Prozessauftakt

Berliner bestreitet vor Gericht Attacke auf Schiedsrichter

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43-Jährigen vor, als Zuschauer mit sechs weiteren Personen den Schiedsrichter bei einem Jugend-Fußballspiel geschlagen und getreten zu haben.

Fußball ist das Thema dieser Tage. Und um Fußball ging es am Donnerstag auch im Moabiter Kriminalgericht. Allerdings nicht um die WM in Brasilien, sondern um ein Kreisligaspiel der A-Jugend am 21. April 2012 im Friedrich-Ebert-Stadion in Tempelhof. Angetreten waren damals die Vereine S.D. Croatia und Cimbria Trabzonspor. Und weil der offizielle Unparteiische nicht erschien, übernahm diesen Part der 43-jährige Read I. Er ist Vater eines der Jungen, die für Trabzonspor spielten.

Der Libanese ist nun wegen Körperverletzung angeklagt. Vor Gericht berichtet er, dass er das Spiel nur in den ersten Minuten geleitet habe. Weil er jedoch ständig von den Croatia-Anhängern angepöbelt worden sei, habe er die Pfeife dem Trainer der gegnerischen Mannschaft zugeworfen – dem 36-jährigen Mario J. Fortan leitete dieser das Spiel.

Die Gemüter waren zu diesem Zeitpunkt bereits sehr erhitzt. Das steigerte sich, als es auf dem Platz nach einem Freistoß zu einem handfesten Streit zwischen zwei Freizeitkickern kam. Ein Croatia-Spieler war gefoult worden und hatte danach dem Gegner den Ball – angeblich versehentlich - gegen den Kopf geschossen. Mario J. versuchte, zu deeskalieren. Jedoch vergeblich. Den Ermittlungen zufolge stürmte Read I. auf das Spielfeld, packte Mario J. am Hals und leitete so einen Angriff ein, der dazu führte, dass der Aushilfsschiedsrichter von mehreren Personen geschlagen und getreten wurde. Ein unbekannt gebliebener junger Mann stach Mario J. gar mit einem Messer in die Brust und verletzte die Lunge.

Read I. bestreitet, Mario J. körperlich attackiert zu haben: „Ich habe den Mann nie angefasst.“ Das Opfer und mehrere Zeugen bestätigen jedoch die Anklage. Mario J., so scheint es, ärgert vor allem, dass Trabzonspor damals geschummelt haben soll. Bei der A-Jugend dürfen die Spieler nicht älter als 16 Jahre alt sein, sagt er. Trabzonspor, das habe sich nach der Schlägerei bei einer polizeilichen Kontrolle ergeben, habe für das Spiel jedoch heimlich 19- und 20-Jährige aufgestellt. „Das ist Betrug!“

Der Prozess wird fortgesetzt.