Schleuser-Kriminalität

Pässe von Toten verkauft - Ermittlungen kommen nicht voran

In einem Bestattungsinstitut in Neukölln sind Dutzende Pässe beschlagnahmt worden. Mit solchen Ausweisen sollen Ausländer nach Deutschland geschleust worden sein. Doch die Ermittlungen stagnieren.

Foto: Steffen Pletl

Die Berliner Ermittlungen zum mutmaßlichen Handel mit Pässen von Toten stagnieren. Die Verdächtigen hätten Beschwerde gegen die Beschlagnahme von Computern, Handys und Dokumenten eingelegt, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. „Darüber muss erst gerichtlich entschieden werden.“ Die Auswertung könne beginnen, wenn das Gericht den Weg dafür freigebe.

Vor rund einem Monat waren in einem islamischen Bestattungsunternehmen an der Blaschkoallee im Neuköllner Ortsteil Rudow rund 50 Pässe von Verstorbenen beschlagnahmt worden. Ein 53 Jahre alter Bestatter soll mit Komplizen seit 2010 solche Dokumente für eine Einreise nach Deutschland an Schleuser im Ausland verkauft haben.

Das Bestattungsinstitut sei offenbar über ein Rundumangebot an die Hinterbliebenen in den Besitz der Pässe gekommen: Es habe angeboten, die gesamten Behördengänge in Zusammenhang mit dem Sterbefall zu erledigen, sagte ein Polizeisprecher nach der Durchsuchung.

Der 53-Jährige sowie drei weitere Verdächtige, die auf freiem Fuß sind, haben den Handel den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge bestritten. Haftbefehle waren nicht beantragt worden, da es keinen dringenden Tatverdacht gebe. Laut Staatsanwaltschaft sollen vor allem Personen aus dem familiären Umfeld der Verdächtigen auf diesem Wege aus Syrien nach Deutschland gekommen sein. Sie sollen den Inhabern der Pässe ähnlich sehen. Pro Schleusung sollen zwischen 2000 und 5000 Euro geflossen sein.

Bei der groß angelegten Razzia hatten Mitte Mai 120 Polizisten 19 Wohnungen und Büros in Berlin durchsucht. Zunächst hatten die Ermittler von einem Schlag gegen eine international operierende Schleuserbande gesprochen.