WM-Finale

7:1 - Berlin feiert das Wunder von Belo Horizonte

Deutschland im WM-Finale: Mit einem Kantersieg gegen Brasilien zieht das DFB-Team in das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 ein. Berlin jubelt auf der Fanmeile. Der Abend im Minutenprotokoll.

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Belo Horizonte – Immer wieder hallte ein „Ole“ durch das Stadion. Bei jedem Pass, der in der Schlussphase des ersten Halbfinales gespielt wurde – von der deutschen Mannschaft. Gegen Brasilien, den Gastgeber. Es gab Ovationen für das Team von Bundestrainer Joachim Löw angesichts des geschichtsträchtigen Spiels, das sie im Estadio Mineirao von Belo Horizonte ablieferte. 7:1 (5:0) gewann die DFB-Elf. 7:1! Nach einem unfassbaren Halbfinale steht das deutsche Team am Sonntag im Maracana in Rio (21 Uhr) zum achten Mal in einem WM-Finale.

„Wir haben versucht, den Emotionen der Brasilianer mit Ruhe und Beharrlichkeit zu begegnen. Das ist uns gelungen“, sagte der Bundestrainer: „Nach den ersten Toren war Brasilien natürlich geschockt. Wir müssen jetzt schauen, trotz allem auf dem Boden zu bleiben.“ Brasiliens Torwart Julio Cesar, den Tränen nah, konnte es „nicht erklären. Es ist schwer. Die Deutschen haben Stärke bewiesen. Wir sind nach dem ersten Tor zusammengebrochen“.

Jeder Schuss ein Treffer - Das Video von der Berliner Fanmeile

Löw verzichtete auf Überraschungen

Dass dieser 8. Juli ein Tag von historischer Bedeutung werden würde, war schon vor dem Anpfiff klar. Denn: Am 8. Juli 1982 besiegte Deutschland im WM-Halbfinale Frankreich mit 5:4 im Elfmeterschießen. Am 8. Juli 1990 wurde Deutschland nach dem 1:0 gegen Argentinien Weltmeister. Und nun eben dieser 8. Juli 2014, an den Deutsche Fans wohl noch sehr viel länger zurückdenken werden.

Dem Anlass entsprechend verzichtete Joachim Löw, anthrazitfarbige Hose, schwarzes Hemd, erstmals bei dieser WM auf Überraschungen in der Startelf. Getreu Konrad Adenauers Motto hieß es auch für den Bundestrainer in Belo Horizonte: Bloß keine Experimente. Genau wie bereits beim erfolgreichen Viertelfinale gegen Frankreich lief Philipp Lahm als rechter Außenverteidiger auf Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger sollten das defensive Mittelfeld ordnen, und für die Abteilung Attacke war Miroslav Klose zuständig. Und schnell war klar: Es war eine deutsche Startelf, die Fußballgeschichte schreiben sollte.

Deutsche Fußball-Demonstration

Denn trotz eines zunächst fanatischen Publikums ganz in Gelb war es von der ersten Minute an eine deutsche Fußballdemonstration, wie es sie bei Weltmeisterschaften noch nie gegeben hat. Ganze zehn Minuten lang ließ die DFB-Auswahl die Selecao auf Augenhöhe mitspielen, ehe Löws Mannschaft Ernst machte. Eine Ecke des überragenden Toni Kroos verwandelte Müller direkt (11.). Sein fünfter Turniertreffer, sein zehntes WM-Tor – und der Anfang vom Ende Brasiliens.

Müllers Führungstreffer wirkte auf den Gastgeber schlimmer als der nationale Schock um den Ausfall von Superstar Neymar, der an allen Ecken und Enden fehlte. Tagelang hatte das ganze Land über den Bruch seines Lendenwirbels getrauert – nach wenigen Minuten wusste jeder im Stadion warum.

So waren gerade mal 23 Minuten absolviert, ehe das Spiel fast schon entschieden war. Erneut war es Kroos, der nach diesem Spiel sicherlich für mehr als die kolportieren 30 Millionen Euro von Bayern zu Real Madrid wechseln wird, der den nächsten Treffer initiierte. Seine Vorarbeit legte Müller geschickt auf Klose ab, der im zweiten Anlauf auf 2:0 erhöhte. Ein historischer Treffer, der Brasilien doppelt weh tat. Denn mit seinem 16. WM-Treffer überholte der Wahl-Römer in der ewigen Torjägerliste den Brasilianer Ronaldo.

Alle Dämme gebrochen

Von nun an waren in Brasiliens so hochgelobter Abwehr, in der Bayerns Dante für den Gelb-gesperrten Thiago Silva „verteidigte“, alle Dämme gebrochen. Nur zwei Minuten später war es Kroos höchstpersönlich, der allerletzte Zweifel ausräumte und aus 16 Metern zum 3:0 vollendete (25.). Und weil es so schön war, erhöhte der beste Mann auf dem Platz nur Sekunden später zum 4:0 (26.). Nie hat eine deutsche Mannschaft besseren Fußball zelebriert.

Doch die beste halbe Stunde der deutschen Fußballgeschichte war noch immer nicht vorbei. Gerade mal vier Minuten später passte Khedira überlegt zum endlich starken Mesut Özil, der spielte zurück – der Rest war für Khedira nur noch Formarbeit. 5:0 zur Pause in einem WM-Halbfinale – so etwas hat es noch nicht gegeben. Mit einem gellenden Pfeifkonzert schickten die ansonsten überaus fairen Anhänger ihre Selecao in die Pause. Die wenigen mitgereisten Fans aus Deutschland konnten ihr Glück dagegen kaum glauben, sangen laut „Oh, wie ist das schön“.

Brasilien startete mit dem Mut der Verzweiflung in die zweite Halbzeit. Nein, so wollte man sich nicht vor den eigenen Fans ergeben. Doch erst in der 90. Minute musste sich Manuel Neuer durch Oscar geschlagen geben. Zu diesem Zeitpunkt hatte der eingewechselte Andre Schürrle mit zwei Toren längst auf 7:0 erhöht.