Rücktritt

Stephan Schwarz tritt als Berliner IHK-Vize zurück

Der Vizepräsident der Berliner IHK, Stephan Schwarz, ist zurückgetreten. Er nannte „persönliche Gründe“. Sein Rücktritt soll aber mit Auseinandersetzungen um die Messe Berlin zusammenhängen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Der Vizepräsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Stephan Schwarz, ist zurückgetreten. Wie er der Berliner Morgenpost bestätigte, habe er seinen Rücktritt bereits am 26. Mai schriftlich erklärt, die Aufgabe des Ehrenamtes geschah mit sofortiger Wirkung. Ausschlaggebend dafür seien „persönliche Gründe“ gewesen, so Schwarz. Die Kammer bestätigte den Rücktritt, äußerte sich aber ebenfalls nicht zu den Gründen. Eine offizielle Mitteilung erfolgte bislang nicht und ist offenbar von der IHK auch nicht vorgesehen. Schwarz ist Präsident der Berliner Handwerkskammer, dieses Amt ist vom Rücktritt als IHK-Vize nicht berührt.

Die IHK-Spitze wollte sich am Mittwoch nicht öffentlich zu dem überraschenden Vorgang äußern. Betont wurde jedoch, dass sich an der engen Zusammenarbeit zwischen Handwerkskammer und IHK nichts ändern werde. Die gemeinsamen Zukunftsinteressen seien nicht berührt, hieß es offiziell. Schwarz habe seinen Rücktritt mit persönlichen Motiven begründet, dies respektiere man, und deshalb werde es auch keine weitere Mitteilung oder gar Erklärung geben.

Zweifel an der Darstellung

Sowohl politische Beobachter als auch Mitglieder der IHK-Vollversammlung äußerten Zweifel an dieser doch recht lapidaren Darstellung. Aus Senatskreisen wurde dann auch bestätigt, dass Schwarz’ Entscheidung eher mit Auseinandersetzungen in der IHK-Führung um die Messe Berlin zusammenhängt. Dort stand die Neubesetzung des Aufsichtsrates an. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) wollte den langjährigen Aufsichtsratschef Hans-Joachim Kamp nicht mehr an der Spitze des Kontrollgremiums haben. In der Berliner Wirtschaft löste Yzers Plan große Verärgerung aus, insbesondere die IHK und die Handwerkskammer opponierten heftig dagegen. Sie forderten, an Kamp festzuhalten und die bewährte Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Messe Berlin und vor allem mit Messechef Christian Göke fortzusetzen.

Der monatelange Streit um den Messe-Aufsichtsrat drohte zu eskalieren, auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel waren alarmiert. Schließlich wurde in zwei Krisentreffen bei Wowereit eine Lösung gefunden. Wowereit, Yzer, Handwerkskammer-Präsident Schwarz und IHK-Präsident Schweitzer handelten einen Kompromiss aus, mit dem alle Seiten ihr Gesicht wahren konnten. Peter Zühlsdorff, 73, früherer Vorstandsvorsitzender des Kosmetikunternehmens Wella und Aufsichtsratschef des landeseigenen Krankenhauskonzerns Vivantes, wird Kamp ablösen.

Dennoch gab es anschließend Unstimmigkeiten. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus Senatskreisen war Vertraulichkeit vereinbart worden, wie der Kompromiss mit Yzer zustande kam und wer Zühlsdorff vorgeschlagen hatte. Dennoch drangen Interna darüber an die Öffentlichkeit, was Schwarz sehr verärgert haben soll. Offenbar so sehr, dass er am 26. Mai seinen Rücktritt als IHK-Vize erklärte und auch nicht an einer für den nächsten Tag geplanten und von der IHK organisierten China-Reise teilnahm. Diese Reise führte eine hochrangige Delegation der Berliner Wirtschaft und den Regierenden Bürgermeister vom 27. bis 31. Mai in die Volksrepublik.

Auf Sprachregelung geeinigt

Schwarz dementierte einen Zusammenhang zwischen seinem Rücktritt bei der Industrie- und Handelskammer und den Vorgängen um den Messe-Aufsichtsrat nicht ausdrücklich. Er verwies gegenüber der Berliner Morgenpost darauf, sich mit der IHK auf eine „Sprachregelung geeinigt“ zu haben. Das Verhältnis zwischen den beiden Kammern sei durch seinen Schritt nicht berührt, sie würden „weiterhin kooperativ zusammenarbeiten und vieles gemeinsam machen, insbesondere der Wirtschaft gegenüber der Politik Gehör verschaffen, sagte Schwarz.

Schwarz ist Chef der GRG, einer deutschlandweit agierenden Unternehmensgruppe im Bereich Gebäudereinigung. Seit rund einem Jahr ist er mit der Modedesignerin Jette Joop liiert, für sie verließ er seine langjährige Lebensgefährtin. Schweitzer und Schwarz kennen sich seit rund zehn Jahren und sind auch privat eng befreundet. IHK-Vizepräsident war Schwarz zwei Jahre lang. Seine Wahl ins Präsidium sollte auch die enge Zusammenarbeit der beiden Kammern untermauern und richtungweisend für die Arbeit der Kammern in Deutschland sein.

Schwarz erklärte am Mittwoch, die intensive Verzahnung manifestiere sich in gemeinsamen Abstimmungen und Stellungnahmen, nicht durch den Sitz in Gremien. Er habe sich entschieden, nicht mit der Delegation nach China zu fahren, weil es „inkonsequent“ gewesen wäre, einen Tag nach dem Rücktritt an einer solchen Reise „auf Ticket der IHK“ teilzunehmen. Auf die Frage, warum eine so wichtige Personalie wie der Rücktritt eines IHK-Vizepräsidenten nicht öffentlich mitgeteilt wurde, sagte Schwarz, das sei nicht seine Aufgabe, sondern die der Kammer.

Seitens der IHK wird betont, dass nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den Kammern bestehen bleiben werde, sondern auch die Freundschaft zwischen Schwarz und Schweitzer. Allerdings überließen sie am Mittwoch die Auszeichnung der besten Berliner Ausbildungsbetriebe ihren Hauptgeschäftsführern. Terminprobleme – so hieß es. Auch das für Mittwochabend terminierte Jahrespressegespräch von Schweitzer und Schwarz wurde aus Termingründen abgesagt.