Straßenbeleuchtung

3300 Gasleuchten bleiben dem Berliner Nachtleben erhalten

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Laura Réthy

Foto: Amin Akhtar

Das berlinweite Projekt zur Umrüstung der alten Gaslaternen hat in Neukölln begonnen. Die 2,9 Millionen Euro teure Modernisierung ist Teil des Lichtkonzepts, das der Senat 2011 entwickelt hatte.

Ganz so eindrucksvoll wie vor anderthalb Jahren in der Kreuzberger Falckensteinstraße war die Demonstration nicht. Damals war es dunkel, an diesem Tag ist es hell. Und im abgedunkelten Raum im Nachbarschaftsheim Neukölln konnte auf die Schnelle kein Gas bereitgestellt werden. Doch auch so war zu erkennen – dass nichts zu erkennen war. Zumindest für das Auge des Laien sieht die alte, mit Gas betriebene Leuchte fast so aus wie die auf Leuchtdioden oder LED umgerüstete.

Während die Stadt noch mit der Umrüstung der 2250 von ursprünglich 8000 sogenannten Gasreihenleuchten beschäftigt ist, will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt schon das nächste Kapitel aufschlagen: Die Umrüstung von Gasaufsatzleuchten. Sie bilden mit 30.700 die größte Gruppe der mit Gas betriebenen Laternen in Berlin.

In einem Gebiet in Neukölln, eingerahmt durch die Flughafenstraße im Norden, die Karl-Marx-Straße im Osten und das Tempelhofer Feld im Westen, werden bis Mai kommenden Jahres insgesamt 700 sogenannte Gasaufsatzleuchten aus den 30er-Jahren umgerüstet. Christian Gaebler (SPD), Staatssekretär für Verkehr und Umwelt, stellte das Projekt am Donnerstag vor.

Die 2,9 Millionen Euro teure Umrüstung, die von der EU und dem Bundesumweltministerium mit einer Million Euro gefördert wird, ist Teil des Lichtkonzepts, das der Senat 2011 entwickelt hat und dessen Ziel neben einer Kostenreduzierung auch eine Reduzierung der CO2-Emissionen ist. Bis 2020 strebt der Senat bei der Beleuchtung eine Einsparung von 30 bis 50 Prozent an.

Diskussion schwelt seit Jahren

Das Projekt in Neukölln soll ein nächster Schritt in diese Richtung sein. Verbraucht eine Gasaufsatzleuchte im Jahr 4469 Kilowattstunden Energie, sind es bei LED nur 100 Kilowattstunden. Der Senat spricht von einer Reduktion der CO2-Emission um jährlich rund 500 Tonnen. Jutta Matuschek von der Linken hält das allerdings für vorgeschobene Argumente. „Der Anteil, den alle Gaslaternen am gesamten Berliner CO2-Austausch haben, liegt unter einem Prozent“, sagt sie.

„Meiner Meinung nach will man hier ein riesiges Investitionsprogramm zugunsten einer bestimmten Branche aufbauen.“ Statt die Gaslaternen umzurüsten, solle der Senat besser in Wärmedämmung investieren, so Matuschek. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Berlin begrüßt die Umrüstung dagegen: „Ein Vergleich des jährlichen Energieverbrauchs von Gasaufsatzleuchte zu LED-Leuchte zeigt schon: Es lohnt sich. Monetär und klimapolitisch“, sagt Naturschutzreferent Herbert Lohner. „Nicht zuletzt wird hier gezeigt, dass moderne Technik und der Erhalt der historischen Lampenformen zusammengehen.“

Die Diskussion um den Erhalt der historischen Laternen schwelt schon seit Jahren. Bürgerinitiativen haben sich gegründet, feuilletonistische Artikel werden dem Thema gewidmet. Auch Christian Gaebler kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Das Feuilleton darf ja alles jenseits von Fakten formulieren.“ Doch er erzählt auch, dass der gefühlte und der tatsächliche Widerstand gegen die Umrüstung weit auseinanderlägen. Die Leute kämen auf ihn zu und fragten sogar, wann bei ihnen umgerüstet werde.

Wirtschaftlich lassen sich die Auswirkungen der bisherigen Umrüstungen schon in Zahlen ausdrücken: Im Jahr 2013 fiel die Gasrechnung des Landes Berlin um eine Million Euro niedriger aus als noch im Jahr zuvor. Dem gegenüber standen Stromkosten in Höhe von 24.000 Euro. „Bei allem Verständnis für die Tradition muss man auch zu zukunftsgerechten Lösungen kommen“, sagt Christian Gaebler. Für die Liebhaber der Tradition gibt es nun aber einen Kompromiss: 7,5 Prozent statt der ursprünglich einmal vorgesehenen fünf Prozent der Gaslaternen werden auch weiterhin betrieben. Das sind im ganzen Berliner Stadtgebiet insgesamt 3300 Lampen.