Personalwechsel

Peter Zühlsdorff in Aufsichtsrat der Messe Berlin berufen

Peter Zühlsdorff (73) ist als neues Mitglied in den Aufsichtsrat der Messe Berlin GmbH entsandt worden. Damit hat sich Wirtschaftssenatorin Yzer (CDU) in einem Machtkampf durchgesetzt.

Foto: Amin Akhtar

Die Gesellschafterversammlung der landeseigenen Messe Berlin GmbH hat fünf neue Personen in den Aufsichtsrat berufen. Den Vorsitz übernimmt der ehemalige Wella-Chef Peter Zühlsdorff, der im Auftrag des Senats bereits den Klinikkonzern Vivantes kontrolliert. Zühlsdorff löst bei der turnusmäßigen Neubesetzung des Gremiums Hans-Joachim Kamp ab, der als Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) den Veranstalter der Funkausstellung repräsentiert. Soweit so normal.

Nicht ganz so normal war der Ärger vor der Personalie. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) hatte Kamp aus dem Amt gedrängt, gegen erbitterte Widerstände vor allem aus der Wirtschaft. Die gfu soll auch künftig im Aufsichtsrat vertreten sein. Sie wird ihren Geschäftsführer Alexander Pett benennen. „Ich setze darauf, dass das Wort des Regierenden Bürgermeisters gilt“, sagte Kamp dazu. Klaus Wowereit (SPD) soll der gfu eine entsprechende Zusage gegeben haben.

Neu im Kreis der Messe-Kontrolleure ist für die Tourismusindustrie, die mit der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) eine weitere Berliner Leitmesse veranstaltet, Thomas Ellerbeck, Top-Manager beim Reiseveranstalter TUI. Ebenfalls für eine Leitmesse steht Ulrike Niggemann, die mit ihrer Firma die Fruit Logistica ausrichtet. Für den Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie rückt der Mittelständische Unternehmer Georg Walkenbach in den Aufsichtsrat der Messe Berlin ein.

Ihre Plätze behalten der Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer, Jan Eder, Finanzstaatssekretär Klaus Feiler, der Bauunternehmer Wolf-Dieter Wolf, der sich als Vorsitzender des Investitionsausschusses bei der rechtzeitigen Fertigstellung des neuen City Cubes bewährte, sowie Wirtschaftssenatorin Yzer selbst. Zu den zehn Vertretern der Anteilseigner kommen noch die Aufsichtsräte der Arbeitnehmerseite.

Personalstreit beendet

Mit der Entscheidung der Gesellschafterversammlung hat der Machtkampf zwischen Yzer und Teilen der Berliner Wirtschaft um die Besetzung des Messe-Aufsichtsrates ein Ende gefunden. Yzer sagte, dass es bei einer turnusmäßigen Neubesetzung immer so sein sollte, dass die Hälfte der Kontrollmitglieder neu hinzukomme und die andere Hälfte bleibe. „Das sichert Kontinuität und bringt neue Impulse.“

Vor der Neubesetzung hatte es hinter den Kulissen schwere Auseinandersetzungen gegeben. Kamp hat nach eigenen Angaben im Januar dieses Jahres erfahren, dass Yzer ihn nicht mehr als Vorsitzenden des Aufsichtsrates wünscht. Das Vertrauensverhältnis sei zerstört, hieß es. Kamp wirft der Wirtschaftssenatorin nun schlechten Stil vor. „Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann sollte man das offen äußern“, sagte Kamp. Ihm gegenüber sei nie ein Wort der Kritik gefallen. Dazu habe es nach Auffassung des langjährigen Aufsichtsratchefs auch keinen Anlass gegeben. „Die Messe Berlin hat sich in den vergangenen zehn Jahren, in denen ich im Aufsichtsrat tätig war, besser entwickelt, als alle anderen Messegesellschaften in Deutschland“, sagte Kamp. Der Umsatz habe sich auf 250 Millionen Euro verdoppelt.

Sein Engagement habe dazu geführt, dass die Internationale Funkausstellung (IFA) ihre Position als weltweit führende Messe der Elektro-Industrie ausgebaut habe. Seit 2006 findet sie jährlich statt, seit 2008 ist ein Elektro-Geräte-Kongress in die Veranstaltung integriert. „Ich habe das gegen Widerstände in der Industrie und des Handels durchgesetzt – zum Wohle der Messe und des Landes “, sagte Kamp. Er habe seine Arbeit im Aufsichtsrat nicht beenden wollen, sagte der Manager. Wenn Yzer – wohl auch aus persönlichen Gründen – jetzt ohne ihn plane, akzeptiere er das. „Es ist gut für die Messe, wenn jetzt Ruhe einkehrt. Ich bleibe Berlin wohlgesonnen, es bleibt für mich nichts zurück.“

Kritiker warfen der Messe in der Vergangenheit vor, sich zu sehr auf die großen Leitmessen konzentriert zu haben und wenig neue Formate etabliert zu haben. Diesen Vorwurf wies Kamp am Dienstag zurück. Man könne nicht einfach neue Messen aus dem Boden stampfen. Andere Messegesellschaften würden sich mit viel Geld im Ausland einkaufen und hoffen, einen Teil des Geschäfts in ihre Stadt zu holen. Dafür fehle in Berlin das Geld.

Kompromisskandidat Zühlsdorff

Der Ursprung für den Streit um den Chefposten des Aufsichtsrats liefert die Auseinandersetzung über die Besetzung der Geschäftsführung. Christian Göke war vor zwei Jahren der Wunschkandidat des scheidenden Messechefs Raimund Hosch und ging als bester aus dem Bewerbungsverfahren hervor. Doch Wirtschaftssenatorin Yzer wollte Hoschs Geschäftsführerkollegen Göke nicht zum Messechef berufen. Erst nach harten Auseinandersetzungen setzte die Messe – unter großem Einsatz des Aufsichtsratsvorsitzenden Kamp – Göke durch. Den Verzicht jetzt auf eine Zusammenarbeit mit Kamp führen viele Beobachter auf diese Geschichte zurück. „Man sieht sich immer zweimal im Leben,“ sagte Kamp dazu.

Auch bei der Nachfolgeregelung für Kamp gab es mehrere Versuche, die Personalie einvernehmlich zu lösen. Dabei kam es unter anderem zu drei Treffen zwischen dem Wowereit, IHK-Chef Eric Schweitzer, Handelskammer-Chef Stephan Schwarz und Yzer. Der jetzt vorgeschlagene neue Aufsichtsratschef Zühlsdorff soll auf Vorschlag von Schwarz als Kompromisskandidat ins Spiel gebracht worden sein.

Die IHK begrüßte die Berufung Zühlsdorffs. „Die Messe Berlin gewinnt mit Herrn Zühlsdorff einen ausgesprochenen Wirtschaftsfachmann und erfahrenen Gremienvertreter für den Aufsichtsrat. Eine gute Wahl - mit ihm kann die Erfolgsgeschichte der Messe Berlin fortgeschrieben werden“, sagte IHK-Chef Schweitzer. Die Grünen sehen dagegen keinen Neuanfang. „Ich hatte die Hoffnung, dass künftig auch Persönlichkeiten aus Berlins Zukunftsbranchen vertreten sind, das ist nicht so“, sagte Nicole Ludwig, Wirtschaftsexpertin der Fraktion. „Wo neue Impulse herkommen sollen, ist mir unklar.“