Machtkampf

Berliner Messe bekommt neuen Chefkontrolleur

Die Gesellschafter der Messe Berlin stellen die Weichen für Veränderungen im Aufsichtsrat. So soll Peter Zühlsdorff in das Kontrollgremium entsandt werden, um dann den Vorsitz zu übernehmen.

Foto: Franz-Peter Tschauner / dpa

Peter Zühlsdorff (73) soll am heutigen Dienstag als neues Mitglied in den Aufsichtsrat der Messe Berlin GmbH entsandt werden. Mit dieser Personalie, die mit den Spitzen der Koalition abgestimmt ist und in der heute tagenden Gesellschafterversammlung beschlossen werden soll, hatte sich die Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) im Machtkampf mit der Messe-Führung und Teilen des Aufsichtsrates durchgesetzt.

Der frühere Vorstandsvorsitzende des Kosmetikkonzerns Wella löst den langjährigen Chef des Kontrollgremiums, Hans-Joachim Kamp, ab. Der Vertreter des Funkausstellungs-Veranstalters Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) soll dem Messe-Aufsichtsrat nicht mehr angehören, hieß es im Vorfeld der Gesellschafterversammlung aus Senatskreisen.

Die Gesellschafterversammlung der Messe trifft sich demnach zum letzten Mal unter der Leitung von Kamp, um die Aufsichtsratsmitglieder zu nominieren. Anfang Juli soll dann der neue Aufsichtsrat aus seinem Kreis den Vorsitzenden – nach jetzigem Stand Peter Zühlsdorff – wählen.

Yzer wollte einen neuen Kopf an der Spitze der Messe und das Duo zwischen Messe-Chef Christian Göke und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Kamp sprengen. Nach erfolglosen Versuchen, einen Aufsichtsratschef zu gewinnen, soll es nun Zühlsdorff richten.

Zühlsdorff war im Streit mit von Obernitz gegangen

Der 73 Jahre alte frühere Top-Manager Zühlsdorff agiert seit dem vergangenen Jahr bereits im Auftrag des Landes Berlin als Aufsichtsratsvorsitzender des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes. Zühlsdorff war auch Aufsichtsratsvorsitzender bei der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, ehe er 2012 im Streit mit Yzers Vorgängerin Sybille von Obernitz zurückgetreten war.

Mit seiner Berufung an die Spitze des Messe-Aufsichtsrates verändert Berlin als Eigentümer von 99,7 Prozent der Gesellschaft seine Strategie. Bisher war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Vertreter der wichtigsten Leitmessen, allen voran die Funkausstellung, im Kontrollgremium den Ton angeben. Deswegen war Kamp, der frühere Deutschland-Chef von Philips, auch Vorsitzender.

Mit Zühlsdorff möchte Senatorin Yzer einen kompetenten Landesvertreter an der Spitze des Aufsichtsrates installieren, der stärker die speziellen Standort-Interessen des Landes im Auge hat als die Anliegen einzelner Großveranstaltungen oder der Messe als Unternehmen.

Nicole Ludwig, Sprecherin für Wirtschaft, Haushalt und Tourismus der Berliner Grünen-Fraktion, sagte am Montag, ihre Partei begrüße, „dass das Gezerre um die Besetzung des Messe-Aufsichtsrats ein vorläufiges Ende gefunden hat“. Allerdings bleibe unklar, welche Zielsetzung der Senat mit dieser Neugestaltung verfolge. Denn es gehe darum, jetzt Weichen für die Zukunft zu stellen, damit die Messe langfristig die nötige „Stadtrendite“ bringt. „Und da geht es um mehr, als nur ein gutes betriebswirtschaftliches Ergebnis“, so Ludwig.