Gesundheit

Ärzte wollen Vivantes-Kliniken bestreiken - auch in Berlin

Das jüngste Angebot des Klinikkonzerns Vivantes reicht den Ärzten nicht aus. Sie fordern sechs Prozent mehr Geld und zusätzliche Gehaltsstufen. Kommende Woche treten sie dafür in den Streik.

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Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat angekündigt, dass es in der kommenden Woche zu Streiks in Krankenhäusern des Klinikkonzerns Vivantes kommt. Wann genau und welche der neun Berliner Vivantes-Kliniken bestreikt werden, wird nach Auskunft von Reiner Felsberg, dem Geschäftsführer des Marburger Bundes im Landesverband Berlin-Brandenburg, am Montag bekannt gegeben – wenn es bis dahin weiterhin keine Einigung gebe. Eine Notversorgung soll aber in jedem Fall gewährleistet sein, versichern beide Seiten, Vivantes und auch die Gewerkschaft der Ärzte. Dazu gehören auch Behandlungen mit Chemo- und Strahlentherapie sowie Dialysen. Hintergrund der Streikandrohung sind die Tarifverhandlungen für die 1800 Ärzte, die in den Berliner Vivantes-Krankenhäusern beschäftigt sind.

In einer Urabstimmung hatten sich im Mai 94 Prozent der Ärzte für Arbeitsniederlegungen ausgesprochen, nachdem die Tarifverhandlungen mit dem kommunalen Arbeitgeberverband nach fünf Verhandlungsrunden als gescheitert erklärt wurden.

Sechs Prozent mehr gefordert

Die Gewerkschaft hatte zu Beginn der Verhandlungen Anfang des Jahres für die etwa 1800 angestellten Vivantes-Ärzte sechs Prozent mehr Gehalt ab Januar 2014 sowie zusätzliche Gehaltsstufen für Ärzte in Weiterbildung vom sechsten Jahr an und für Fachärzte ab dem 13. Jahr fachärztlicher Tätigkeit gefordert. Nach der Urabstimmung wurden zwar weiter Sondierungsgespräche geführt. Doch eine Einigung gibt es noch immer nicht.

Das Unternehmen Vivantes ist der Ansicht, dass es in den Verhandlungen neben den Tarifsteigerungen auch auf die Forderung des Marburger Bundes nach Einführung zusätzlicher Gehaltsstufen ausreichend eingegangen ist. Vivantes sei dem Marburger Bund „erneut deutlich entgegengekommen“ und habe ein entsprechendes Angebot vorgelegt, das die Einführung dieser Stufen beinhaltet. Das zuletzt vorgelegte Angebot sah die Steigerung der Gehälter um 4,6 Prozent in zwei Schritten vor sowie die Einführung zusätzlicher Gehaltsstufen für Ärzte, die lange im Unternehmen sind. Für die Ärzte hätte das Angebot nach Auskunft von Vivantes inklusive der Zusatzstufen bedeutet: für einen Assistenzarzt nach sechsjähriger Tätigkeit 5135,46 Euro monatlich, für einen Facharzt nach zwölfjähriger Tätigkeit 6781,08 Euro, für einen Oberarzt nach sechsjähriger Tätigkeit 7308,29 Euro.

„Wir haben Gehaltserhöhungen bis zur Schmerzgrenze angeboten und zuletzt auch ein Angebot gemacht, das die Kernforderung des Marburger Bundes nach zusätzlichen Gehaltsstufen berücksichtigt. Das Gesamtvolumen des Paketes für die etwa 1800 Ärzte bei Vivantes befindet sich damit schon im zweistelligen Millionenbereich. Vivantes war und ist jederzeit gesprächsbereit, aber mehr als die bisherigen Angebote sind für den Konzern finanziell nicht tragbar. Ein Streik wird uns in den Verhandlungen nicht helfen, sondern nur die Patientenversorgung behindern“, sagte am Freitag Christian Friese, der Personalgeschäftsführer von Vivantes.

„Das ist zu wenig“

Der Marburger Bund lehnte jedoch auch das letzte Angebot als „unzureichend“ ab. „Die Erhöhung um 4,6 Prozent ist auf zwei Jahre angelegt, das erste Vierteljahr 2014 wird gar nicht berücksichtigt, sodass das Angebot insgesamt weiter unter vier Prozent ist, das ist zu wenig“, sagte Reiner Felsberg. Der Marburger Bund hätte es akzeptiert, so Felsberg weiter, wenn „für die langfristig Beschäftigten die Tätigkeit besser honoriert würde“.

Aber das Gesamtangebot sei auch in diesem Bereich in etwa vergleichbar mit dem, was am Anfang der Verhandlungen angeboten worden sei. „Die Gesamthöhe ist in etwa gleich geblieben. Das zu kleine Tischtuch wurde nur immer wieder woanders hingezogen“, sagte Felsberg. In Berlin zahle Vivantes den Ärzten im Vergleich zu anderen großen Krankenhäusern am wenigsten. „Darunter leidet die Qualität“, kritisierte der Geschäftsführer des Marburger Bundes.

Vivantes hingegen sagt, dass die Bezahlung der Ärzte mit ihrem Angebot „vergleichbar mit anderen Berliner Krankenhausträgern“ wäre, „teilweise auch höher“. Dies als unzureichend darzustellen und weitergehende Forderungen zu stellen, sei „nicht angemessen“.