„Denk mal an Berlin“

Materialkoffer illustriert Schicksale von NS-Zwangsarbeitern

Der Verein „Denk mal an Berlin“ nimmt sich des Themas NS-Zwangsarbeit an. Zusammen mit Schülern der Neuköllner Clay-Oberschule entstand ein Koffer voller Zeugnisse, der die Schicksale veranschaulicht.

Foto: Massimo Rodari

Zwangsarbeit im Nationalsozialismus – 26 Millionen Menschen haben gegen ihren Willen im Deutschen Reich arbeiten müssen, allein in Berlin soll es rund eine halbe Million Menschen gewesen sein, verschleppt aus den besetzten Gebieten. Der Verein „Denk mal an Berlin“ hat sich des Themas angenommen. „Wir wollen das Bewusstsein für den Denkmalschutz in Berlin fördern und das Bewusstsein der Jugend für solche Themen schärfen“, sagt Vorstandsmitglied Elisabeth Ziemer.

Unterstützt vom Dokumentationszentrum Zwangsarbeit und dem Museum Neukölln ist ein „Materialkoffer Zwangsarbeit“ entstanden, den sich Schulen, Jugend- oder Kirchengruppen, aber auch andere Interessierte ausleihen können. Damit kann thematisch eine Doppelstunde Unterricht, aber auch eine Projektwoche gefüllt werden. Am Donnerstag wurde der Koffer, den es in drei Exemplaren gibt, im Geschichtsspeicher des Museums Neukölln vorgestellt. Getestet haben ihn Schüler der Clay-Oberschule. Der Holzkoffer enthält Original-Funde von damals, beispielsweise ein Stückchen Maschendraht, Betonreste und verrostete Nägel vom KZ-Außenlager am Columbiadamm.

Es gibt auch Reproduktionen, Fotos, Dokumente, Aufnäher für die Kleidung mit „Ost“ und „P“ für die polnischen Zwangsarbeiter. Auch ein winziges Stückchen Seife, das drei Monate reichen musste und dessen Verteilung keine Selbstverständlichkeit war, ist im Koffer, ebenso ein Rosenkranz und die Flucht-Zeichnung eines holländischen Zwangsarbeiters. Auf der kopierten Bauakte vom einstigen Barackenlager in Rudow können Interessierte erkennen, wie solch ein Lager aufgebaut und wie beengt alles war. 3000 Lager, in denen diese Menschen kaserniert wurden, sind in Berlin bekannt, in Neukölln sollen es etwa 40 gewesen sein.

Dort, auf dem einstigen Firmensitz der Eternit AG an der August-Froehlich-Straße Ecke Neudecker Weg, soll bald ein Neubau für die Clay-Oberschule entstehen. Doch bevor der Schulneubau beginnt, muss noch die vorhandene Wirtschaftsbaracke des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers zurückgebaut werden. Die archäologische Grabung soll im September beginnen. Der Bezirk lässt sich die Arbeiten und die Dokumentation 400.000 Euro kosten. Der Materialkoffer sei Teil der Verpflichtung, das historische Erbe zu würdigen und zu bewahren. Giffey begrüßt, dass die Clay-Schüler das Projekt begleiten. „Es ist schon beeindruckend, was sie zusammengetragen haben“, so Giffey.

Koffer-Ausleihorte: www.denk-mal-an-berlin.de; www.dz-ns-zwangsarbeit.de, www.museum-neukoelln.de