Spezialfahrzeuge

Hier arbeitet die Bahn schon im Sommer für den Winter

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Raimon Klein

Foto: Sergej Glanze (3) / Glanze

In einer 5000 Quadratmeter großen Halle in Berlin-Grunewald werden Schneepflüge, Rettungs- und Staubsaugerzüge der Deutschen Bahn instand gehalten. Schon jetzt denken die Mitarbeiter an den Winter.

Auch im Sommer bei Temperaturen von 30 Grad denkt Hagen Wegner bereits an den Winter. „Wir sind jetzt schon dabei, unsere Fahrzeuge winterfest zu machen, da sie bis zum 30. Oktober 2014 einsatzbereit sein müssen“, sagt der Werkstattleiter für Maschinen- und Fahrzeuginstandhaltung der Deutschen Bahn.

Im nordöstlichen Zipfel von Berlin-Grunewald steht die mehr als 5000 Quadratmeter große Werkhalle der „DB Netz AG Maschinenpool“, in der Schneepflüge, Rettungszüge und Staubsaugerzüge von 25 Mitarbeitern instand gehalten werden.

Die Reparatur solcher Spezialfahrzeuge wird deutschlandweit an nur fünf Standorten durchgeführt – außer in Berlin noch in Nürnberg, Karlsruhe, Hannover und Duisburg.

Aktuell werden in Grunewald mehrere Schneepflüge nicht nur repariert, sondern auch einer sogenannten Revision unterzogen. „Neben den kontinuierlichen Instandsetzungen müssen unsere Fahrzeuge alle acht Jahre zur Revision, sodass sie weitere acht Jahre ohne größere Ausfälle durchhalten“, sagt Werkstattleiter Wegner.

Eine Revision verschlingt 80.000 Euro

Bei den Schneepflügen werden dabei unter anderem alle Funktionen überprüft sowie Motoren, Zylinder, Bremsen, Drehgestelle, Druckluftschläuche und die Farbe erneuert. Während eine normale Reparatur ungefähr eine Woche dauert und etwa 20.000 Euro kostet, nimmt eine Revision 30 bis 70 Tage in Anspruch und verschlingt rund 80.000 Euro.

Im Großraum Berlin sind zwei Fahrzeuge mit leichter Schneeräumungstechnik und fünf Schneepflüge im winterlichen Einsatz. Das hört sich für den leidgeplagten Berliner S-Bahn-Reisenden vielleicht zunächst nach nicht sehr viel an, zumal die öffentlichen Verkehrsbetriebe beinahe alljährlich mit defekten Schienen und Zugausfällen infolge von Schnee und Eis zu kämpfen haben.

Laut Hagen Wegner müssen die Räumfahrzeuge in einem durchschnittlichen Winter jedoch nur vier bis fünf Mal ausrücken – die wuchtigen Maschinen werden nämlich erst ab einer Schneehöhe von 40 Zentimetern eingesetzt und schieben den Schnee dann mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde von der Strecke.

Müll und Dreck als ganzjähriges Problem

Ein ganzjähriges Problem ist Müll und Dreck auf dem Gleisbett. Vor allem an den größeren Haltestellen landen Flaschen, Zigarettenkippen und Verpackungen häufig auf dem Gleisbett. Bis vor etwa 15 Jahren musste der Unrat noch per Hand aufgesammelt werden. Mittlerweile übernimmt das praktischerweise ein Staubsaugerzug. „Ein riesiger Staubsauger bürstet über die Schienen und saugt den Müll per Unterdruckgebläse aus dem Gleisbett“, erklärt Wegner den Vorgang. Der Staubsaugerzug wiegt 20 Tonnen und kann rund sechs Kubikmeter Müll in seinem Inneren aufnehmen.

Wie alle Züge der S-Bahn wird die Maschine mit Strom betrieben, der über eine seitliche Schiene aufgenommen wird. Eines dieser raren Exemplare befindet sich in der DB Werkstatt zurzeit in Revision. Nach viermonatiger Instandsetzung soll der Staubsaugerzug im August seinen Betrieb wieder aufnehmen. Laut Werkstattleiter Wegner wird das Spezialfahrzeug mindestens 200 Mal pro Jahr die Gleise säubern, allein schon damit sich der Einsatz rechne.

Rettungszüge müssen binnen Minuten abfahrbereit sein

Ein weiteres Spezialfahrzeug, das in der DB Werkstatt gewartet wird, sind die Rettungszüge. Diese setzen sich jeweils aus einem Gerätewagen, einem Löschmittelwagen, einem Sanitätswagen und zwei Transportwagen zusammen. Die Rettungszüge sind auf dem gesamten Schienennetz der Deutschen Bahn an strategischen Punkten stationiert und warten in den Bahnhöfen Hildesheim, Kassel, Fulda, Würzburg, Mannheim und Stuttgart darauf, jederzeit einen Rettungseinsatz durchführen zu können. Die Lokführer der Rettungszüge sind an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden in Bereitschaft und müssen im Notfall wie bei einem Tunnelunglück in wenigen Minuten abfahrbereit sein.

In der DB Werkstatt sind zwei Mitarbeiter gerade dabei, das Drehgestell eines Löschmittelwagens zu warten. Das Spezialfahrzeug enthält 20.000 Liter Wasser und 1000 Liter Schaummittel sowie zwei stationäre Pumpen mit einer Leistung von 1600 Litern pro Minute. Darüber hinaus werden auf dem Löschmittelwagen 100 Krankentragen sowie zwei Gleisloren zum Transport von Ausrüstung und Material an der Einsatzstelle mitgeführt. Zwei Reihen weiter wartet ein Sanitätswagen noch auf seine Reparatur. Es ist noch einiges zu tun.