Verurteilung

Tödlicher Sadomaso-Sex – Knapp vier Jahre Haft für Berliner

Abgetrennte Körperteile in Säcken, der Kopf des Opfers in einem Topf. Bei bizarren Sex-Praktiken kam ein Berliner ums Leben. Ein 45-Jähriger wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Foto: Soeren Stache / dpa

Nach dem Tod eines Bankangestellten bei gefährlichen Sexualpraktiken hat das Berliner Landgericht auch im zweiten Prozess auf eine verhältnismäßig milde Strafe entschieden.

Der 45 Jahre alte Angeklagte wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Damit blieben die Richter weit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die wegen Totschlags sechs Jahre und neun Monate Haft verlangt hatte.

„Er ist für den Tod verantwortlich, aber er wollte nicht, dass sein Sexualpartner stirbt“, begründete das Gericht am Donnerstag sein Urteil.

Vom Bundesgerichtshof (BGH) war eine erste Verurteilung zu drei Jahren und drei Monaten Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge aufgehoben worden.

Die Entscheidung sei kaum nachvollziehbar, kritisierte der BGH auf Revision der Anklage. Der Fall wurde an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. Diese kam nach sechswöchigem Prozess zu dem Ergebnis: „Das erste Urteil lag gar nicht so weit daneben.“ Es sei aber stärker die „schauderhafte, furchtbar gruselige“ Spurenbeseitigung durch den Angeklagten zu berücksichtigen. Dieser hatte die Leiche zerstückelt und den Kopf gekocht.

Der Bankangestellte und der frühere Handelsvertreter hatten sich über das Internet kennengelernt. Mehrfach trafen sie sich zu Sex mit bizarren Praktiken. Der Angeklagte hatte das 37 Jahre alte Opfer auf dessen Wunsch hin am 5. Januar 2012 in seiner Wohnung in Berlin-Marienfelde an ein Bettgestell gefesselt, ihm dann Mund und Nase verklebt. Der Mann habe seit längerem bei sadomasochistischen Sexualpraktiken zu Tode kommen wollen, sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte habe ihm diesen Wunsch zwar nicht erfüllen wollen, sich aber in höchstem Maße leichtfertig und grob fahrlässig verhalten.

Der Sexualpartner sei erstickt oder an einer Überdosis eines Schmerzmittels gestorben, hieß es im Prozess. Die Verteidiger hatten argumentiert, das Opfer habe den Tod gesucht und den Angeklagten als Werkzeug benutzt. Sie hatten auf Freispruch oder für den Fall eines Schuldspruchs auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert.

Ob die Prozessbeteiligten erneut Revision einlegen werden, ist noch offen.