen auch das Sicherheitsgefühl der Fußgänger gegenüber rüpelhaften Radfahrern verstärken.“ Renitente Radfahrer zu ermahnen oder gar zu verfolgen, gehörte bislang zu den weniger beliebten und erfolgreichen Aufgaben von Polizisten. Der Vertreter der Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, stellte fest, dass 54 Prozent der Unfälle von Radfahrern mitverursacht werden. Mit einer wissenschaftlichen Untersuchung wolle man den Einsatz der polizeilichen Fahrradstaffel genauer analysieren.

Bereits in dieser Woche werden die Teams der Fahrradstaffel an ausgewählten Kreuzungen im Einsatz sein. So könnte beispielsweise ein Schwerpunkt der Kontrollen die Kreuzung Grunerstraße/Ecke Karl-Max-Allee sein. Dort ist das Rechtsabbiegen für Autofahrer während einer Grünphase der Ampel kaum möglich. Die Zahl der Radfahrer in Richtung Prenzlauer Berg scheint unendlich. Das Gefahrenpotenzial ist groß.