WM-Finale 2014

Deutschland ist Weltmeister 2014 - Berlin feiert

Deutschland schlägt Argentinien bei der Fußball-WM 2014 1:0 und erobert den vierten Stern. Der Treffer fiel durch Mario Götze in der Verlängerung. In Berlin feiern die Fans. Das Minutenprotokoll.

Foto: Getty Images

Unbeschreibliche Freudenschreie, Massenumarmungen, Luftsprünge und bengalische Feuer – für die Fans auf der Berliner Fanmeile gab es um 23.38 Uhr kein Halten mehr. Deutschland ist nach 24 Jahren wieder Fußball-Weltmeister.

Fußballfans in Berlin haben am Montag bis zum Morgengrauen Deutschlands vierten Weltmeister-Titel gefeiert.

Bei der langen Feier des siegreichen WM-Endspiels auf der Berliner Fanmeile musste das Rote Kreuz (DRK) rund 550 Mal kranken oder verletzten Feiernden helfen. 43 Menschen wurden von den Sanitätern in Krankenhäuser gebracht, wie der Sprecher Rüdiger Kunz am Montag sagte.

In 506 Fällen versorgten die Helfer kleinere Verletzungen direkt in den Sanitätsstationen auf der Fanmeile. Am häufigsten gab es Schnittwunden, kleinere Fußverletzungen wie Quetschungen und Zusammenbrüche nach zu viel Alkohol. Bei den vorherigen Spielen lag die Zahl der Einsätze zum Teil deutlich unter denen vom Endspiel.

Insgesamt zog das Deutsche Rote Kreuz eine erste positive Bilanz der Fanmeile. „Es gab schon Weltmeisterschaften, die für uns schwieriger waren“, sagte Kunz. Früher habe es mehr schwere Verletzungen gegeben. Inzwischen kontrollierten die Ordner wohl schärfer. Aggressive Besucher und gefährliche Gegenstände würden nicht auf die Fanmeile gelassen.

Autokorso und Feuerwerk in der City West

Die ganze Stadt war eine Partyzone. Den traditionell größten Autokorso gab es in der City West. Besonders viele Fans waren auch am Potsdamer Platz, in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg, rund um die Spandauer Zitadelle und im Stadion des Fußballzweitligisten 1. FC Union Köpenick.

Es gab nach Angaben der Berliner Polizei aber auch in vielen anderen Stadtteilen kleinere Autokorsos mit Hupkonzerten und Böllern. Es blieb fast überall friedlich. In der Stadt waren mehr als 1000 Polizisten im Einsatz.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat der deutschen Nationalmannschaft zu ihrem Sieg gratuliert. „Berlin jubelt über den Weltmeistertitel der deutschen Elf. Mein Glückwunsch gilt einer deutschen Mannschaft, die den Titel verdient gewonnen hat“, teilte Wowereit am Montag mit.

„Berlin freut sich auf den morgigen Auftritt der Weltmeistermannschaft auf der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor.“ Dort werden sich die Spieler in das Gästebuch von Berlin eintragen. Voraussichtlich empfängt Wowereit die Mannschaft auch selber auf der Fanmeile. Offiziell bestätigt wurde das noch nicht.

Kaum Zwischenfälle auf der Fanmeile

Am Kurfürstendamm, wo etwa 15.000 Fans feierten, wurde ein Polizist durch einen Flaschenwurf leicht verletzt. Verkehrsunfälle gab es trotz hunderter Autos nicht. Auch auf der Fanmeile, wo mehr als 250.000 Fans feierten, gab es kaum Zwischenfälle.

Die Polizei musste lediglich bei einigen kleineren Auseinandersetzungen schlichtend eingreifen. In ihrer Begeisterung kletterten vereinzelt Fans auf U-Bahndächer. Auch dies ging aber glimpflich ab.

Randale gab es wieder einmal in der Rigaer Straße in Friedrichshain. Dort wurden Gegenstände auf der Fahrbahn angezündet. Zwei Polizisten wurden leicht verletzt, einer der mutmaßlichen Täter wurde festgenommen.

