Prozess in Berlin

21-Jähriger gesteht brutale Attacke mit Baseballschläger

Vor einem Berliner Gericht will sich Christian M. an Details seiner fremdenfeindlichen Attacke nicht erinnern. Nun könnte er zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt werden.

Yamal Ö. ist auch heute noch erregt, wenn er an die Nacht des 24. Juni 2013 denkt. Der 52-Jährige kam gegen 1.45 Uhr von der Arbeit, ging auf der Schnellerstraße im Ortsteil Niederschöneweide und verspürte plötzlich einen heftigen Schlag am Hinterkopf. Als er sich umdrehte, bekam er einen zweiten Schlag. Er erkannte jetzt auch die Waffe: einen Baseballschläger.

Der Täter muss sich seit Donnerstag vor einem Moabiter Jugendschöffengericht verantworten. Christian M. steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Der 21-Jährige gibt die Attacke auf den ihm unbekannten Yamal Ö. zu. Er habe damals „Frust mit der Freundin“ gehabt, so der Angeklagte. Deswegen sei er in jener Nacht mit dem Baseballschläger losgezogen – wie stets bei seinen Straftaten angetrunken. Und wie stets vor Gericht mit Erinnerungslücken, wenn es darum geht, die Tat zu beschreiben.

„Ich weiß nur noch, dass ich einem Mann von hinten den Baseballschläger über den Kopf gezogen habe. Es hätte jeden treffen können“, sagt er. Nach der Festnahme unmittelbar nach der Tat hatte er es bei der Polizei noch etwas anders geschildert: „Der Mann sah aus wie ein Südländer, türkenmäßig.“ Und er hatte geschimpft: „Hier kann man sich kaum noch frei bewegen, hier herrschen bald Zustände wie in Neukölln oder Kreuzberg. Die Türken und Araber kommen mit Messer oder Schusswaffen, da fühlt man sich als echter Deutscher kaum noch wohl.“

Fremdenfeindliche Pöbeleien und Reizgas-Attacken

Auch bei einer zweiten Tat, die Christian M. mit einem drei Jahre älteren Mittäter beging, wurde seine Gesinnung deutlich. Der Vorfall ereignete sich am 8. Mai 2013 bei der Fahrt mit einer Straßenbahn im Ortsteil Karlshorst. Die beiden hörten Radio, sangen laut mit. Christian M. grölte mehrfach „Sieg Heil“. Als sie von einem genervten Fahrgast aufgefordert wurden, leiser zu sein, wurde er von ihnen attackiert.

Christian M. sprühte ihm Reizgas ins Gesicht und trat ihn. Der Mittäter schlug dem Fahrgast, der die Bahn verließ, den Ellenbogen ins Gesicht. Draußen soll er ihm eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen haben. Ein anderer Fahrgast, der sich einmischte und den Straßenbahnfahrer aufforderte, die Polizei zu alarmieren, wurde von Christian M. ebenfalls mit Reizgas besprüht.

Keine „schädlichen Neigungen“, keine „Schwere der Schulde“

Christian M. nimmt diese Aussagen fast belustigt zur Kenntnis und macht keine Anstalten, sich bei Yamal Ö. oder dem Fahrgast zu entschuldigen. Eine Jugendgerichtshelferin kann bei ihm keine schädlichen Neigungen und keine Schwere der Schuld entdecken.

Anders sieht es der Staatsanwalt. Er hält vor allem den Angriff auf Yamal Ö. für besonders verwerflich, spricht von einer „gravierenden Tat“, die „offenkundig aus Ausländerfeindlichkeit“ geschehen sei.

Christian M. soll eine Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten bekommen, sein Mittäter soll für anderthalb Jahre hinter Gitter. Das Urteil wird am 10. Juli erwartet.