Christopher Street Day

Nach viel Streit steht das Programm für 36. Berliner CSD

Die Veranstalter wollen sich auf die Ursprünge des Christopher Street Day zurückbesinnen - und deutlich politischer werden. Insgesamt drei Paraden ziehen am Sonnabend durch die Stadt.

Foto: Massimo Rodari

Robert Kastl sagte es am Ende dann doch noch. Er sprach von „irgendeiner Namensdebatte“. Doch damit war das Thema erst einmal wieder erledigt. Es schien, als hätte der wochenlang auch öffentlich geführte Streit über die Namensänderung der CSD Parade in Stonewall Parade keine Spuren hinterlassen.

Bis die Frage nach den Zahlen kam. Da musste CSD-Vorstand Reinhard Thole doch zugeben: „Dieses Jahr ist ein schwieriges Jahr.“ Einige Wagen und Gruppen hätten sich zum Beispiel dem Aktionsbündnis angeschlossen, das sich in Folge des Streits gegründet hat und nun am Sonnabend eine parallele Parade veranstaltet. Außerdem liege die Summe des Sponsorengeldes unter der Summe des Vorjahres.

Doch das liegt nach Meinung Tholes nicht an der Namensdiskussion. Christopher Street Days aus ganz Deutschland würden von Schwierigkeiten berichten.

Trotz allen Streits: Das Programm und die Route stehen. Der Name auch, er ist geblieben. Die 36. Christopher Street Day Parade soll dafür politischer werden als in den Jahren zuvor. Nur nehmen in diesem Jahr keine Politiker der großen Parteien teil, da sie im Laufe der Streitereien abgesagt haben. „Aber nur, weil keine Politiker teilnehmen, sind wir nicht unpolitisch“, sagt Robert Kastl, Geschäftsführer des CSD. „Wir wollen die Gesellschaft auf der Bühne haben.“ Die Veranstalter wollen sich auf die Ursprünge des CSD rückbesinnen, als sich 1969 Homosexuelle in der New Yorker Bar „Stonewall“ gegen die Polizei zur Wehr setzten.

Vom Olivaer Platz zur CDU-Zentrale

Eröffnet wird die Parade am Olivaer Platz Ecke Kurfürstendamm in Charlottenburg von der nigerianischen Menschenrechtsaktivistin Dorothy Aken’Ova, dem britischen Aktivisten Peter Tatchell und von zehn Botschaftern – etwa aus Israel, Norwegen, Mexiko und Slowenien. Begleitet werden sie von 25 Dragqueens und -kings, die jeweils für ein Land stehen, in dem es mit den Rechten für Homosexuelle nicht gut steht.

Die Drags werden die Parade anführen, die gegen 12.30 Uhr über den Breitscheid- zum Wittenbergplatz zieht, weiter zum Nollendorfplatz in Schöneberg, zum Lützowplatz und von dort zur Klingelhöferstraße vor die CDU-Zentrale, wo die letzten Wagen gegen 16 Uhr erwartet werden.

Die parallel vom Aktionsbündnis CSD veranstaltete Parade startet um 12 Uhr mit einem Protest in der Axel-Springer-Straße in Mitte vor der Botschaft Ugandas. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wird diesen Zug eröffnen. Dann zieht die Parade über den Spittelmarkt und die Französische Straße zur Straße Unter den Linden. Weiter geht es über die Behrenstraße in die Wilhelmstraße, wo vor der russischen Botschaft demonstriert wird, und von dort zum Potsdamer Platz. Danach geht es zur Bülowstraße und endet in der Motzstraße Ecke Eisenacher Straße, wo die Abschlusskundgebung stattfinden wird.

Dritte Parade startet in Kreuzberg

Eine dritte Parade, der Kreuzberger CSD, startet am Sonnabend am Oranienplatz und endet direkt wieder am Heinrichplatz. Schon am Freitag gibt es einen ersten CSD-Zug, den Dyke March, der um 19.30 Uhr am U-Bahnhof Frankfurter Tor in Friedrichshain startet. Von dort ziehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Warschauer Brücke zum Schlesischen Tor, Schluss ist am Kottbusser Tor.

Das Finale der CSD Parade wird wieder von Bob Young organisiert. „Oft bekommen wir zu hören: Was soll das? Halb nackte, feiernde Menschen?“, sagt der Partyveranstalter. „Aber nur weil man feiert, heißt es nicht, dass es nicht politisch sein kann.“ Das Motto des CSD-Finales in diesem Jahr: Wir sind überall in der Gesellschaft. „Denn wir sind Nachbarn, Ärzte, Mütter und Familie“, erklärt Young.