Libysche Botschaft

Motiv der Selbstverbrennung sind Revolutionskämpfe in Libyen

Vor der libyschen Botschaft in Berlin hat sich ein 25-Jähriger verbrennen wollen. Hintergrund ist ein Streit um Versorgungsansprüche des Ex-Rebellenkämpfers. Der Tunesier schwebt in Lebensgefahr.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Dramatischer Zwischenfall in Dahlem: Ein 25 Jahre alter Tunesier hat sich am Freitagvormittag vor der libyschen Botschaft mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet.

Er schwebt in Lebensgefahr. Sein Motiv: Er hatte an den revolutionären Kämpfen Libyens teilgenommen und erwartete nun Geldzahlungen, die er nicht bekam.

Gegen 11 Uhr war der Mann an dem Botschaftsgebäude an der Podbielskiallee erschienen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hatte das Sicherheitspersonal sofort die Polizei informiert, weil der 25-Jährige bereits am Mittwoch dort erschienen war und Streit gesucht hatte.

Ohne Forderungen zu stellen, zückte er plötzlich eine Flasche mit Lampenöl, übergoss seine Oberbekleidung und zündete sich an. Dann lief er quer über die Fahrbahn und blieb auf dem gegenüberliegenden Fußgängerweg liegen.

Zwei Mitarbeiter des Sicherheitspersonals der Botschaft liefen dem in Flammen stehenden Mann nach und rissen ihm die Kleidung vom Körper. Zeitgleich traf die alarmierte Funkwagenbesatzung ein, warf eine Decke über den Mann und erstickte so die Flammen.

50 Prozent der Haut des Tunesiers verbrannt

Eine wenige Minuten später eintreffende Notarztwagenbesatzung der Feuerwehr versorgte den schwer verletzten Mann, bis ein Rettungshubschrauber eintraf und ihn ins Unfallkrankenhaus Berlin flog. Die Ärzte dort stellten fest, dass mindestens 50 Prozent der Haut des Tunesiers verbrannt sind. Er schwebt in akuter Lebensgefahr, weil er die durch den Brand verursachten Gase eingeatmet hat.

Ob er die kommenden Tage überstehen wird, ist unklar. Intensive Ermittlungen der Polizei ergaben bereits am Nachmittag, dass der junge Mann tatsächlich in Libyen an der Seite der Rebellen gekämpft hatte. Deshalb sah er wohl die offizielle Vertretung des Landes in der Pflicht, ihm Geld für medizinische Versorgung, Essen und Unterkunft in Deutschland zu geben.

Als ihm dies verwehrt wurde, griff er zu diesem drastischen Mittel. Seit wann der Tunesier in Berlin lebt, ist noch unklar. Die Ermittlungen dauern noch an.