Nach Volksentscheid

Was auf dem Tempelhofer Feld jetzt wirklich verboten ist

Das Tempelhofer Feld soll bleiben, wie es ist. Aber was bedeutet das für die Besucher? Sind Sportplätze, Bäume, Lokale, Tische und Mülleimer erlaubt? Hier lesen Sie die Antworten.

Foto: Carsten Koall / Getty Images

Erst am Mittwoch hatte die Landeswahlleiterin die Endergebnisse der Europa-Wahl und der Abstimmung zum Tempelhofer Feld verkündet. Doch bereits am Donnerstag musste sie beide Ergebnisse korrigieren. Denn rund 200 zunächst verschwundene Wahlbriefe sind wieder aufgetaucht. Ein Beschuldigter des Briefwahlvorstands übergab sie der Polizei. Über das tatsächliche endgültige Ergebnis der Europa-Wahl in Deutschland entscheidet der Bundeswahlausschuss am 20. Juni. Das neue Ergebnis zum Volksentscheid will der Landeswahlausschuss am 13. Juni feststellen.

Die Korrekturen sind nur für Statistiker interessant. Am Ergebnis des Volksentscheides ändert sich nichts: Das Gesetz der Initiative "100 Prozent Tempelhofer Feld" ist angenommen. Von Statements zum Tempelhofer Feld dürfte Bausenator Michael Müller (SPD) daher genug haben, nachdem die Koalitionspläne für eine Randbebauung hinfällig geworden sind.

Die Abstimmungskarte zum Tempelhofer Feld

Im Abgeordnetenhaus musste Müller dennoch Stellung beziehen. Dem Mitglied der Piraten-Fraktion, Christopher Lauer, ging es bei seiner Frage aber nicht um den Volksentscheid. Angesichts eines Zeitungsartikels wollte er wissen, ob Besucher des Feldes tatsächlich Gefahr liefen, mitsamt aus dem Kriege stammenden Sprengstoffes in die Luft zu gehen – etwa wenn sie kleine Metallstangen, beispielsweise für einen Sonnenschutz, in den Boden rammen.

Was ist verboten und was bleibt erlaubt

Nein, sagte Müller, die Gefahr bestehe nicht. Wie überall in Berlin sei zwar auch auf dem einstigen Flughafen nicht auszuschließen, dass unter der Erde Kleinstmunition liegen könne. Untersuchungen vor der Öffnung des Feldes für die Öffentlichkeit hätten aber gezeigt, dass diese nicht direkt unter der Grasnarbe seien. Das "Rammverbot", so die Verwaltung, sei also nichts Neues und eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Im Boden buddeln, das ist also verboten. Seit dem Volksentscheid ist auch klar, dass das Feld nicht bebaut werden darf. Im zentralen Wiesenbereich, also dem Areal innerhalb des asphaltierten früheren Taxiways, der die Fläche mit den einstigen Start- und Landebahnen umgibt, darf es praktisch gar keine Veränderungen geben. Auch im äußeren Wiesenring außerhalb des Taxiways dürfen keine neuen Gebäude errichtet und bestehende nur saniert, nicht aber erweitert werden.

So weit, so klar. Wenn es um Details von Erlaubtem und Verbotenem geht, zucken aber selbst die Autoren des Gesetzes von der Bürgerinitiative oft mit den Schultern. Denn der Text ist in einigen Punkten nicht ganz eindeutig. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die die Entwicklung und Pflege des Feldes übernimmt und über Nutzungsanträge entscheidet, will deswegen Gutachter beauftragen – und sich zur Frage, wie welcher Paragraf im Einzelnen anzuwenden ist, erst danach äußern.

Die Berliner Morgenpost erklärt schon jetzt, was verboten ist und was erlaubt bleibt – und zeigt, welche Fragen ungeklärt sind.

Sportplätze

Laut Gesetz dürfen sie nur im äußeren Wiesenring angelegt werden und dürfen nicht überdacht sein. Die wegfallende Wiesenfläche muss auf dem Feld durch die Begrünung bisher versiegelter Flächen ersetzt werden. Unklar ist, ob Vereine oder lose Gruppierungen Sportplätze zumindest vorübergehend blocken können, etwa für Trainingseinheiten. Denn im Gesetz heißt es, dass das Tempelhofer Feld den Besuchern "grundsätzlich vollumfänglich, dauerhaft und uneingeschränkt zur Freizeitgestaltung und Erholung zur Verfügung" stehen muss. Da feste Vergabezeiten andere zumindest zeitweise ausschließen würden, wären sie bei einer strengen Textinterpretation unzulässig.

Bäume

Sie dürfen nur im äußeren Wiesenring angepflanzt werden – allerdings nur wenn sie einzeln stehen. Eine größere zusammenhängende Fläche, die Schatten spenden könnte und den Wind bremsen würde, ist verboten.

Sitze, Tische, Abfallbehälter

Wenn sie fest verankert sind und dauerhaft bleiben, darf es sie nur im äußeren Wiesenring geben. Auch sanitäre Anlagen wie Toiletten gestattet das Gesetz nur außerhalb des Taxiways. In der Kernzone sind dagegen nicht einmal Hinweisschilder und die Beleuchtung von Wegen zulässig. Bewegliche Müllcontainer können dagegen bleiben.

Gastronomie

Verhungern oder verdursten muss niemand. Gaststätten sind erlaubt – zumindest in der Theorie. Weil auf dem gesamten Gelände keine neuen festen Bauten errichtet oder bestehende erweitert werden dürfen und Versorgungsleitungen, etwa für Wasser und Strom, nur im äußeren Wiesenbereich verlegt werden dürfen, kann es Betriebe faktisch aber nur im äußeren Wiesenbereich geben – und auch dort nur, wo bestehende Bauten dafür genutzt werden können. Am südlichen und östlichen Rand des Feldes scheinen Biergärten oder Cafés damit ausgeschlossen. Am Columbiadamm, wo es schon jetzt einen Biergarten gibt, stehen dagegen Gebäude, deren Nutzung man prüfen könnte. Mobile Versorgungsmöglichkeiten sind erlaubt. Denkbar wäre der Verkauf aus Lastenfahrrädern.

Großveranstaltungen

Sie sind nur im äußeren Wiesenring möglich. Kommerzielle Feste mit Eintritt wären bei strenger Gesetzesauslegung verboten, weil das Tempelhofer Feld nicht zahlenden Nutzern zumindest zeitweise nicht vollständig offenstünde. Dies wird im Gesetz aber gefordert. Juristen haben zur Auslegung der Gesetzespassage unterschiedliche Sichtweisen. Auf dem durch einen Zaun abgetrennten Vorfeld am ehemaligen Flughafengebäude kann es weiterhin Veranstaltungen geben. Die Fläche gehört nach der Definition des Gesetzes nicht zum Tempelhofer Feld.

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