Drogenkriminalität

Polizei und Zoll zerschlagen Rauschgiftbande in Berlin

Eine Gruppe von vier Männern hatte allerlei Zutaten zum Herstellen von Amphetaminen aus Tschechien und den Niederlanden nach Berlin geschafft. Dann schlug die Ermittlungsgruppe Rauschgift zu.

Foto: Staatsanwaltschaft Berlin

Mit der Festnahme von vier Tatverdächtigen ist es Rauschgiftfahnder jetzt gelungen, eine international tätige Drogenschmugglerbande zu zerschlagen. Dabei konnten die Fahnder die Grundstoffe für 50 Kilogramm Amphetamin im Wert von 500.000 Euro und eine größere Menge Kokain beschlagnahmen. Die Ermittlungen der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) von Beamten des Landeskriminalamtes und der Zollfahndung Berlin-Brandenburg hatten bereits Ende 2012 begonnen. Den Männern im Alter von 22, 35, 39 und 60 Jahren wird der bandenmäßig organisierte Einfuhrschmuggel von Rauschgift zur Last gelegt. Am Mittwoch wurden Haftbefehle gegen die mutmaßlichen Täter verkündet, teilten Generalstaatsanwaltschaft, Polizei und Zollfahndung am Freitag mit. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, laufen die Ermittlungen weiter, um Komplizen der Bande zu identifizieren und deren Verkaufskanäle aufzudecken.

105 Kilogramm Apaan sicher gestellt

Der Zugriff auf die Tatverdächtigen, der in zwei Fällen von Spezialeinsatzkräften unterstützt wurde, erfolgte bereits am Dienstag in den frühen Morgenstunden. Die beiden Hauptbeschuldigten lebten zuletzt auf der spanischen Insel Mallorca und konnten in Charlottenburg gefasst werden. Einer von ihnen, der 39 Jahre alte Christopher R., ist nach Morgenpost-Informationen ein Mitglied der Hells Angels auf der Urlaubsinsel, er war in einem Charlottenburger Hotel abgestiegen. Seine drei Komplizen wurden in Steglitz, Charlottenburg und Kleinmachnow festgenommen.

Bei der richterlich verfügten Durchsuchung der Wohnungen der drei Komplizen und des Hotelzimmers stellten die Drogenfahnder insgesamt 105 Kilogramm Apaan sicher, ein Grundstoff für Amphetamin, der in Labors durch Zugabe von Schwefelsäure zur Herstellung der aufputschenden Droge verwendet wird. Außerdem wurden nach Polizeiangaben fast vier Liter Amphetaminbase in einem Kanister, 18 Kilogramm Koffein, schriftliche Unterlagen, Mobiltelefone und 180 Gramm Kokain mit einem Straßenverkaufswert von mehr als 5000 Euro beschlagnahmt.

Labor noch unentdeckt

„Die flüssige Amphetaminbase hätte durch die Beigabe anderer Chemikalien und typischer Streckmittel wie etwa Koffein ausgereicht, um 50 Kilogramm des Rauschgifts herzustellen“, sagte der Sprecher des Zollfahndungsamts, Norbert Scheithauer, am Freitag. Bei der handelsüblichen Straßenqualität von rund zehn Prozent Reinheitsgehalt wären dadurch 50.000 Konsumeinheiten mit einem Wert von einer halben Million Euro entstanden, so der Sprecher des Zolls.

Die Täter sollen arbeitsteilig ein professionell aufgezogenes Beschaffungs- und Vertriebsnetz mit Verbindungen in die Niederlande und nach Tschechien aufgebaut haben. Den umfangreichen Ermittlungsergebnissen zufolge sollen den Beschuldigten zudem fünf weitere Schmuggelgeschäfte gleichen Umfangs angelastet werden können, die auch in gleicher Art und Weise durchgeführt wurden. Wie die Strafverfolgungsbehörden weiter mitteilten, lege das Auffinden des Drogengrundstoffes Apaan nahe, dass die Tatverdächtigen auch die chemische Umwandlung von Apaan in Amphetamin betrieben haben dürften. Ein entsprechendes Labor wurde bislang indes nicht entdeckt.

Einer der mutmaßlichen Drogenbosse, der 39-jährige Christopher R., war vor mehr als 15 Jahren bereits als Hooligan in die weltweiten Schlagzeilen geraten. Er war nach Erkenntnissen der Polizei 1998 Mittäter bei dem schweren Übergriff auf den französischen Polizisten Daniel Nivel während der damaligen Fußball-Weltmeisterschaft im Nachbarland. Der Polizeibeamte war damals lebensgefährlich verletzt worden, er leidet noch heute unter schwersten bleibenden Gesundheitsschäden.