Nahverkehr

Betriebsrat greift Senat wegen drohendem S-Bahn-Chaos an

Der Betriebsrat der Berliner S-Bahn warnt vor einem Notbetrieb mit alten Zügen und Ausfällen ab 2017. Die Zeit für einen neuen Betreiber, Züge zu besorgen, ist schon jetzt zu knapp.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Die schleppende Neuvergabe des S-Bahn-Betriebs stößt bei den Arbeitnehmervertretern der Deutschen Bahn auf scharfe Kritik. „Es wäre nicht das erste Projekt in Berlin, was an Landespolitikern scheitert“, heißt es in einer Stellungnahme des Konzernbetriebsratsvorsitzenden Jens Schwarz. Angesichts neuerlicher Verzögerungen bei der Bestellung dringend benötigter Züge warnt der Gewerkschafter vor einem neuen S-Bahn-Chaos in der Bundeshauptstadt. „Leidtragende eines Versagens sind dann keinesfalls die Dienstwagennutzer des Berliner Senates.“

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der die Ausschreibung von einem Drittel des hauptstädtischen S-Bahn-Verkehrs im Auftrag der Länder organisiert, hat kürzlich die Angebotsfrist um vier Monate bis Ende Februar 2015 verlängert. Zur Begründung hieß es, die Bewerber – darunter die Deutsche Bahn und mehrere private Eisenbahnanbieter – würden mehr Zeit benötigen, um alle Anforderungen zu erfüllen. Die Vergabe des Milliardenauftrags wird nun frühestens im Sommer 2015 erwartet.

Erst 2023 werden alle neuen S-Bahn-Wagen ausgeliefert sein

Bahn-Betriebsratschefs Schwarz sieht hingegen die Verantwortung für die erneute Verzögerung beim Berliner Senat. „Das Vergabeverfahren für die Berliner S-Bahn ist so kompliziert gestaltet wie deutschlandweit kein anderes“, kritisiert er. Als Besteller eines Zugbetriebes könne man sich nicht von allen Risiken frei machen und dann noch dafür überzogene Forderungen stellen, so Schwarz weiter. Der Betriebsratsvorsitzende warnt vor einem Notbetrieb mit alten Zügen und Ausfällen ab Dezember 2017. Denn die Zeit für einen neuen Betreiber, sich Züge zu besorgen, ist schon jetzt zu knapp. Erst im August 2023 werden alle der knapp 400 benötigten neuen S-Bahn-Wagen ausgeliefert sein, so eine senatsinterne Prognose.

Das Konzept des VBB sieht vor, dass die S-Bahn Berlin GmbH als aktuelle Betreiberin die Lücke mit ihren Zügen bis zu sechs Jahre lang füllt. Die S-Bahn muss dafür allerdings die 150 Doppelwagen der Altbaureihen 480 und 485 technisch umrüsten. Bislang konnten sich der Senat und die Bahn-Tochter noch nicht auf einen dafür notwendigen Vertrag und die Übernahme der Kosten von bis zu 160 Millionen Euro einigen.