Stonewall

Namensstreit wirkt sich auf Berliner CSD-Parade aus

Weniger Wagen, weniger Sponsorengelder – für den CSD-Verein ist dieses Jahr ein schwieriges. Dafür wollen die Veranstalter die schwul-lesbische Parade am Sonnabend politischer gestalten.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Der Streit um die Namensänderung der CSD-Parade in Stonewall-Parade wirkt sich auf den diesjährigen Umzug aus. „Dieses Jahr ist ein schwieriges Jahr“, sagte Reinhard Thole, Vorstand im CSD Verein am Mittwoch in Berlin. „Zum Beispiel machen einige Wagen und Gruppen beim Aktionsbündnis mit.“ Das Aktionsbündnis hatte sich aus Protest gegen die geplante aber nicht umgesetzte Namensänderung gegründet und veranstaltet am Sonnabend eine parallele Parade.

Thole sagte auch, insgesamt liege die Summe der Sponsorengelder etwas unter der Summe des Vorjahres. Doch das liege seiner Meinung nach nicht nur an der Namensdiskussion. Christopher Street Days aus ganz Deutschland würden von Schwierigkeiten berichten.

Der Geschäftsführer des Vereins, Robert Kastl, kann dem Streit jedoch auch etwas Positives abgewinnen. „Alle Anliegen der Communitiy bekommen dadurch natürlich viel mehr Aufmerksamkeit. Die Menschen fragen jetzt kritisch nach“, erklärte er und kündigte an, die Diskussion weiterführen zu wollen.

Politischer – ohne die großen Parteien

Der diesjährige Christopher Street Day, der am kommenden Sonnabend stattfindet, soll politischer werden als in den Jahren zuvor – obwohl alle großen Parteien ihre Teilnahme an der Parade abgesagt haben oder vom Verein ausgeladen wurden. „Aber nur weil keine Politiker teilnehmen, sind wir nicht unpolitisch“, sagte Robert Kastl, Geschäftsführer des CSD. „Wir wollen die Gesellschaft auf der Bühne haben.“

Eröffnet wird die Parade am Olivaer Platz mit Reden von zehn Botschaften, darunter die von Israel, Norwegen, den Vereinigten Staaten und Mexiko. Begleitet werden sie von 25 Dragqueens und -kings, die Solidarität mit den Ländern zeigen, in denen Schwule und Lesben keine Rechte haben.

Enden wird die Parade vor der CDU-Parteizentrale in der Klingelhöferstraße. Ob es Reaktionen gab? Reinhard Thole ist sich sicher: „Da gehen die Damen und Herren im Konrad-Adenauer-Haus ganz entspannt mit um.“