Fitnessklub

Die Frauenbewegerin, die „Mrs. Sporty“ erfand

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Britta Klar

Foto: Reto Klar

Valerie Bönström ist Gründerin und Geschäftsführerin von Mrs. Sporty. Der deutsche Frauenfitness-Marktführer ist seit zehn Jahren erfolgreich. Für sein Franchisekonzept wurde er dreimal ausgezeichnet.

Sportlich, elegant und dynamisch. Das ist der erste Eindruck, den Valerie Bönström macht, als sie die drei Stufen herunterkommt, die Hand zum Schütteln bereit und ein „Willkommen bei Mrs. Sporty“ auf den Lippen. Die 34-Jährige ist Gründerin und Geschäftsführerin der Frauenfitness-Kette, die dieser Tage zehnjähriges Bestehen feiert und gerade zum dritten Mal hintereinander vom Unternehmer-Magazin „Impulse“ mit dem deutschen Franchise-Award ausgezeichnet worden ist.

Mobilcom und das Duden Institut für Lernsysteme hatten das Nachsehen. Die Begründung der Jury: „Mrs. Sporty ist innovativer als alle anderen Konkurrenten, wächst schneller als der Wettbewerb und hat die höchste Franchisenehmer-Zufriedenheit.“ „Das ist schon toll, wir freuen uns auch alle sehr“, sagt Valerie Bönström, „aber für meine tägliche Arbeit ändert das nichts.“ Sie sitzt im Mitarbeiterraum des Fitnessclubs an der Reichenhaller Straße in Schmargendorf – eines der fünf von ihr selbst geführten Studios. Dreimal in der Woche trainiert sie hier, nah an ihrem Zuhause. „Ich bin ja selber mein eigenes Mitglied und mit diesem Club auch mein eigener Franchisepartner“, sagt Valerie Bönström, die „waschechte Berlinerin“, die mit einem Schweden verheiratet ist und mit ihm drei Kinder im Alter von zehn, neun und eineinhalb Jahren hat.

Eigentlich träumte sie von sechs Kindern

„Ich bin im Grunewald aufgewachsen, meine Kinder sind im selben Krankenhaus auf die Welt gekommen, in dem ich schon geboren wurde – man kann also sagen, ich hab mich nicht viel bewegt“, sagt die Unternehmerin und lacht. Bewegt hat sie dennoch viel. Den Weg dahin fasst sie schnell zusammen: „Früher war mein Traum immer, an der Uni zu bleiben, zu arbeiten und sechs Kinder zu haben.“ Informatik wollte sie studieren – das hat sie dann auch, an der Freien Universität Berlin. Obwohl ihr Vater zu ihr sagte: „Aber du bist doch blond und ein Mädchen.“ Sie sagt: „Aber ich war schon immer zielstrebig in der Umsetzung meiner Ideen.“

Während ihres Informatikstudiums arbeitete sie für eine Filmproduktionsfirma und die Deutsche Bank. Als selbstständige Software-Beraterin betreute sie Kunden wie IBM oder J.P. Morgan. Ihren MBA machte sie in Dubai und London. 2004 gründete sie dann mit ihrem Mann, Niclas Bönström, einem Kaufmann, der schon für eine große Fitnesskette in Skandinavien tätig war, Mrs. Sporty. „Mein Mann sagte: ‚Ich will was für die Frauen in Deutschland tun.‘“ Dabei wollte Valerie Bönström nie etwas mit Fitnessstudios zu tun haben.

Inzwischen scheint sie längst angekommen zu sein. „Anfangs habe ich mich da wirklich reinziehen lassen, habe dann aber schnell gemerkt: In der Informatik sind die Ergebnisse alle sehr theoretisch, hier bei uns sieht man die Ergebnisse direkt und ob man ein Menschenleben beeinflusst. Ich verändere mit meiner Arbeit Leben. Sport schafft es einfach, Kraft und Energie für den Alltag zu liefern.“ Das klingt nach Pathos – ist es auch, aber ernst gemeintes. Valerie Bönström sagt: „Ich habe einfach diese unheimliche Faszination für das, was wir machen.“ Und vielleicht ist diese Begeisterung der Schlüssel zum Erfolg.

Mrs. Sporty ist heute mit 550 Clubs in sieben europäischen Ländern vertreten, mehr als 200.000 Frauen trainieren dort. Das Ziel der Chefin ist es, die Zahl der Clubs in Deutschland „in den nächsten fünf Jahren etwa zu verdoppeln“. Österreich sei „ziemlich dicht“, in Polen ist Mrs. Sporty stark vertreten, die Schweiz kommt, so die Geschäftsführerin. In Berlin gibt es knapp 50 Standorte, nur „ein oder zwei Gebiete in der Stadt sind noch relativ frei“.

Valerie Bönström sieht sich aber nicht als Chefin all dieser Sportstätten, sondern als Franchisegeberin. Zu den von ihr selbst geleiteten fünf Clubs soll bald noch ein sechster hinzukommen. „Franchising ist so demokratisch“, sagt sie. „Wenn wir etwas gut gemacht haben, bekommen wir Lob von unseren Partnern, wenn etwas schlecht läuft, gibt es eins auf den Deckel.“ Die Partner forderten das Management aber auch immer, verlangten nach neuen Ideen. Deshalb sei „unser Erfolg ein Puzzle aus dem Engagement aller, die dabei sind“.

Steffi Graf ist das Werbegesicht

Die Trainer, die das Zirkeltraining der Clubmitglieder begleiten, sind überwiegend Frauen. Das allerdings nicht zwangsläufig: „Wir haben auch ein paar Männer als Trainer, so ist es nicht“, sagt Valerie Bönström. Zum Unternehmen gehört außerdem Tennislegende Stefanie Graf. Sie ist Mitgesellschafterin, das Werbegesicht der Clubs, und sie half mit, das 30-minütige Zirkeltraining zu erarbeiten, das sich laut Konzept perfekt zwischen „Beruf, Supermarkt und Klavierunterricht der Kinder“ unterkriegen lässt. Ganz neu in den Clubs ist „Pixformance“, eine Art Trainingscomputer, der seinen Nutzer erkennt und den passenden Trainingsplan erstellt – ohne den Trainer vor Ort zu ersetzen.

Valerie Bönström wird an diesem Nachmittag nach New York fliegen. Für „kreative vier Tage“, die das fünfköpfige Managementteam von Mrs. Sporty, darunter drei Frauen, regelmäßig macht. „Das gibt uns Power, Anstöße und Ideen“, sagt Bönström. Danach kommt sie zurück nach Berlin. Denn sie bewegt sich eben doch. Aber immer auch wieder hierhin zurück.