Baumängel

Berliner Schulen werden nach Einsturz auf Pfusch überprüft

Vor rund vier Wochen stürzte die Decke einer Grundschule in Berlin-Frohnau ein. Der Fall hat Konsequenzen: Sämtliche baugleiche Schulen dieser Altersklasse werden nun auf Schäden untersucht.

Foto: Steffen Pletl

Vor gut einem Monat stürzte eine Decke im Treppenhaus der Renée-Sintenis-Grundschule in Frohnau ein. Dass niemand verletzt wurde, war vor allem dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass der 4. Mai ein Sonntag und die Schule somit geschlossen war.

Zwei unabhängige Statikbüros haben inzwischen übereinstimmend festgestellt, dass es sich bei dem Unglück um „keinen baukonstruktiven, sondern um einen ausführungsbedingten Mangel bei der Errichtung des Schulgebäudes in den Entstehungsjahren 1957/1958 handelt“. Das geht aus der Antwort von Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage der Piraten hervor.

Unterdessen hat der Bezirk Reinickendorf damit begonnen, sämtliche baugleiche Schulen dieser Altersklasse vorsorglich auf vergleichbare Schäden zu untersuchen.

Auf einer Liste, die der Berliner Morgenpost vorliegt, sind neben der Renée-Sintenis-Schule weitere acht Grundschulen, zwei Sekundarschulen und ein Gymnasium aufgeführt, die das Bezirksamt als untersuchungswürdig eingestuft hat.

Alle Klassenräume werden untersucht

Ursache für den Absturz der Decke im Altbauteil der Sintenis-Schule war nach Auskunft von Rackles die unsachgemäße bauliche Befestigung einer Rohrputzdecke. „Der Absturz dieser Rohrputzdecke auf eine darunter vorhandene abgehangene Stahllamellendecke führte zu dem Gesamtschaden im Schultreppenhaus“, heißt es im Bericht des Staatssekretärs.

Da eine Gefährdung über das Treppenhaus hinaus in weiteren Gebäudeteilen der Renée-Sintenis-Grundschule nicht ausgeschlossen werden konnte, wurden inzwischen „alle Klassenräume und Bereiche wie Flure des Schulaltbaus“ untersucht, so Rackles weiter.

Prüfung vor Ort möglichst in den Sommerferien

Im Ergebnis muss das Bezirksamt Reinickendorf wegen dieser Bewertungen nahezu alle Decken in den Klassenräumen und Fluren im Schulaltbau entfernen und neue abgehängte Decken einbauen lassen. „Mithin müssen nun etwa 1400Quadratmeter Unterdecken kurzfristig saniert werden“, so Rackles. Alle elf baugleichen Schulen würden derzeit von einem Ingenieurbüro überprüft, so der für die Reinickendorfer Liegenschaften zuständige Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU).

Die Prüfung erfolge zunächst nach Aktenlage. Bis Ende dieses Monats sollen alle betroffenen Schulen überprüft sein. „Sollte sich aufgrund des Aktenstudiums die Notwendigkeit ergeben, dass die Ingenieure vor Ort überprüfen müssen, wird dies dann möglichst in den Sommerferien geschehen“, so Balzer weiter.

Bislang seien bereits die Bauunterlagen von drei Schulen entsprechend geprüft worden. „Dabei sind keine Auffälligkeiten festgestellt worden“, sagte Balzer.

Nicht nur in Reinickendorf, sondern auch in anderen Bezirken sind in den 50er-Jahren Schulgebäude errichtet worden. Mit der Überprüfung hält man sich dort jedoch vorerst zurück, will lieber abwarten, was für Ergebnisse die Untersuchung in Reinickendorf erbringt. „Baugleiche Schultypen haben wir nicht“, begründet etwa die Bildungsstadträtin von Steglitz-Zehlendorf, Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Zudem habe man als Konsequenz aus dem Einsturz der Eislaufhalle in Bad Reichenhall im Januar 2006 die Statik sämtlicher großflächiger Decken veranlasst. „Dabei wurden keine Auffälligkeiten entdeckt“, so die Stadträtin.

Bauleute statt Schüler und Lehrer

Im Altbau der Sintenis-Schule gehen unterdessen statt Schülern und Lehrern nun die Bauleute ein und aus. „Der Plan sieht einen Abschluss der Bauarbeiten zum Ende der Sommerferien vor“, so Balzer. Im neuen Schuljahr könnten die an eine Schule im Ortsteil Hermsdorf ausgelagerten Klassen wieder zurückkehren.

Ungeachtet der Bauarbeiten hat die Sintenis-Schule am Mittwochabend ihre traditionelle „Begegnung im Foyer“ gefeiert. Das Fest, bei dem alljährlich Eltern, Lehrer, Erzieher, Schulleitung und Schulpersonal miteinander feiern, konnte trotz der Baustellenatmosphäre an der Schule stattfinden. „Das Foyer ist der einzige Raum im Altbau der Schule, der noch betreten werden kann“, so Gesamtelternvertreterin Kirsten Haß. Man hoffe nun auf schnelle Bauarbeiten.