Auch Berlins „größtes WM-Wohnzimmer“ – das Stadion des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin in Köpenick – rastete nach dem Tor von Mario Götze in der 113. Minute aus. Viele sprangen auf ihre Sofas und rissen begeistert die Arme hoch. Sofakissen flogen in die Luft, Deutschlandfahnen werden geschwenkt, die Nationalhymne gesungen und fast das ganze Stadion brüllte „Sieg“.

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Dabei hatten die Fans zuvor eine Achterbahn der Gefühle durchlitten, begleitet von echtem Aprilwetter mit einem Mix aus Sonne und heftigen Regenschauern – alles andere als ein Sommermärchen und vor allem ein Geduldspiel. Mehr als 250.000 Fußballbegeisterte waren zur Berliner Fanmeile gekommen, um erhofft den vierten Weltmeistertitel einer deutschen Nationalmannschaft feiern zu können. Das WM-Endspiel zwischen Deutschen und Argentinien ließ sie allerdings, im Zusammenspiel mit dem kühlen Regen, mehr zittern als jubeln.

Deutschlands längste Open-Air-Meile auf der Straße des 17. Juni ist 1200 Meter lang und 48.000 Quadratmeter groß. Trotzdem reichte der Platz am Sonntag nicht für alle, die kommen wollten. Der Andrang war so groß, dass die Veranstalter mehr als zwei Stunden vor Spielbeginn um 21 Uhr die Zugänge schlossen. Zehntausende Wartende mussten sich einen anderen Ort zum Fußballschauen suchen.

Diejenigen, die es auf die Fanmeile geschafft hatten, mussten stundenlang im Regen auf den Anpfiff warten. Besonders vor dem Hauptbildschirm am Brandenburger Tor drängten sich so viele Menschen, dass schon der Gang zum nächsten Verkaufsstand einer langen, beschwerlichen Reise glich.

So wird der Titelgewinn im Netz gefeiert

Deutsche Nationalfarben allgegenwärtig

Flaggen, Hüte, Perücken, Halsketten, Körperteile – die deutschen Nationalfarben waren allgegenwärtig. Die Fanmeile war wieder ein Meer in Schwarz-Rot-Gold. Fast keiner hielt zu den Argentiniern. Der in Berlin lebende Jordanier Rabi, der mit seiner deutschen Frau und zwei kleinen Kindern vor einem von insgesamt elf Bildschirmen stand, war einer der wenigen Besucher im Argentinien-Trikot. Er sei Argentinien-Fan, seitdem er Diego Maradona nach dem gegen Deutschland verlorenen WM-Finale 1990 weinen gesehen hatte, erzählte er.

Kathrin, Kerstin, Stefanie und Roxanna aus der Nordrhein-Westfälischen Kleinstadt Dorsten waren um 4.00 Uhr losgefahren, um möglichst früh in Berlin zu sein. Sie mussten noch in der Nacht zurück und am Montag um 8.00 Uhr arbeiten. „Ist ja nur alle vier Jahre, muss man sich gönnen“, sagte Kathrin (26) fröhlich.

Das spektakuläre Public Viewing in der Kultstätte des 1. FC Union war auf eine ungewöhnlich hohe Resonanz gestoßen. In den vier WM-Wochen waren mehr als 180 000 Besucher in die „Alte Försterei“ in Berlin-Köpenick gekommen. Selbst Gäste aus San Francisco und Brasilien nahmen auf den Sofas Platz. Via Twitter und Facebook hatten sich die Bilder von der ungewöhnlichen WM-Atmosphäre vor dem riesigen 700 Zoll-Bildschirm und den 3500 Quadratmetern Wohnzimmer-Tapete in Berlin auf allen Kontinenten verbreitet.

Innensenator Henkel gratuliert der Löw-Elf

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat den Deutschen zum Titel gratuliert. Das Team habe eine „überragenden Leistung“ gezeigt, erklärte Henkel in der Nacht zu Montag. „Ich freue mich auf einen gebührenden Empfang des neuen sympathischen Weltmeisters am Dienstag auf der Fanmeile am Brandenburger Tor.“

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